Patienten in Frankfurt bleiben wegen reduzierter Angebote und aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus weg.
+
Patienten in Hessen bleiben wegen reduzierter Angebote und aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus weg.

Corona-Krise

Wegen Coronavirus: Fachärzte in Hessen teils in Kurzarbeit

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
    schließen

Weil in der Corona-Krise Patienten ausbleiben, sehen sich viele Ärzte in Hessen Problemen gegenüber. Insbesondere eine Fachrichtung hat es schwer. 

  • Viele niedergelassene Fachärzte in Hessen bekommen die Corona-Krise zu spüren
  • Patienten sagen Behandlungen ab, Wartezimmer bleiben leer
  • Ein Arzt aus Wiesbaden berichtet: Umsätze brechen ein, Kurzarbeit steht an

Wiesbaden – Leere Wartezimmer, Ärzte in Kurzarbeit: Die Furcht vor dem Coronavirus* führt zu der absurden Situation, dass dem medizinischen Personal die Arbeit ausgeht. Zahnärzte registrieren einen Umsatzrückgang um 40 Prozent. 

Sonst stark gefragte große radiologische Praxen bieten plötzlich zeitnahe Termine an. Kinderärzte warten vergebens auf ihre kleine Patienten, um die Vorsorgeuntersuchungen vorzunehmen. Auch den Besuch von Augen- oder Hautarzt verschieben viele Patienten auf die Zeit nach Corona*. Diese Entwicklung trifft nahezu alle niedergelassenen Fachärzte – wohingegen mancher Hausarzt sich vor Anfragen nicht retten kann*.

Corona-Krise in Hessen: Urologe aus Wiesbaden mit Kurzarbeit

Einer der Betroffenen ist der Wiesbadener Urologe Michael Weidenfeld, der in dem großen Facharztzentrum Medicum arbeitet. Wegen des Infektionsschutzes ist das Angebot erheblich reduziert, einige Praxen, darunter die Urologie, haben Kurzarbeit*  für ihre medizinischen Fachangestellten und die angestellten Ärzte angemeldet, um den wirtschaftlichen Schaden* zu verringern.

 „Wir vier Gesellschafter halten den Betrieb jetzt aufrecht und holen uns je nach Bedarf Personal hinzu“, sagt Weidenfeld. Hauptgrund seien die ausbleibenden Patienten: „Die Bevölkerung hält sich sehr strikt an das Kontaktverbot.“

Fachärzte in Hessen klagen: Umsätze in Corona-Krise eingebrochen

Die Praxis mit Filiale in Bad Schwalbach bietet das gesamte urologische Spektrum an – inklusive ambulanten Operationen. Derzeit finden nahezu ausschließlich die chronisch Kranken und Tumorpatienten den Weg in die Sprechstunden. Die Distanzregeln* werden dort strikt eingehalten. 

Notfälle kommen ebenfalls – auch sie nur nach telefonischer Anmeldung. Verschiebbare Eingriffe sind untersagt, der Operationssaal ist stillgelegt. „Die Umsätze sind um gut die Hälfte eingebrochen“, sagt der Urologe.

Arzt aus Wiesbaden zu Corona: Leere Wartezimmer noch nie erlebt

Corona hat seine Welt und die seiner Mitstreiter durcheinandergewirbelt: „Eigentlich sind wir niedergelassenen Ärzte die Speerspitze in der Gesundheitsversorgung“, sagt Weidenfeld. „Leere Wartezimmer habe ich in den vergangenen 20 Jahren noch nicht erlebt.“ Noch halte sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen und sei nicht vergleichbar mit manchem Einzelhändler oder Gastronomen. 

Für die chirurgischen Kollegen jedoch sei die Situation ungleich schwieriger. „Die dürfen aktuell nichts machen.“ Währenddessen laufen die Kosten weiter für Miete, Strom, Personal, Putzdienst, Versicherungen. Und wer einen dicken Kredit für die Eröffnung einer eigenen Praxis abzuzahlen hat, verbringe gewiss die eine oder andere schlaflose Nacht.

Corona-Krise: Keine Zahlen über Kurzarbeit in Gesundheitsbranche 

Das Medicum ist einer von vielen fachärztlichen Versorgern in Hessen, deren Betrieb Corona stark eingeschränkt hat. Wie viele es sind, ist nicht zu beziffern. Weder der Bundesanstalt für Arbeit noch der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen liegen Zahlen über Kurzarbeit in der Gesundheitsbranche vor.

Es ist die Furcht vor dem Ansteckungsrisiko, die die Menschen dazu bringt, Vorsorgetermine abzusagen, die Leistenhoden-OP des Sohnes oder die eigene Leistenhernien-Operation zu verschieben, sagt Weidenfeld. Die gesundheitlichen Folgen seien überschaubar. „Wem es richtig schlecht geht, wer seine notwendige Therapie braucht, der meldet sich und kommt.“ Auch hofft er auf ein baldiges Ende des Ausnahmezustands. „Ich bin optimistisch, dass sich das nach Ostern reguliert.“ 

Alle neuen Entwicklungen in der Corona-Krise in Hessen begleiten wir in unserem News-Ticker

Zahnärzte in Hessen in schwieriger Lage wegen Corona

Bei den hessischen Zahnärzten hat der Andrang ebenfalls merklich nachgelassen. Für Angestellte gebe es zum Glück die Möglichkeit der Kurzarbeit, sagt Stephan Allroggen, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen. Doch ein selbstständiger Dentist müsse mit seinem Einkommen den Lebensunterhalt bestreiten samt Miete, Kreditverpflichtungen, Leasingrate für Geräte. 

Derzeit sei die Lage sehr unterschiedlich. „Manche haben nur zwei Stunden am Tag geöffnet, manche schon komplett geschlossen.“ Die Notfallversorgung sei gewährleistet. Auch die Arbeit an einem begonnenen Zahnersatz laufe weiter. Doch die professionelle Zahnreinigung oder die Routinevorsorge verschöben viele Patienten wegen des Kontaktverbots lieber. Manchmal sagten auch die Zahnärzte selbst ab – um ihre Teams zu schützen.

Eine Gruppe hessischer Zahnärzte hat sich dieser Tage zusammengeschlossen, um eine flächendeckende Versorgung von Covid-19-Patienten zu bieten. Bedingung dafür ist geeignete Schutzkleidung*. Auf die warten sie noch immer.

Von Jutta Rippegather

Künstler fallen bei der Corona-Soforthilfe in Hessen durchs Raster. Ministerin Dorns Drängen blieb erfolglos. Nun fordert die Opposition eigene Programme.

In Hessen sorgt die Corona-Krise* für sauberere Luft. Weniger Flüge und Verkehr lassen die Werte von Stickstoffdioxid und Ultrafeinstaub sinken. Die Stadt Frankfurt hofft sogar, Fahrverbote vermeiden zu können*.

Wie geht es nach Ostern in Deutschland weiter? Experten machen Vorschläge, wie man beispielsweise Schulen in der Corona-Pandemie wieder öffnen könnte.

Aus Furcht vor Infektion mit demCorona-Virus meiden Kranke Kliniken und Praxen. Die Behandlungen von Schlaganfällen, Krebs oder Magengeschwüren werden so verschleppt.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare