Deutscher Krimipreis

Na, Angst gehabt?

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Zehn Fernsehproduktionen kämpfen vom 7. bis 10. März um den deutschen Krimipreis

Gesagt wird nichts. Man hört nur den schweren Atem eines Mannes. Filmszenen wechseln sich ab, dann klingelt ein Telefon. Die Kamera verharrt in Großaufnahme auf Horst Tappert, der grinsend mit seiner knarzigen Stimme fragt: „Na, Angst gehabt?“ Wem Horst Tappert in diesem Trailer schon zu gruselig ist, wird beim Wiesbadener Krimifestival wohl nicht ohne Beruhigungstropfen auskommen. Zehn spannende Produktionen des öffentlichen und privaten Fernsehens werben vom 7. bis zum 10. März um die Gunst der Zuschauer – und kämpfen um den deutschen Fernsehkrimipreis.

Wochenlang hat eine Vorjury die Filme gesichtet. Mehr als 60 waren es, die Maria Wismeth von der Hessischen Filmförderung, Barbara Dierksen und Christine Kopf von der Festivalleitung, Liane Jessen (Hessischer Rundfunk), Klaus Bassiner (ZDF), Barbara Thielen (RTL), Christian Balz (Pro Sieben) und Wiesbadens Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz gesehen haben, über die sie diskutierten, lange und intensiv. „Ob man einen Film gut oder schlecht findet, ist nicht nur Geschmacksache“, sagt Maria Wismeth. Einen guten Krimi machten die Erzählstruktur, ein gesellschaftspolitischer Ansatz, gute Dialoge aus und – natürlich – , dass man nicht sofort weiß, wer der Mörder ist.

Selbst eingefleischte Krimifans wie Maria Wismeth haben die vielen großartigen Festival-Beiträge überrascht und manchmal sogar in die Irre geführt, sagt sie. Ein Trend lasse sich vor allem beobachten: „Die Themen Dorf, Regionalität, Familie stehen im Vordergrund“, sagt Jessen, was sich zum Beispiel in den Festival-Filmen „Die Gurkenkönig“, die im Spreewald spielt, und „Tödlicher Rausch“ zeige.

Die Vorjury hat ihre Schuldigkeit getan. Jetzt müssen Anfang März Regisseur Max Färberböck (Aimée und Jaguar), Schauspielerin Ulrike Kriener (Kommissarin Lucas), Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz (ehemaliger hessischer Europa- und Justizminister), der diesjährige Krimistipendiat Stefan Slupetzky und Ernst Szebedits (Leiter der Murnau-Stiftung) den besten Krimi küren. Auch das Publikum vergibt einen Preis.

Etwa 4000 Zuschauer zählte das Festival, das vom Kulturamt Wiesbaden und dem Medienzentrum Wiesbaden veranstaltet wird, im vergangenen Jahr. Rund 110000 Euro kostet seine Umsetzung, es hat zahlreiche Unterstützer.

Villa wird zur Lounge

In diesem Jahr zahlen die Zuschauer für die Vorführungen am Nachmittag erstmals Eintritt. Und noch eine weitere Neuerung gibt es: Das Literaturhaus Villa Clementine wird erstmals zur Festivallounge. Dort findet parallel zum Wettbewerb das Begleitprogramm statt. Dort sind unter anderem Folgen von Radio Tatort zu hören, die in Wiesbaden spielen.

Hingegen gleichgeblieben ist der Preis für den Gewinner des Fernsehkrimipreises. Der erhält 1000 Liter Wein – nicht nur roten. Vielleicht entsteht durch den Genuss des einen oder anderen Gläschens ja ein weiterer, preisverdächtiger Krimi, bei dem es sich gut gruseln lässt.

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