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Günstiger Wohnraum gesucht

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Landeshaupstadt aus der Luft: Alternative Wohnideen gefragt.
Landeshaupstadt aus der Luft: Alternative Wohnideen gefragt. © opm fotografie / DELTA LUFT BILD

In Wiesbaden werden die Sozialwohnungen immer weniger. Erkannt ist das Problem. Aber einfach zu beheben ist der Missstand nicht. Denn in Wiesbaden fehlt es an geeigneter Fläche, um bezahlbare Wohnungen zu bauen.

Von Bardo Faust

Was fehlt in Wiesbaden, das sind bezahlbare Mietwohnungen. Darin waren sich Experten aus Wohnwirtschaft, Stadtplanung und Sozialpolitik beim zweiten Gespräch zur Stadtentwicklung in der Hochschule Rhein-Main einig.

Jost Hemming, ehemaliger Geschäftsführer des Mieterbundes Wiesbaden, fasste das Dilemma in Zahlen: 1990 gab es demnach 25 000 Sozialwohnungen in der Stadt, 2010 noch 10 000 und 2013 nur noch 9000. „Wenn das so weiter geht, wird diese Zahl 2030 gegen Null tendieren“, sagte er. Alternative Wohnmodelle seien in dem Zusammenhang zwar interessant und wichtig, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, hielt die Runde fest.

Erkannt ist das Problem also. Aber bei der Diskussion, zu der das Dezernat für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr eingeladen hatte, wurde ebenfalls deutlich: Einfach zu beheben ist der Missstand nicht. Denn in Wiesbaden fehlt es an geeigneter Fläche, um bezahlbare Wohnungen zu bauen und den über Jahrzehnte entstandenen Bedarf auf diesem Sektor zu stillen. „Das ist schwierig und fast gar nicht auszugleichen“, sagte zum Beispiel Ulrich Albersmeyer von der Nassauischen Heimstätte. Zudem machte er deutlich: Wenn preisgünstig gebaut werden soll, muss entweder die Kommune einsteigen oder es müssen Landesmittel fließen.

„Die Stadt Wiesbaden schießt pro sozialer Wohneinheit 50 000 Euro zu“, sagte Dagmar Landler-Krämer vom Amt für soziale Arbeit. Damit könnten Wohnungsmieten schließlich bei sechs bis acht Euro Miete pro Quadratmeter festgeschrieben werden.

Vom Land in die Städte

Um den Anteil dieser Wohnungen zu erhöhen, unternimmt die Stadt immerhin einige Schritte, mit denen die Wohnungsnot gelindert werden soll. Bis 2030 sind rund 7000 Wohneinheiten in verschiedenen Gebieten geplant – davon müssen mindestens 15 Prozent Sozialwohnungen sein, hat das Stadtparlament festgeschrieben. Zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, meinten die Experten, die zudem anregten, dass die Stadt eine Bodenvorratspolitik betreiben müsse. Nur so könnten die Sozial-Baugesellschaften an günstige Flächen kommen.

Alternative Wohnformen leben dagegen hauptsächlich von privaten Initiative. Vor allem im Hinblick darauf, dass es immer mehr Menschen in die Städte zieht und die Gesellschaft immer älter wird, seien sie eine wichtige Alternative, findet die Soziologin Christine Hannemann von der Universität Stuttgart: „2050 wird der Anteil der Über-80-Jährigen die größte Gruppe sein in Deutschland“, sagte sie. Gemeinschaftliche Wohnformen seien im Kommen – Baugemeinschaften, Genossenschaften, Mehrgenerationenwohnen sind die Stichworte.

In Wiesbaden sind diese Wohnformen ebenfalls präsent. Sechs Projekte wurden seit 2007 bereits realisiert, drei sind in der konkreten Planung, zwei in der Konzeptphase, sagte Heidi Diemer vom Wohnprojekt Horizonte, das im Stadtteil Biebrich entstehen soll. Diemer ist ebenfalls am Runden Tisch „Wohninitiativen Wiesbaden“ aktiv. Dieser und die dazugehörige Kontaktstelle dürften nicht eingespart werden.

Um die Not an bezahlbaren Wohnungen zu lindern, könnten Projekte wie Horizonte aber nur einen kleinen Beitrag leisten. Zu lange dauere die Planung, zu viele Unwägbarkeiten gebe es. Horizonte entstand 2013, die Idee jedoch schon viel früher: „Ich bin die letzte in meiner Familie und habe überlegt, wer mich einmal pflegt“, sagte Diemer. 2017 soll das Haus mit 14 Wohneinheiten stehen. Eine 51-Quadratmeter-Wohnung kostet 790 Euro Miete.

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