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Frauenstein
Hilfe für die Blutlinde
Die Blutlinde neben der Frauensteiner Kirche ist einer der ältesten Bäume Hessens - und sie steht immer noch gut im Saft. Von Waltraut Rohloff
Von Waltraut Rohloff
Es ist eine uralte Herz-Schmerz-Geschichte, der die Frauensteiner "Blutlinde" ihren Namen verdankt. Der Sage nach hat eine Braut an der Stelle die Linde gepflanzt, an der ihr Liebster von den Geharnischten des Frauensteiner Burgherrn wegen Entführung hingerichtet worden war. Rund 800 Jahre, so berichten Baumkenner, ist die stattliche Linde neben der Kirche alt. Und es geht ihr recht gut. Sie ist zwar stark ausgehöhlt, aber ohne schweren Pilzbefall. Bis auf wenige Altersmacken steht sie noch im Saft, ist sie von "sehr guter Vitalität". Jedes Jahr treibt sie bis zu 25 Zentimeter aus. Das geht freilich nur, weil ihre ausladenden und teils schon hohlen Äste künstlich mit eisernen Trägern gestützt und mit Gurten gehalten werden.
Morsche Stellen entfernt
Damit es der Frauensteiner Blutlinde möglichst noch viele Jahrzehnte gut geht, wird sie regelmäßig alle vier bis fünf Jahre behandelt. So auch in diesen Tagen wieder. Morsche Stellen und Totholz wurden entfernt und die Krone um bis zu 20 oder gar 30 Prozent ausgedünnt, um die Äste des Naturdenkmals zu entlasten. Die Frauensteiner sind gottlob stolz auf eines der ältesten Naturdenkmäler Wiesbadens - anders als beim ältesten Winzerhaus, das nach langer Diskussion mit der Denkmalpflege im vergangenen Jahr abgerissen wurde.
Viele Feiern
Zu allen Jahreszeiten wird unter der Linde gefeiert. "Eine große Rarität", jauchzt Udo Riebold, Vizevorsitzender des Fachverbands geprüfter Baumpfleger. Der Fachverband und das Kuratorium "Alte liebenswerte Bäume in Deutschland" haben sich verbündet, um für die Kosten der Behandlung und Pflege der Blutlinde aufzukommen. "Das spart der Stadt etwa 900 Euro", sagt Riebold - und Grün-Dezernentin Rita Thies freut sich über so viel externe Unterstützung. Die Blutlinde ist nicht das einzige Exemplar, für das Kuratorium und Fachverband sich einsetzen. Auch die alten Eichen auf dem Terrain Unter den Eichen stehen auf der Wartungsliste. Das Kuratorium wurde 1988 von dem inzwischen gestorbenen Wiesbadener Hans Joachim Fröhlich gegründet.
Es hat das weitgespannte Ziel, Spenden einzutreiben und mit dem Geld alten Bäumen zu helfen. Adolf Hilger, Vorsitzender des in Höchst ansässigen Vereins, kündigte eine Umwandlung des Vereins in eine Stiftung an. Mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz arbeitet das Kuratorium bereits zusammen. Deren Präsident, der Wiesbadener Gottfried Kiesow, ist Beisitzer im Kuratorium.