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Rebecca Thiel und Olaf Lobenhofer sind bei Henkell-Freixenet in Wiesbaden für Nachhaltigkeit und Umweltfragen zuständig.

Nachhaltigkeit

Henkell-Freixenet: Knapp 1850 Tonnen Kohlendioxid eingespart

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Henkell-Freixenet hat sich verpflichtet, jedes Jahr mehr für das Klima zu tun.

Die Mitarbeiter des Sekt- und Spirituosenherstellers Henkell-Freixenet trinken seit kurzem ihren Kaffee aus Keramikbechern. In der Betriebskantine auf dem Biebricher Unternehmensgelände wurden die Wegwerfbecher abgeschafft. Henkell-Freixenet hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst klimafreundlich zu wirtschaften. Die Becher zu ersetzen, ist da nur ein Detail. „Wir möchten damit bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein schaffen“, sagt Jan Rock, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Freitags demonstrieren Kinder und Jugendliche dafür, dass die Politik endlich mehr für den Klimaschutz unternimmt. Aber die Industriegesellschaften erscheinen von einer kollektiven Lähmung befallen zu sein. Henkell-Freixenet ist ein Beispiel dafür, dass auch die Unternehmen ihren Beitrag leisten können, weniger Treibhausgase in die Luft zu blasen und trotzdem erfolgreich zu sein.

Bei Henkell habe der Nachhaltigkeitsgedanke Tradition, sagt Olaf Lobenhofer, der seit 2000 Umweltbeauftragter im Unternehmen ist. „Wir setzen uns intensiv mit Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz auseinander - und das bereits seit 1998.“ Rebecca Thiel ist seit Dezember 2017 die erste Nachhaltigkeitsbeauftragte, sie arbeitet gerade am ersten Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens, der im Sommer fertig werden soll. „Der Konzern hat sich verpflichtet, sich kontinuierlich zu verbessern“, sagt sie. Dies geschieht nach den internationalen GRI-Richtlinien, ein transparentes Berichtssystem. Den Energieverbrauch konnte der Sekthersteller nach eigenen Angaben von 2016 auf 2017 von 83,7 auf 80,3 Kilowattstunden Strom pro tausend Flaschen reduzieren. Seit 2008 produziert eine Photovoltaikanlage, die zweitgrößte in Wiesbaden, 2613 Megawattstunden Strom und hat seitdem 1829,17 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart. Die Solaranlage und das Blockheizkraftwerk stellen ein Viertel des Energieverbrauchs auf dem Wiesbadener Standort selbst her.

Der Weltklimarat fordert, bis 2030 weltweit die Emissionen im Vergleich zu 1990 zu halbieren, um die Erderwärmung, wie auf dem Pariser Klimagipfel beschlossen, auf 1,5 Grad zu beschränken. Was können Unternehmen dazu beitragen? Die Nachhaltigkeitsberichtpflicht gilt nur für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern. Für kleinere werden auf internationaler Ebene standardisierte Energiemanagementsysteme (seit 2011 Norm ISO 50001) veröffentlicht. Aber die Teilnahme ist freiwillig. Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden 2016 in Deutschland 9024 Zertifikate vergeben. Unternehmen, die nach der DIN Norm 50001 wirtschaften, setzten tendenziell mehr Energieeffizienzprojekte um als jene ohne. Wie viel Emissionen eingespart werden, kann das Umweltbundesamt jedoch nicht sagen.

Nachhaltigkeit bei Henkell-Freixenet: Tochtergesellschaften und Lieferanten sind noch nicht energieeffizient

Henkell arbeitet seit 2001 nach der Norm. Damit hat sich das Unternehmen verpflichtet, jedes Jahr weniger Energie zu verbrauchen und muss dies nachweisen und veröffentlichen. „Einzelmaßnahmen sind ein guter Weg“, sagt Olaf Lobenhofer, der für die meisten Verbesserungen verantwortlich ist. Das bedeutet zunächst: anfangen. Energieeffizientes Wirtschaften ist ein langer und kleinteiliger Prozess. „Es ist wichtig, keine passive Stimmung zu erzeugen, auch kleine Schritte sind wichtig“, ergänzt Thiel.

Beim Gang durch die Abfüllhallen und das Firmengelände ist Lobenhofer nicht zu stoppen, so viel gibt es zu berichten, was bereits verbessert wurde. Er zeigt auf die Leitungen des Heizregisters, die isoliert wurden, damit sie keine Wärme verlieren, auch die ganz kleinen; auf die Fluchtwegsbeleuchtung, die auf LED umgestellt wurde, und die Lichtanlage, die ihre Leistung herunterfährt, wenn die Sonne durch das Dachfenster der Halle, wo die Flaschen befüllt werden, scheint.

Die Gärhalle auf dem Betriebsgelände in Biebrich wurde zudem verkleidet, damit sie weniger Wärme abgibt. Sie ist jetzt hell statt dunkelgrün. Das historische Hauptgebäude erhielt ein neues isoliertes Dach. Um es zu heizen, wird Erdwärme genutzt. Mit der Abwärme aus der Wärmepumpe des Blockheizkraftwerks wird das warme Wasser für die Sozialräume geheizt.

Auf die Paletten werden jetzt 17.000 statt 14.000 Kartons mit Sektflaschen gepackt, das spart Lastwagenfahrten. Vom Hochregallager in Kastel dürfen sich nur voll beladene Lastwagen auf den Weg machen. Der Flaschenlieferant stellt leichtere Flaschen als früher her, das verringert das Transportgewicht. Für Dienstfahrten stehen seit kurzem Elektro-Autos bereit. Die Maschinen werden kontinuierlich durch effizientere ausgetauscht. Das Regenwasser der Flachdächer auf dem Gelände wird in einer Rigole gesammelt und so der Natur zurückgegeben.

Allerdings betreffen diese Fortschritte nur den Standort Wiesbaden. Die 30 zum Teil im Ausland liegenden Tochtergesellschaften und Lieferanten arbeiten nicht nach der DIN-Norm, sondern mit unterschiedlichen nationalen Managementsystemen. „Auch hier schaffen wir den Spirit“, sagt Jan Rock. Bei den jährlichen Treffen mit den Töchtern würden diese zur Energieeffizienz animiert, alle Informationen und Erfahrungen geteilt, allein schon aus Kostengründen.

2016 hat das Unternehmen am Wiesbadener Standort 128 000 Euro und 2017 240 000 Euro in Energieeffizienz investiert. Die Maßnahmen von 2016 sparen 57 340 Euro und die aus 2017 28 000 Euro ein - pro Jahr. Die Zahlen werden von Ökoprofit, einem Kooperationsprojekt von Stadt und Wirtschaft, an dem auch die Henkell-Gruppe teilnimmt, veröffentlicht.

Mit den Lieferanten aus dem Weinanbau werde über die Reduzierung der Pflanzenschutzmittel diskutiert. „Das sind langjährige Geschäftsbeziehungen, wir können Einfluss nehmen“, sagt Jan Rock, räumt aber auch ein, dass eine Umstellung auf biologisch angebaute Sekte zurzeit vom Markt nicht angenommen werde. Allerdings werde ein integrierter Anbau angestrebt. Rock: „Die Gedankentüren sind gerade ganz weit geöffnet.“ Und: „Wir leben in einer Zeitenwende, in den nächsten fünf Jahren wird beim Einsatz fossiler Energieträger viel passieren,“ ist Rock überzeugt.

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