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Helfende Hände in Wiesbaden gesucht

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Von: Mirjam Ulrich

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Im Tiergarten in Mainz-Kastel packen viele mit an, auch wenn Tische lackiert werden sollen.
Im Tiergarten in Mainz-Kastel packen viele mit an, auch wenn Tische lackiert werden sollen. © Rolf Oeser

Am Freiwilligentag engagieren sich mehr als 100 Menschen in 17 Projekten. „Die persönliche Ansprache ist extrem wichtig.“

Das Kreischen eines Schleifgeräts ist zu hören, Staub steigt auf. Es riecht nach Holz. Im Tierpark Mainz-Kastel schleifen fünf Freiwillige Tische und Bänke ab und lackieren sie neu. Die Fünf zählen zu den mehr als 100 Eintagsheldinnen und -helden, die sich am diesjährigen Freiwilligentag einen Tag lang ehrenamtlich engagieren.

„Man kann aktiv etwas machen und in verschiedene Einrichtungen reinschnuppern“, begründet der Schreiner Uwe Maser seine Teilnahme. „Oft fehlen helfende Hände.“ Der 51-Jährige und drei der vier Frauen packen schon zum zweiten Mal im Tierpark mit an. Die Freiwilligen übernehmen Arbeiten, für die im Alltag keine Zeit bleibt, bestätigt der hauptamtliche Tierpfleger Wolfram Gaertner. Das Team des Tierparks ist sehr klein, ohne Ehrenamtliche wie Markus Schwarz, der seit 18 Jahren regelmäßig mithilft, ginge es nicht.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer auch längerfristig zu gewinnen, ist das Ziel des Freiwilligentags. Er wird jedes Jahr am ersten Samstag im September veranstaltet und von Studierenden der Hochschule Rhein-Main (HRM) in Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum Wiesbaden organisiert. Das Angebot ist wieder vielfältig: Die Eintagsheldinnen und -helden gestalten Wände in Schulen, richten eine 1960er-Party in einem Altenheim aus, gärtnern oder engagieren sich im Naturschutz.

Zu den insgesamt 17 Projekten zählt auch das Mentoring-Programm der Joblinge. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft sucht in Wiesbaden und Mainz Frauen und Männer mit Berufserfahrung, die junge Menschen sechs Monate lang auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleiten. „Sie sollen ihnen nicht die Ausbildung vermitteln, das ist unsere Aufgabe“, erläutert Nassira Amjahed, die den Standort Wiesbaden leitet. Vielmehr geht es darum, sie zu motivieren, ihnen zuzuhören, praktische Tipps zu geben und ihnen zu helfen, mit Schwierigkeiten und Konflikten umzugehen.

ENGAGEMENT

Das Freiwilligenzentrum informiert, berät, qualifiziert und vermittelt engagierte Menschen. Die Online-Datenbank listet rund 230 verschiedene Möglichkeiten auf, sich in Wiesbaden ehrenamtlich zu engagieren. Für Menschen, die wenig Zeit haben, gibt es zudem das flexible und spontane Angebot „Eintagswerk“. miu

Weitere Infos unter Telefon 0611 / 609 776 95 und im Internet unter: www.fwz-wiesbaden.de

„Diese jungen Menschen brauchen Zuspruch“, nennt Snežana Blagojevic als Grund, warum sie sich für das Mentoring-Programm der Joblinge interessiert. Sie stammt aus Serbien und lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Besonders Jugendlichen mit Migrationshintergrund wolle sie Mut machen: „Ich kann auch nicht perfekt Deutsch und habe mit einer Ausbildung Karriere gemacht.“ Julia Drosselmeyer lehrte 16 Jahre lang an einer Hochschule und beriet viele junge Menschen. „Die persönliche Ansprache ist extrem wichtig“, sagt die 45-Jährige, die als Jobcoach beim Evangelischen Verein für Innere Mission in Nassau (EVIM) arbeitet.

Der 18-jährige Joshua Schmidtlinger kann das bestätigen: „Meine Mentorin wusste, wie ich ticke und mich fühle“, erzählt er. Sie sei selbst auch nicht so toll in der Schule gewesen und heute Ausbilderin in einem IT-Unternehmen. Er traf sich fünfmal mit ihr und sie redeten lange miteinander. Nach der Teilnahme am Programm der Joblinge hat er im August eine Ausbildung als Papiertechnologe bei Essity in Kostheim begonnen.

Der Bankkaufmann Ben Schmidt wiederum begleitet seit voriger Woche den sechsten Jugendlichen. Der 36-Jährige engagiert sich seit 2019 als Mentor, bislang immer mit Erfolg. „Es ist ein gutes Gefühl, jemandem zu helfen, der nicht so die Möglichkeiten hatte, ins Leben zu starten, wie man selbst.“

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