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Vier Muster pro Jahr entwirft Christian Jakob. Für die kommende Saison stehen Mohn- und Kornblumen hoch im Kurs.
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Vier Muster pro Jahr entwirft Christian Jakob. Für die kommende Saison stehen Mohn- und Kornblumen hoch im Kurs.

Wiesbaden

Hawaiihemden aus Wiesbaden: Stoff mit Stöffche

  • VonDiana Unkart
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Christian Jakob und seine Geschäftspartnerin Rebecca Schmalenbach designen und schneidern eine heimische Version des bekannten Kleidungsstücks. Der Bembel ist ein beliebtes Motiv.

Auf die wichtigste Lektion stoßen Kundinnen und Kunden gleich beim Betreten des Ladens: „Es ist nie zu kalt für Hawaiihemden.“ Allerdings verheißt schon der Name des Geschäfts im Wiesbadener Dichterviertel Wärme und Sonnenschein. „Schönwetterfront“ lautet er – so wie das Hawaiihemden-Label von Christian Jakob und Schneiderin Rebecca Schmalenbach.

Gegründet haben sie es vor fünf Jahren. Mitten in der Pandemie haben sie nun einen Laden eröffnet, die Produktpalette erweitert und kaufmännisches mit sozialem Engagement verknüpft. Es gibt eine Sonderedition Streuobstwiese mit Äpfeln und Apfelblüten auf rotem Stoff. Ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf geht an das Main-Äppel-Haus Lohrberg in Frankfurt, ein gemeinnütziges Streuobstzentrum.

Hawaiihemden gehören zu den Kleidungsstücken, die man mag – oder nicht. Mal sind sie Modesünde, mal – wie derzeit – Trend. „Das Schöne ist, dass sie polarisieren“, sagt Christian Jakob. Leute, die sie mögen, trügen sie aus Überzeugung. So wie er selbst. Aus seiner Sammelleidenschaft für die hawaiianischen Originale ist die Marke „Schönwetterfront“, die ursprünglich mal „Aloha Deutschland“ heißen sollte, hervorgegangen.

Textiles Aloha

Hawaiihemden werden auch Aloha-Shirts oder Hawaiian Shirts genannt.

Zur Entstehung des Hemdes gibt es verschiedene Versionen. Einflüsse kommen aus Japan, den Philippinen und aus westlichen Ländern. Das Hemd sei ein multikulturelles Produkt, sagt Designer Christian Jakob. Originale Hemden sind mit tropischen Motiven bedruckt.
Die Knöpfe waren ursprünglich aus Kokosnussschalen. Der Saum der Hemden ist gerade, damit es über der Hose getragen werden kann. Beim originalem Hemd wird das Muster an den Taschen nicht unterbrochen.

Bekannte Träger waren Elvis Presley, Frank Sinatra oder Tom Selleck alias „Magnum“ in der gleichnamigen Fernsehserie. diu

Die Hemden aus Wiesbaden zieren aber nicht klassische Motive wie Sonnenuntergänge oder Palmwedel, sondern solche, die mit Deutschland und Hessen in Verbindung gebracht werden: Nordseekutter, Hopfenblüten, Grüne Soße oder Bembel. „Das Bembelmotiv ist eines der beliebtesten“, erzählt Jakob. Deshalb findet es sich auch in der aktuellen Kollektion. Vier Muster entwirft der 39-jährige Designer pro Jahr. In jedem Jahr gibt es eine neue Kollektion, Damenschnitte auf Bestellung. Die Auflage ist limitiert: Von jedem Muster werden maximal 100 Hemden geschneidert. Aber anders als im klassischen Modehandel werden die Hemden der vergangenen Saison weder verramscht noch aussortiert, sondern der Bestand wird weiterhin verkauft. Die Qualität der Hemden, versichert die Nachbarin, eine Italienerin, sei hervorragend. Und gäbe es sie in Grün-Weiß-Rot würde auch sie eines tragen, sagt sie lachend.

Die Idee eines deutschen Hawaiihemdes wollen Christian Jakob und Rebecca Schmalenbach so konsequent wie möglich umsetzen. Die Hemden werden inzwischen aus Biobaumwolle gefertigt, die Stoffe in Baden-Württemberg bedruckt und in Sachsen und Wiesbaden genäht. Deutschland sei kein Produktionsland mehr, sagt Jakob. Er hätte die Hemden in Polen nähen lassen und billiger verkaufen können als zum Preis von 129 Euro. Doch das wollte er nicht. Es hätte nicht gepasst, findet er. Dass sie komplett in Deutschland gefertigt werden, sei auch eine Wertschätzung der kleinen Manufakturen.

Die beiden Gründer haben ihr Unternehmen zunächst nebenberuflich aufgebaut. Inzwischen hat Jakob seinen Agenturjob aufgegeben und widmet sich hauptberuflich dem Label. Der gesamte Prozess, erzählt er, „war learning by doing“: mit allen Fehlern und Erfolgserlebnissen.

Das Wiesbadener Hawaiihemd ist inzwischen tatsächlich auf Hawaii angekommen: im Koffer des amerikanischen Generalkonsuls James Hermann, als der sich von Frankfurt in Richtung seiner Heimat Hawaii verabschiedete. Ein Hemd sei dem amerikanischen Schauspieler Chuck Norris zugegangen. Ob er es je getragen hat? Christian Jakob konnte es nicht herausfinden. Trotz der Sorgen während des Lockdowns habe er die Zeit kreativ genutzt, sagt Jakob. Der Laden mit Atelier ist eingerichtet worden und zweimal pro Woche geöffnet. Weitere Termine sind nach Voranmeldung möglich. Ende des Jahres soll er noch einmal erweitert werden. „Ich hoffe, dass nach Corona ein Umdenken einsetzt und die Leute die lokalen Geschäfte unterstützen.“ Für diejenigen, die sich nicht trauen, gleich ein Hawaiihemd zu tragen, gibt es T-Shirts mit aufgesetzten Taschen in den Mustern oder Hoodies mit gefütterter Kapuze, außerdem Basecaps und Socken.

Ein klassisches Motiv hawaiianischer Originale, die Hibiskusblüte, hat es jüngst auch aufs deutsche Hawaiihemd geschafft – als eines der Botanicals im Gießen Dry Gin. Christian Jakob stammt aus der Nähe von Gießen.

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