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Helene-Lange-Schüler helfen in Görlitz

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Juliane Löw (15) absolvierte ein dreiwöchiges Praktikum im deutsch-polnischen Kindergarten in Görlitz.
Juliane Löw (15) absolvierte ein dreiwöchiges Praktikum im deutsch-polnischen Kindergarten in Görlitz. © Privat

Zehntklässler der Helene-Lange-Schule fahren jedes Jahr nach Görlitz, um dort drei Wochen lang ein Sozialpraktikum zu absolvieren.

Am Ende von Deutschland geraten sie manchmal auch an ihre eigenen Grenzen. Zehntklässler der Helene-Lange-Schule fahren jedes Jahr nach Görlitz, um dort drei Wochen lang ein Sozialpraktikum zu absolvieren. In Altersheimen, Kindertagesstätten, in einer Behindertenwerkstatt, einem Wohnheim und einer Förderschule oder beim Arbeitersamariterbund und dem Malteserhilfsdienst gehen sie zur Hand. Gerade die Arbeit mit älteren oder kranken Menschen fällt Teenagern nicht immer ganz leicht. Und auch das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft will gelernt sein.

Alltag selbst organisieren

Die 25 Schüler wohnen in Ferienwohnungen - ohne Lehrer. Ihren Alltag organisieren die Jugendlichen selbst: einkaufen, kochen, waschen, putzen und morgens pünktlich aufstehen. Die Lehrer bleiben nur die erste Woche in Görlitz, danach müssen die Schüler auf eigenen Füßen stehen. "Wir bekommen dann schon einmal Anrufe, wie man eine Sicherung wechselt oder den Herd einschaltet", erzählt Andreas Rech, Lehrer an der "Hela".

Vor 16 Jahren hat er das Sozialpraktikum in Görlitz ins Leben gerufen, weil nach dem Mauerfall die zuvor üblichen Klassenfahrten in die DDR wegfielen. Angesichts der Mauer, die bald darauf in den Köpfen entstand, hält Rech das heute noch für einen Fehler. "Diese Begegnungen mit ostdeutschen Jugendlichen wären eine gute Sache gewesen." Er suchte daher in Wiesbadens Partnerstadt Praktikumsplätzen und Unterkünften für die Schüler. Von Anfang an unterstütze die Stadt Görlitz das Projekt, wo sie könne, sagt Rech. Die Stadt Wiesbaden gab nach eigenen Angaben zuletzt im Jahr 2007 für das Sozialprojekt 1250 Euro.

Zu der Gruppe, die im vorigen Herbst nach Görlitz fuhr, gehörte Juliane Löw. Die 15-Jährige half im deutsch-polnischen Kindergarten. Die Kleinen hätten es manchmal ausgenutzt, dass sie weniger streng sei, erzählt sie.

Juliane wohnte in einer WG. "Wir haben uns gut verstanden, kamen uns morgens im Bad nicht in die Quere und brauchten auch keinen Putzplan", schildert sie ihre Erfahrung. Die Stadt fand sie zwar schön, "aber es ist nichts los. Abends sind die Straßen leer." Gleichaltrige aus Görlitz lernte sie auch nicht kennen.

Um Kontakte zu einer Görlitzer Schule hat sich Lehrer Andreas Rech schon oft bemüht - bislang vergebens. Stattdessen verbringen die Wiesbadener ein Wochenende in der Partnerstadt Breslau/Wroclaw. Dort nehmen sie mit polnischen Schülern an einem Kunst- und Theaterworkshop teil.

Einige der Mitschüler hätten vorher Vorurteile gegen Land und Leute gehabt, sagt Juliane. "Es war toll, Leute kennenzulernen, jetzt kann man sich etwas unter Polen vorstellen." Dass die dreiwöchige Reise die Jugendlichen verändert, hat auch Rech beobachtet. "Sie reifen in der Zeit unheimlich stark." (miu)

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