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Glückliche Verlierer

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Karl-Heinz Böhm.
Karl-Heinz Böhm. © dpa

Wiesbaden gewinnt die Stadtwette: 114 000 Euro sind in den vergangenen sechs Wochen für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ zusammengekommen.

Von Gaby Buschlinger

"Auf die Wiesbadener ist Verlass“, freute sich Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und verkündete stolz am Freitag im Rathaus das Ergebnis der Städtewette: Über 114 000 Euro haben die Wiesbadener in den vergangenen sechs Wochen für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ gespendet. Und damit das Soll mehr als erfüllt. Denn die Wette lautete wie bereits vor fünf Jahren, dass jeder dritte Wiesbadener einen Euro für die Menschen im ärmsten Land der Welt gibt. Die Hürde lag demnach bei rund 91 500 Euro.

Doch bei dieser Wette gebe es nur Gewinner, sagte Ehefrau Almaz Böhm. „Zumindest sind mein Mann und ich glückliche Verlierer“, schmunzelt sie. Denn die Böhms freuen sich über jeden Euro, der in die Sahelzone geht. Die eigentlichen Gewinner seien die Kinder in Äthiopien: Das Spendengeld der Wiesbadener Städtewette geht an die Higher Primary School in Bekera, einem kleinen Ort nördlich der Hauptstadt Addis Abeba. 800 Schüler könnten Ende 2012 eine menschenwürdige Schule besuchen, sagte Almaz Böhm.

Insgesamt haben bei der Wette 24 deutsche Städte mitgemacht und nach Angaben der Karlheinz-Böhm-Äthiopienhilfe drei Millionen Euro gesammelt. Nur Frankfurt/Main, Köln und Berlin haben es nicht geschafft. Mainz war diesmal nicht mit von der Partie.

Rein rechnerisch hat also mehr als jeder dritte Wiesbadener einen Euro gespendet. Tatsächlich aber nicht. Zum Wettsieg haben vielmehr kräftige Einzel- und Firmenspenden mit verholfen. Mit jeweils 10 000 Euro steuerten eine Firma und Mister Zehn-Prozent die größten Beträge bei.

Nach einem schleppenden Anlauf – sechs Tage vor dem Ablauf der Frist hatten noch 35 000 Euro gefehlt – hat OB Müller zum Endspurt persönlich zur Sammelbüchse gegriffen und ist damit über das Theatrium geklappert, um die Stadt vor einer Blamage zu retten. Außerdem muss der Rathauschef nun nicht während der Weinwoche zwei Stunden Getränke ausschenken. Dafür wird Almaz Böhm als Wettverliererin Ende des Jahres das Projekt Theater Salomon nach Wiesbaden holen. Die Schauspieler bringen das Leben und die Arbeit von Karlheinz Böhm auf die Bühne.

Vor genau 30 Jahren hatte der Schauspieler Karlheinz Böhm mit seinem Auftritt in der Sendung „Wetten dass ...“ – damals noch moderiert von Frank Elstner – den Grundstein für seine Äthiopienhilfe gelegt. Der ehemalige Kaiser-Franz-Darsteller aus Sissi wettete, dass nicht einmal jeder dritte Fernsehzuschauer eine Mark für die Menschen in der Sahelzone spenden würde. Am Ende kamen 1,4 Millionen Mark zusammen, mit denen Böhm nach Äthiopien flog. Dort fand der heute 83-Jährige seine neue Lebensaufgabe, wurde zum Entwicklungshelfer und gründete die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“.

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