1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Gute Nachricht für Lämmer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Arne Löffel

Kommentare

Für Michael Klein ist die Schäferei längst kein Hobby mehr.
Für Michael Klein ist die Schäferei längst kein Hobby mehr. © M. Müller

Schäfer und Tierarzt Michael Klein aus Auringen verkauft seine Tiere nicht zu Ostern

Die Lämmer im Stall von Schäfer Michael Klein aus Auringen können aufatmen: Das diesjährige Osterfest findet ohne ihre aktive Mitwirkung statt. Sie dürfen weiterhin fressen, mit den etwa 99 Geschwistern schmusen und groß werden – anstatt zum Beispiel als „Lamm provencale“ in der Röhre zu enden. „Die Tiere sind doch erst drei Monate alt, das finde ich schon sehr hart, die in diesem Alter zu schlachten“, sagt der 51-jährige Klein – mit einem Seitenblick auf seine Kinder Janos und Aluna. Klein kann sich diesen Anflug von vorösterlichem Mitgefühl erlauben, schließlich ist er auch der Auringer Tierarzt. „Da kann ich den finanziellen Verlust ein bisschen ausgleichen“, sagt er.

Das Schafe-Züchten begann als Hobby mit drei Mutterlämmern, die er 1983 von einem Schäfer erhielt. „Ich habe dessen Herde einen Winter lang versorgt, das war sein Geschenk zum Dank“, erinnert sich Klein. Seitdem ist die Herde gewachsen, bis heute auf rund 450 Mutterschafe, ein paar Böcke und derzeit etwa 100 Lämmer. So viele Tiere braucht Klein mindestens, damit sich die Schäferei rechnet. Eine besondere Rasse sei das nicht, sondern eine gewachsene Herde, in der sich viele Rassen mischen.

Vier Angestellte – zwei Schäfer und zwei Auszubildende – treiben die Tiere im Sommer über das Land und versorgen sie im Winter in den Stallungen bei Auringen. Das ist ein relativ großzügiger Personalschlüssel für die Schäferei. „Früher war es üblich, dass ein Schäfer 16 Stunden pro Tag gearbeitet hat. Das ist heute nicht mehr so“, sagt Klein. Zwar würden die Schäfer in der Zeit des Lammens auch mal länger als acht Stunden am Tag arbeiten, aber prinzipiell sei Schäfer ein ganz normaler Beruf.

Schafe nachhaltiger als Mähen

Da er die Angestellten bezahlen muss, ist die Schäferei für Klein schon lange kein reines Hobby mehr, sondern neben der Tierarztpraxis ein ernster Broterwerb. Und nach neun Monaten ist die Phase des Mitleids mit seinen Schäfchen auch vorbei. „Dann werden die Tiere an einen Viehhändler verkauft“, sagt er. Ungefähr 80 junge Schafe behält er, um damit seine Herde zu verjüngen. Das bedeutet zugleich, dass er ungefähr 80 alte Schafe abgeben muss. „Die kommen in die Wurst oder zum Abdecker“, sagt Klein. Ein richtig gutes Geschäft sei das nicht. Ein lebendes Lamm bringe im Schnitt etwa 100 Euro, ein altes Schaf beim Abdecker gerade mal 20 bis 25 Euro.

„Ohne die EU würde sich die ganze Schäferei nicht rechnen“, sagt Klein. Ungefähr die Hälfte des Jahresumsatzes mache die Förderung durch die EU aus. „Wir bekommen pro beweidetem Hektar Geld. Das kommt aus einem EU-Topf für besonders schonende Landschaftspflege“, so Klein. Berechnungsbasis sei die Größe seiner Herde und das für die Tiere gepachtete Land, etwa 100 Hektar im Umkreis von gut 30 Kilometern.

Früher war es so, dass die Schäfer die Brachen und abgeernteten Felder der Bauern beweiden durften. Das aber ist lange vorbei. Der Hunger der Biogasanlagen nach verwertbarem Material hat die Flächen rargemacht. „Es wird weniger Gras und immer mehr Mais angebaut – und auch das wenige Gras landet eher im Kraftwerk als im Schafsmagen“, berichtet Michael Klein.

Dabei ist bewiesen, dass die Beweidung durch Schafe viel nachhaltiger als das Mähen ist. „Die Schafe fressen, worauf sie gerade Lust haben. Das bedeutet, sie lassen auf den Wiesen einige Inseln stehen, die gar nicht beweidet werden. Das ist gut für die Biodiversität, weil hier seltene Pflanzen überleben“, erklärt Klein. Eine Wiese, die über Jahre von Schafe beweidet wird, könne er mit dem bloßen Auge erkennen, am gesunden Aussehen.

Auch interessant

Kommentare