Wiesbaden

Großspender für Wiesbadener Zehn-Prozent-Aktion gesucht

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Nach 40 Jahren möchte Mister X seine Nachfolge regeln. Christlicher Glaube als Motivation für das Teilen.

Im März hat Mister X 25 000 Euro gegeben, die mit Hilfe von 391 anderen Spenden auf eine Summe von 166 000 Euro anwuchsen. Das Geld ging an vier Hilfsprojekte in Länder des globalen Südens und an die Clowndoktoren. Für März 2021 hat Mister X eine Spende von 30 000 Euro angekündigt, wenn sich mindestens 381 andere Geldgeber finden, die ihren Teil drauflegen.

2021 werden es 40 Jahre sein, in denen Mister X nach dem biblischen Gebot zehn Prozent seines Einkommens für die Spendenaktion des evangelischen Dekanats Wiesbaden stiftet. Wie viel Geld er in dieser Zeit gezahlt hat, weiß er nicht. Er möchte es auch nicht wissen. „Die rechte Hand soll nicht wissen was die linke tut“, zitiert der Mister das Matthäus-Evangelium im Gespräch mit der FR, mit der er sich über eine Videoschalte zum Gespräch verabredet hat. Der Mister bleibt sich treu, er hat seine Kamera ausgeschaltet und ist nur zu hören. Er möchte anonym bleiben. Der christliche Glaube und die Praxis Pietate bestimmten sein Leben, berichtet er. Er lese täglich in der Bibel und tue, was er glaube. So wolle er frohen Herzens und nicht berechnend geben. „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“, zitiert er die Heilige Schrift. Es gehe nicht um Pflichtbewusstsein, sondern um Dankbarkeit. Er sei dankbar, dass er trotz aller wirtschaftlichen Krisen jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag habe aufbringen können.

Nur das darf man über ihn wissen: Er ist Kaufmann aus dem Rhein-Main-Gebiet, verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. In seinem Unternehmen habe er altersbedingt seine Nachfolge geregelt – und das möchte er auch für die Zehn-Prozent-Aktion tun. Nicht, weil er aufhören wolle, sondern um deren Fortbestehen zu sichern. Seit drei Jahren suchen er und der Aktionskreis einen neuen Mister oder eine Miss X. Bislang vergebens.

Der Mister gehörte der Aktion seit 1976 zunächst als Spender an. „Damals habe ich 2000 Mark gegeben“, erinnert er sich. Seine regelmäßige Teilnahme bescherte ihm 1981 die Anfrage, ob er der neue Mister X werden wolle, denn der Mann, der die Zehn-Prozent-Aktion 1968 gegründet hatte, wanderte nach Kanada aus. „Ich habe mir Bedenkzeit erbeten und dann eine Bedingung gestellt: Das Geld geht nicht nur in die Dritte Welt, sondern auch an Projekte vor der Haustür.“ Ärzte, die Flüchtlinge ohne Versicherungsschutz medizinisch behandeln, eine Organisation, die sich um Prostituierte kümmert, und Bildungs- und Entwicklungsprojekte in aller Welt wurden bedacht.

Ein neuer Mister X sollte aus kirchlichen Kreisen kommen, wünscht sich der Mister und das Gebot, den Zehnten abzugeben, als Motivation begreifen. Er wolle ihn anfangs gerne unterstützen. Sollte sich kein Nachfolger finden, nimmt der Mister dies als gegeben hin: Es habe eben alles seine Zeit.

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