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In der Haschplantage

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Das gibt's nur beim BKA - ein Junge mit einer Panzerfaust im Arm.
Das gibt's nur beim BKA - ein Junge mit einer Panzerfaust im Arm. © FR/Oeser

Schusstraining und DNA-Analyse - beim Tag der offenen Tür im Bundeskriminalamt lassen sich mehrere Tausend Besucher Details der Polizeiarbeit vorführen. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Als Jörg Ziercke am Morgen sein Grußwort spricht, da waren schon 2000 Menschen auf dem Gelände. Angelockt von den drei magischen Buchstaben BKA - Bundeskriminalamt. Deutlich über 10 000 sollten noch kommen, die am Tag der offenen Tür das BKA vor der Haustür einmal näher erkunden wollten. Jörg Ziercke, seit 2004 BKA-Präsident und damit oberster Kriminalist der Republik , unterstehen all die Ermittler, die sich bei Schmauchspuren nach Schusswaffengebrauch auskennen, Ausweisfälschungen aufdecken oder anhand von Faserspuren ganze Personenbeschreibungen ablesen.

Schon mal gefälschten Schmuck und Edelsteine gesehen oder getragen? Beim BKA in Wiesbaden war das am Samstag wieder möglich, vorausgesetzt man arbeitete sich durch die Besucherströme an die interessantesten Plätze vor.

Ziercke hatte vor vier Jahren erstmals einen Tag der offenen Tür veranstaltet. "Ein Stück Transparenz, wollte ich damit schaffen", sagt er. Offenheit ist für ihn auch ein "Stück Rechtsstaatlichkeit".

"Die Mitarbeiter machen mit", freut sich der Präsident. Fast 1000 BKA-Beschäftigte waren im Einsatz, gaben Einblick in die Untersuchungen von Pflanzen- und Tierspuren, durchleuchteten Urkunden, erläuterten die Bilddateien mit über 2,5 Millionen Fahndungsfotos. Die Führungen durch das Haus waren so gut nachgefragt, dass die Teilnehmer ausgelost werden mussten. Spektakuläre Einsatzvorführungen der GSG 9 Truppe mit Abseilen aus dem Hubschrauber oder die Mitfahrt mit einem Personenschutzkommando boten einen Hauch von Tageschau für die Besucher.

Spannend war aber auch ein Zelt mit einer modernen Haschplantage, die erst vor wenigen Tagen in Heilbronn beschlagnahmt worden war. Aufzuchtschränke, elektrisch gesteuerte Bewässerung und Beleuchtung, gestrippte, im unteren Teil entblätterte Pflanzen, die die Rauschgiftspezialistin Marion Grudowski noch rätseln lassen, ob das den Wirkstoffgehalt erhöht. Ganz nebenbei konnte man auch erfahren, dass im Schießkino des BKA jährlich 600000 bis 700000 Schuss abgefeuert werden. Ein groß gewachsener Herr, jenseits der 80, schaut sich das Treiben interessiert an. An seiner Anzugjacke, ein gelber, längst abgelaufenen Ausweis. "Mein alter Dienstausweis", sagt Heinrich Boge, der bis 1990 hier Präsident war. Der alte Dienstausweis zählt noch immer, wenn inzwischen auch längst andere Ausweise mit Chips gelten. "Der Tag der offenen Tür ist eine wunderbare Idee", lobt der Ex-Präsident seinen Nach-Nachfolger. "Früher haben wir uns hier eingeigelt". Das galt vor 20 Jahren auch für Boge, der seinen Wohnsitz wegen der Bedrohung durch Terroristen zeitweise ins hoch gesicherte BKA-Gelände verlegt hatte.

Ziercke will die Publikumsöffnung des BKA beibehalten. Nicht jedes Jahr, aber in angemessenen zeitlichen Abständen. Denn das Interesse der Bürger an den spannenden Einblicken in die Polizeiarbeit ist hoch - ein Stück Transparenz, das Ziercke auch in Zukunft bewahren will.

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