Das Bild graziöser Leichtigkeit trügt – Technik ist hier alles.
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Das Bild graziöser Leichtigkeit trügt – Technik ist hier alles.

Wiesbaden Tennis Open 2012

Graziös, entspannt, professionell

In Bierstadt starten die Wiesbaden Tennis Open 2012 mit Starbesetzung in die 10. Runde. Zu gewinnen gibt es dieses Jahr insgesamt ein Preisgeld von 10.000 Dollar - nächstes Jahr sollen es 25.000 Dollar sein.

Von Eva Marie Stegmann

Nein, wirklich aufgeregt ist sie nicht. Das Mädchen schüttelt den Kopf. Es sind ja erst die Qualifikationsrunden. Und „Aufregung bringt hier überhaupt nichts, Konzentration ist alles.“ Dabei lächelt sie. Dejana Raickovic ist Profitennisspielerin. Mit elf Jahren fing sie mit dem Tennis an. Heute spielt sie Weltranglistenturniere und ist eine der 500 besten auf der Welt. Zu den Wiesbaden Tennis Open 2012 ist sie einen Tag vorher angereist. „Gestern habe ich in England ein Turnier gespielt.“ Dass sie im Doppel gewonnen hat, sagt sie erst auf Nachfrage.

Die 20-Jährige sitzt im rosa-blau geblümten Kapuzenjäckchen bei Turnierdirektor Rolf Schmidt auf der Terrasse der Clubanlage des Tennisclubs Bierstadt. Vor ihnen auf dem Tenniscourt liefern sich gerade Barbara Bonic aus Serbien und Natalia Siedliska aus Polen ein Match. Der Ball schlägt laut auf, die Schläge sind präzise, in die Stille hinein stöhnen die Spielerinnen oft auf, während sie den Ball über das Netz schmettern. „Schauen Sie, welche Kraft in den Aufschlägen steckt. Das ist alles Technik, was diese Mädchen hier zeigen“, sagt Schmid.

Der 58-jährige Turnierdirektor weist über den Platz, hinter dem ein weiterer Platz liegt und ein weiterer. Sechs sind es insgesamt, auf dem sich in den kommenden Tagen knapp 100 Profispielerinnen messen werden. Zwei jener Plätze sind neu. „Wir gehen gegen den Trend“, sagt Schmid lächelnd. Während vielerorts Tennisclubs schrumpfen, wurde in Bierstadt expandiert. Ein Gönner, der den Club für unterstützenswert hält, habe den Ausbau finanziert. Nicht zuletzt wegen der Wiesbaden Tennis Open. Schmid selbst hat das Turnier vor neun Jahren ins Leben gerufen. „Es ist quasi mein Baby.“

Der hauptberufliche Kasino-Croupier hat dafür nach und nach Sponsoren an Land gezogen. Deren Banner hängen jetzt in orange, Flieder oder gedecktem blau an den Seiten der Courts. Noch ist genug Platz für ein paar mehr. Schmids Ziel ist es, diese zu füllen. Das Preisgeld dieses Jahr liegt bei 10.000 Dollar insgesamt. Im nächsten Jahr möchte Schmid mit 25.000 aufwarten können. Denn je höher die Preise, desto eher werden hochrangige Spielerinnen wie Dejana Raickovic angezogen.

Was ihr an dem Turnier in Bierstadt gefällt: „Dass es hier so unheimlich familiär ist.“ Die dreimal, die sie bereits dabei war, hat sie Schmid und sein Team kennen und mögen gelernt. „Die Betreuung ist top“, sagt sie und blickt über den Platz, auf dem Barbara Bonic gerade versucht, Natalia Siedliskas deutlichen Vorsprung aufzuholen. Das Publikum klatscht nur selten. Es ist ruhig, Konzentration, Aufmerksamkeit und Entspannung mischen sich zu einer ganz eigenen, sehr einnehmenden Atmosphäre. Dejana wartet an einem der weißen Plastiktische auf der Terrasse, auf der sich Tennisbegeisterte tummeln, auf ihr erstes Spiel.

Ein paar Meter weiter wartet die 23-jährige Kim auf trinkfreudiges Publikum. Das rothaarige, zierliche Mädchen schenkt am Stand von Sponsor Henkell Trocken Sekt aus. Sie ist ein Kind des TC Bierstadts, seit 16 Jahren spielt sie dort. Profi wollte sie allerdings nie werden, lieber studiert sie. Die Matches auf den Courts an diesem Tag ziehen sie in den Bann. „Das sind wirklich, wirklich super Spiele.“ Engagiert seien die Spielerinnen, toll trainiert. „Rennen jedem Ball nach – und wie“, sagt Kim mit unverhohlener Bewunderung. Graziös und kein Stück hektisch - Profis eben.

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