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Die guten Engel gehen

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Von: Ute Fiedler

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Schwester Theresildis, Schwester Christa und Schwester Beatrix blicken neuen Aufgaben entgegen.
Schwester Theresildis, Schwester Christa und Schwester Beatrix blicken neuen Aufgaben entgegen. © M. Schick

Das Konvent der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" (ADJC) am St. Josefs-Hospital wird aufgelöst. Der Abschied fällt den Schwestern schwer.

Gerne und oft wird die Geschichte von den drei Schwestern des Ordens der Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC) erzählt, die 1856 eine lange, beschwerliche Reise von Dernbach im Westerwald nach Wiesbaden auf sich nahmen. Zu Fuß wanderten die drei über die Platte in die Großstadt, wo sie sich um die Pflege Kranker kümmern sollten.

Bereits wenige Jahre zuvor hatte die Ordensgründerin der ADJC, Katharina Kasper, Schwestern nach Wiesbaden entsandt, als dort eine Seuche grassierte. Die Schwestern leisteten solch gute Arbeit, dass sie selbst in diesem „katholikenfeindlichen Land“, wie es in einer Chronik heißt, schnell große Anerkennung erfuhren und 1856 gleich wieder angefordert wurden.

1862 verlieh der Herzog von Nassau den Schwestern die Körperschaftsrechte. Das Filialinstitut der Armen Dienstmägde entstand und mit ihm 1892 das heutige St. Josefs-Hospital. Am 25. März dieses Jahr endete nun die Geschichte der ADJC in Wiesbaden: Am Dienstagabend wurden die drei letzten Schwestern aus dem Joho verabschiedet; der Konvent wurde aufgelöst.

Nachwuchsprobleme sind der Grund, dass der Orden mit Sitz in Dernbach entschied, den Konvent aufzulösen. Probleme, mit denen alle Orden und geistliche Berufe zu kämpfen haben. „Es gibt schon junge Frauen, die ins Kloster wollen. Aber manche schaffen den letzten Schritt nicht, das Gelübde abzulegen“, sagt Schwester Christa Kaltenbach.

Die 72-Jährige hat diesen Schritt 1963 gewagt, aus voller Überzeugung, dass Gott sie gerufen habe, sagt sie. 1993 kam sie ans Joho, 1995 wurde sie Krankenhausoberin. Sie hat zudem einen Platz im Verwaltungsrat, den sie auch künftig weiter behalten wird. Dann wird sie dem Joho zwar noch mit Rat zur Seite stehen, jedoch nicht mehr mit Tat, was viele bedauern. Schwester Christa war in der Hausleitung tätig, sie war Ansprechpartnerin für alle und jeden, Mitglied im Ethik-Komitee und im Förderverein und richtete das Advents-Benefizkonzert aus.

Abschied fällt schwer

Mit Schwester Theresildis Wagner, die seit 1998 am Joho und in der Aids-Ambulanz für jeden ein offenes Ohr hatte, wird sie künftig in einem Seniorenheim in Mühlheim tätig sein. Die Dritte im Bunde, Schwester Beatrix Weuste, wird nach Düsseldorf gehen. Sie arbeitete seit 2002 in der Seelsorge des Joho, war stets für die Nöte der Patienten und Angehörigen da.

Der Abschied von Wiesbaden fällt den dreien schwer. Während der offiziellen Verabschiedung im Joho kullerte das ein oder andere Tränchen über die Wangen der Schwestern. Viele Kontakte hatten sie während ihrer Zeit in Wiesbaden geknüpft, viele Freundschaften waren entstanden. Fast jeder, der einmal im Joho war, kannte sie. „Vielen Dank für das, was Sie alles für mich getan haben“, war während der Verabschiedung am Dienstag öfter zu hören. „Vielen Dank, Sie haben meinen Aufenthalt hier erleichtert“, sagte ein Mann.

Es gab viel Lob und Dank für die geleistete Arbeit. „Sie waren Vorbild für uns, ein sichtbares Stück der Seele des Joho“, sagte beispielsweise Geschäftsführer Martin Bosch. „Schwester Christa, Sie sind etwas Besonderes, kompetent und zudem mit einem wirtschaftlichen Verstand, der für einen Posten in der Industrie gereicht hätte“, sagte Philipp Magel, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) verlieh Schwester Christa zudem die Bürgermedaille in Gold.

Seit Juli 2013 wissen die Schwestern, dass sie Wiesbaden verlassen müssen und doch konnten sie sich nicht so richtig auf den Abschied vorbereiten. „Es ist unheimlich schwer“, sagt Schwester Theresildis. Es sei doch alles ziemlich schnell gegangen. Zudem muss noch aus- und aufgeräumt werden. 161 Jahre haben nun doch ihre Spuren hinterlassen, sagt Schwester Christa, die mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht. „Das ist ja jetzt nicht meine erste Versetzung. Man weiß, dass so etwas kommt. Doch in einem solchen Moment spürt man, was es heißt, ein Gehorsams-Gelübde abgelegt zu haben“, sagt sie. Doch sie sei sehr dankbar für die Zeit in Wiesbaden. Jetzt wartet auf die drei Schwestern wieder etwas völlig Neues.

Die Aufgaben der drei Schwestern werden übrigens auf die Belegschaft übertragen. Niemand wird dafür neu eingestellt. Man wolle alles dafür tun, dass „unser Haus nicht nur katholisch auf dem Papier ist“, sagte Martin Bosch.

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