Günter Leppert will Menschen aufrütteln.
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Günter Leppert will Menschen aufrütteln.

Wiesbaden

Heimtückisch und wenig bekannt

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Günter Leppert trägt das Hepatitis-Virus in sich. Am Samstag findet eine Hepatitis-Infoveranstaltung im Luisenforum statt.

Es gab Situationen, in denen Günter Leppert behandelt wurde wie ein Aussätziger. Er wurde mit Handschuhen massiert, „weil ich angeblich gefährlich bin“, sagt er. Als eine Zahnärztin sich sogar weigerte, ihn zu behandeln, gründete der Wiesbadener eine Selbsthilfegruppe. Für Menschen, die wie er an Hepatitis erkrankt sind, und die Ähnliches erlebt haben. 35 Betroffene schlossen sich 1999 zusammen. Heute hat die Gruppe rund 150 Mitglieder.

Jährlich werden dem Gesundheitsamt Wiesbaden rund 250 Menschen gemeldet, die das Hepatitis-Virus in sich tragen. „Das heißt nicht, dass sie krank sind. Bei vielen verlässt das Virus den Körper auch wieder, ohne Schaden angerichtet zu haben“, sagen Michael Forßbohm und Ulrich Vieth, Ärzte am Gesundheitsamt. Die Dunkelziffer liege jedoch viel höher, denn viele Betroffene merken nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Kaum Symptome seien zu erkennen. Erst nach Jahren der Infektion könne es zu gravierenden Spätfolgen kommen.

Auch Günter Leppert wusste viele Jahre lang nicht, dass er das Virus einer Hepatitis C in sich trug.

Infiziert wurde er 1980 bei einer Herzklappen-Operation, als Fremdblut benötigt wurde, sagt er. Nach der OP erkrankte er an Gelbsucht, doch was sich in seinem Körper abspielte, wussten die Ärzte damals noch nicht. „Bekannt waren damals nur Hepatitis A und B, ich hatte aber keine von beiden. Ich erhielt den Status ,Non A, Non B‘“, sagt der 70-Jährige. Erst als er einem Aufruf in der Zeitung folgte, Menschen mit Non A, Non B mögen sich melden, erfuhr er, dass er Viren der Hepatitis C in sich trug. „Was das bedeutete wusste ich damals nicht.“

Über die Jahre informierte er sich über die verschiedenen Viren-Arten. Und er erfuhr, dass Menschen, die die C-Variante in ihrem Blut haben, öfter chronisch erkranken als andere. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es zu einer Leberzirrhose oder schließlich auch zu Krebs kommen. Trotz dieses möglichen Krankheitsverlaufs ist Günter Leppert lebensfroh. „Zum Leiden ist mir nie zumute gewesen“, sagt er kämpferisch.

Er will aufrütteln und ruft deshalb alle dazu auf, regelmäßig ihre Leberwerte untersuchen zu lassen. Zum Beispiel am Samstag, am Welt-Hepatitis-Tag, im Luisenforum ab 10 Uhr. Dort wird die Deutsche Leberhilfe vor Ort sein und Informationen geben. Und auch auf dem Mauritiusplatz gibt es von 12 bis 14 Uhr Aktionen.

Doch nicht nur zum Test ruft Leppert auf. Er will über die Hepatitis-Viren informieren. Denn jeder kann sich damit infizieren – wenn man keine Vorkehrungen trifft. Doch das Risiko könne drastisch vermindert werden, wenn man sich schütze. „Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen, die C ist ausschließlich über Blut übertragbar, man kann sich also gut davor schützen.“ Seine Partnerin nickt.

Die beiden sind seit drei Jahren ein Paar. Und das erste, was der 70-Jährige damals zu ihr sagte, war, dass er das Virus in sich trage. „Ich wusste damals nicht, was das bedeutet. Aber ich habe mich damit auseinandergesetzt und weiß, wie ich eine Infektion verhindern kann“, sagt sie. Günter Leppert wünscht sich, dass noch mehr Menschen sich informieren, damit er und andere Betroffene nie wieder wie Aussätzige behandelt werden.

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