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Heimatfilm zum 30.

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Als Alternative haben sie sich vor 30 Jahren präsentiert - die Wiesbadener Grünen. Inzwischen sind sie auf Jamaika gelandet. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Statt langer Festvorträge und Begrüßungsreden präsentierten Wiesbadens Grüne einen fast einstündigen "Heimatfilm" zum Fest ihres 30. Geburtstags, den sie am Donnerstag begingen - ein Vierteljahr zu spät. Denn die Grünen in Wiesbaden, die Polit-Alternativen, die sich damals auf ihrem Weg in die Parlamente als alternativlos verstanden, wurden laut ihrem Archiv schon am 30. Oktober 1979 gegründet.

Damit war auch eine historische Fragestellung zum Jubiläum endgültig geklärt. Bevor es den Grünen-Bundesverband gab, wurden die Grünen in der Landeshauptstadt aus der Taufe gehoben. Und die Erinnerung an die Geburtswehen zeigte, wie weit sich die Grünen, inzwischen in einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP regierend, in den drei Jahrzehnten entwickelt haben. "Hätte das vor 30 Jahren nur einer laut gedacht, wäre die Partei schon bei der Gründung auseinandergeflogen", meint einer der in der Tagespolitik Gereiften.

Damals, als die Grünen sich in Wiesbaden konstituierten, war für sie in der Kurstadt kein Platz, so Christiane Hinninger, eine der amtierenden beiden Vorstandssprecherinnen. Öffentliche Räume wurden ihnen für die Gründungsversammlung von den Alt-Parteien - "wie das damals klang" - verweigert. Deshalb tagten die grünen Gründer (die weibliche Form ist immer mitgedacht) im "Haus der Heimat" , und zwar ausgerechnet im Waffensaal. Da schärften sie ihr politisches Arsenal für den Einstieg in die Kommunalpolitik. Der Ort der Grün-Werdung erklärt auch den durchaus nicht nur ironisch gemeinten Filmtitel. "Denn inzwischen haben wir unsere politische Heimat gefunden und sind Heimat für viele Wähler geworden", meint Christiane Hinninger.

Erste rot-grüne Koalition

Es waren die Grünen in Wiesbaden - darauf legen sie in der Rückschau Wert - und nicht die in Kassel, die die erste rot-grüne Koalition mit der SPD eingingen: "Eine richtig echte Koalition, nachdem wir 1985 ins Stadtparlament eingezogen waren", so Hinninger.

Zur Heimat-Gründungsversammlung waren 22 Mitglieder und 21 Gäste gekommen. Nach 30 Jahren noch dabei: Bernd und Helga Hein und Emmi Hölzel. Bernd Hein hatte damals die Gründungssitzung geleitet und wurde prompt zum ersten Vorstandssprecher gewählt. Emmi Hölzel führte damals Protokoll.

Einer der bleibenden Erfolge: Den Grünen der ersten Rathauskoalition verdankt Wiesbaden das "himmelblaue Monatskärtchen". Das gibt es immer noch.

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