In der Romantik war Burg Sonnenberg hoch geschätzt.
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In der Romantik war Burg Sonnenberg hoch geschätzt.

Ruine Sonnenberg

Goethe, Räuber und die Archäologen

In der Ruine Sonnenberg eröffnet ein neues Burgmuseum / Die Sanierung wird demnächst fortgesetzt

Von Gesa Fritz

Vermutlich gibt es nur wenige Menschen, die beim Sinnieren über die besonders reizvollen Ecken Wiesbadens unaufgefordert an die Burg Sonnenberg denken. Das ist nicht nur ziemlich ungerecht für das alte Gemäuer. Es gab auch Zeiten, in denen das ganz anders war.

Im 18. und 19. Jahrhundert stand die Ruine bei den Romantikern hoch im Kurs. Bilder mit dem Motiv der Burg fanden sich in jedem Reiseführer über die Region, der etwas auf sich hielt. Ein Besuch gehörte zum Standardprogramm der Kurgäste. Und Goethe höchstselbst soll seinen 65. Geburtstag im Schatten der altehrwürdigen Mauern gefeiert haben.

Doch nun endlich sieht es so aus, als könne die Burg wieder zu altem Glanz zurückkehren. Stadt und Bund haben Geld in die Hand genommen, um die 2007 begonnene Sanierung voranzutreiben. In ein paar Wochen sollen Archäologen anrücken und mit den Arbeiten beginnen. Insgesamt stehen 430000 Euro für die Jahre 2012 und 2013 zur Verfügung, 170000 Euro spendiert der Bund, den Rest die Stadt.

Der erste Schritt, die Ruine wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, ist bereits getan: Am Sonntag eröffnet zum ersten Mal das neue Burgmuseum im frisch renovierten Bergfried.

Ein Museum gibt es schon seit den 1950er Jahren in dem höchsten Turm der Anlage. Allerdings musste es immer wieder geschlossen werden. Mal raubten Diebe die Ausstellungsstücke, mal drohte die baufällige Treppe einzustürzen. Und die gezeigten Objekte hatten auch nur bedingt mit der Burg zu tun: ein Bild von Konrad Duden etwa, der Schreibtisch eines Sonnenberger Schauspielers oder eine alte Weinpresse.

Das ist nun anders. Unter der Regie des Stadtmuseums und in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Sonnenberg wurde erstmals eine sortenreine Ausstellung zur Burg und ihrer Geschichte geschaffen. Auf drei Ebenen verteilt wird auf großen Schautafeln Wissenswertes über die Burg erzählt. In der untersten zugänglichen Ebene – darunter ist noch das Verlies, in dem aber nie Gefangene, sondern nur Vorräte lagerten – wird der Gründungsmythos der Burg erzählt. Eine Ebene höher geht es um das Leben hinter den steinernen Mauern, vor allem um das der hochherrschaftlichen Damen. Die dritte Ebene dann ist der Ruine und ihrer Bedeutung in der Romantik gewidmet.

Ausstellungsstücke gibt es nicht viele. Eine Hellebarde, ein goldfarbener Abendmahlkelch sowie eine Oblatenschale gehören schon zu den Höhepunkten. Das liegt daran, dass in den Gemäuern eben nur noch Funde gezeigt werden, die tatsächlich aus der Burg stammen. Wer dann aber noch die schmale Steintreppe bis ins Dachgeschoss emporsteigt, der wird dort mit einem prächtigen Blick über Wiesbaden, ins Dambachtal hinein oder auf die Villen des Sonnenberger Geldadels belohnt.

Die Zahl der Ausstellungsstücke kann aber noch wachsen. Einerseits schlummern im Fundus der Sammlung Nassauischer Altertümer des Stadtmuseums möglicherweise noch einige historische Schätze. Außerdem ist es gut möglich, dass die Archäologen bei ihrer Arbeit auch noch das eine oder andere Objekt ans Tageslicht bringen.

Das Museum im Bergfried ist am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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