In der Familie Carmichael wird Halloween zelebriert. Hier die Geschwister Melanie (9, Hexe) und Jackson (7, Super Mario).
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In der Familie Carmichael wird Halloween zelebriert. Hier die Geschwister Melanie (9, Hexe) und Jackson (7, Super Mario).

Domäne Mechtildshausen

Halloween echt amerikanisch

  • Christina Franzisket
    vonChristina Franzisket
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In den USA ist Halloween ein Familienfest. Jeder verkleidet sich nach einem Thema. In Deutschland wird Halloween immer beliebter. In der Domäne Mechtildshausen spuken heute Abend jede Menge kleine Geister.

Rebecca Carmichael hat aus ihrem Vorgarten einen Friedhof gemacht. Ein Skelett im Sträflingsanzug ragt zwischen Grabsteinen aus feuchter Erde heraus.

Heute Abend, wenn es dunkel wird, werden ihre Kinder Melanie (9) und Jackson (7) verkleidet als Hexe und Super Mario um die Häuser der Domäne Mechtildshausen ziehen und Jagd auf Süßes machen. Dabei klingeln sie an jeder Haustür und stellen die Frage aller Fragen: „Trick or Treat?“ (Süßes oder Saures?). Und wehe dem, der ihnen nicht sofort die Hände mit Süßigkeiten füllt. Es ist der Höhepunkt des Gruselfests: „In Amerika feiert wirklich jeder Halloween, wir lieben es einfach“, sagt Rebecca Carmichael.

Bereits am ersten Wochenende im Oktober kamen Freunde und halfen der schwangeren Amerikanerin beim Dekorieren: „Mein Mann ist Pilot der Army und zurzeit leider in Afghanistan stationiert“, erklärt Carmichael. Ganze vier Umzugskisten voller Gruseldeko verteilte sie mit ihren Helfern im und um das Haus. „Mein Mann liebt Halloween, doch er kommt erst am Freitag zurück“, sagt sie.

Die Vorbereitungen für das Fest laufen bereits den ganzen Oktober und Carmichael hetzt mit ihren Kindern von einem Event zum nächsten.

„Wir haben schon in der Kirche Halloween gefeiert, in der Schule und ich war mit meinen Kindern auf der Airbase zum Kürbisschnitzen“, sagt sie und rollt lächelnd mit den Augen.

Ihre Kinder lieben es sich zu verkleiden, und ein Kostüm reicht nicht aus für so viele Veranstaltungen. Dieses Jahr wechselt Jackson zwischen seinem Luke- Skywalker- und Super-Mario-Outfit und Melanie geht mal als Ballerina, Cheerleader oder Pinguin. Doch zum Höhepunkt, am heutigen Abend, will die Neunjährige ihr neues Hexenkostüm tragen. Auch Jackson hat sich seinen anklebbaren Schnurrbart für heute Abend aufgehoben: „Er hatte Angst, dass er sonst vielleicht nicht mehr haftet“, sagt seine Mutter. Melanie hat eine CD mit gruseliger Orgelmusik zusammengestellt, die will sie heute Abend abspielen, um die Stimmung perfekt zu machen.

In Amerika sei Halloween ein Familienfest, sagt Carmichael: „Manche Familien verkleiden sich auch entsprechend. Sie gehen alle als Figuren aus Peter Pan oder Star Wars.“ Sie selbst verkleide sich dieses Jahr nicht, aber nur weil sie mit ihrem Babybauch in kein Kostüm passe.

Vorbereitet ist sie trotzdem: „Ich habe Hunderte Dollar für Süßigkeiten ausgegeben“, sagt Carmichael und zeigt auf die vielen, mit bunten Leckereien gefüllten, Körbe: „Es kommen eine Menge Kinder aus der Nachbarschaft.“ Sollten die Süßigkeiten doch mal ausgehen, löscht sie einfach das Licht draußen: „Licht an heißt, es gibt noch Süßes, Licht aus, alles ist weg.“

Rebecca Carmichael hat sich für heute Abend Freunde eingeladen. Sie wird einen großen Topf Chili und einen mit Kartoffelsuppe kochen.

Zwischen 17 und 19 Uhr ziehen die Kinder dann in großen Gruppen los. Carmichael will mit etwas Abstand hinterher laufen: „Sie sind noch klein“, sagt sie, „und es ist schließlich dunkel draußen“.

Deutsche Kinder seien in der Domäne nicht dabei, sagt sie. Doch als sie im letzten Jahr noch in Heinerberg lebten, zogen ihre Kinder zusammen mit deutschen Kindern von Haus zu Haus: „Das war schön zu sehen“, sagt sie, „die Kinder hatten auch viel Spaß dabei“. Eine ihrer deutschen Freundinnen würde sogar für das Gruselfest ihr ganzes Haus zum Geisterhaus machen: „Das wird super angenommen“, sagt Rebecca Carmichael.

Klar, Halloween sei in Deutschland noch nicht ganz so beliebt wie in Amerika, aber es komme immer mehr auch hier an, so Carmichael: „Es ist ein Fest und wer feiert nicht gerne?“

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