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Gurdulic darf Müll entsorgen

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic darf wohl künftig den Wiesbadener Restmüll verarbeiten. Allerdings müssen politische Gremien noch zustimmen. Die Firma rodet bereits Land ? ohne Erlaubnis.

Das Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic darf künftig den Wiesbadener Restmüll im Auftrag der städtischen Entsorgungsbetriebe ELW verarbeiten. Die Auftragsvergabe sei offiziell noch nicht erfolgt, und die politischen Gremien müssten noch zustimmen, teilte ELW-Betriebsleiter Joachim Wack auf Anfrage der FR mit. Geschäftsführer Steffen Gurdulic geht aber davon aus, dass er den Auftrag erhält, das Projekt werde demnächst vorgestellt, sagte er der FR. Der Mitbewerber Remondis möchte keine weiteren Schritte gegen die Ausschreibung einleiten, berichtet der „Wiesbadener Kurier“. 

Remondis hatte zweimal die Auftragsvergabe durch gerichtliche Beschwerden zu verhindern versucht; das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) entschied jedoch Ende März, dass es an der Ausschreibung nichts auszusetzen gebe. ELW hatte 2017 die Entsorgung der 70 000 Tonnen Restmüll Wiesbadens europaweit ausgeschrieben und eine ortsnahe Lösung favorisiert. Zurzeit wird der Müll in Frankfurter Anlagen verarbeitet, der Vertrag läuft jedoch 2019 aus. Aufsehen erregte, dass die beiden Söhne des Betriebsleiters Wack bei Knettenbrech und Gurdulic in Managerpositionen beschäftigt sind. Dies legt den Verdacht nahe, dass die Ausschreibung auf Gurdulics Unternehmen zugeschnitten sein könnte. Auch darauf hatte sich das OLG bezogen: Ortsnahe Lösungen seien ökologisch sinnvoll, das Transparenzgebot sei eingehalten worden, ein etwaiger Interessenskonflikt aufgrund familiärer Verbindungen spiele keine Rolle. Aber Gurdulic hatte ohnehin längst verkündet, dass er unabhängig von der Entscheidung Wiesbadens ein Müllheizkraftwerk plane – um weiterhin gut im Geschäft zu sein. 

Gurdulic scheint sich seines Vorhabens sicher zu sein. Drei Hektar Land neben seinen Deponien ließ er kürzlich roden – laut Umweltdezernent Andreas Kowol ohne Genehmigung. Gurdulic wollte sich der FR gegenüber dazu nicht äußern. Dieses Areal, das er zum Teil 2017 von der Stadt erworben hatte, könnte der Standort des besagten Kraftwerks werden. Die illegale Fällung wird ein Nachspiel haben. Da der Tatbestand vielschichtig ist – es soll Schwarzmilane gegeben haben –, übernimmt vielleicht das Regierungspräsidium Darmstadt das Verfahren. Kowol hält ein Bußgeld für wahrscheinlich. Das Baugenehmigungsverfahren habe Gurdulic dadurch nicht beschleunigt, sagte er. 

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