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Geschäftsführer des Wiesbadener Mobilitätsunternehmens muss seinen Hut nehmen

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Brennstoffzellenbusse wie dieser sollen helfen, die Verkehrswende bei Eswe Verkehr voranzubringen.
Brennstoffzellenbusse wie dieser sollen helfen, die Verkehrswende bei Eswe Verkehr voranzubringen. © Michael Schick

Wegen Vorwürfen von Günstlingswirtschaft hat der Aufsichtsrat Jörg Gerhard abberufen.

Auf der Homepage von Eswe-Verkehr war am Dienstagvormittag zu erkennen, was der Aufsichtsrat am Abend zuvor beschlossen hatte. Foto und Name des Geschäftsführers Jörg Gerhard waren entfernt worden. Der Aufsichtsrat hatte also den langjährigen Geschäftsführer seines Amtes enthoben. „Gerhard wurde mit sofortiger Wirkung abberufen“, erklärt Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne), der Aufsichtsratsvorsitzende des Mobilitätsunternehmens. Gerhard war am Dienstag schon nicht mehr im Büro.

Der Beschluss ist Kowol zufolge „mit deutlicher Mehrheit“ gefasst worden. Das bedeutet, dass auch Vertreter der Mitarbeiter:innen für die Abberufung gestimmt haben. Der Aufsichtsrat hat zwölf Mitglieder, die Hälfte sind Mitarbeiter aus dem Unternehmen. Gerhard war in Anwesenheit seines Rechtsanwalts in der Aufsichtsratssitzung zugegen und hatte Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Gerhard und sein Rechtsanwalt waren am Dienstag nicht zu erreichen.

Es geht um Vorwürfe, die sich unter dem Begriff Günstlingswirtschaft zusammenfassen lassen. Unter anderem soll dem Betriebsratsvorsitzenden ein zu hohes Gehalt gezahlt worden sein. Zudem geht es um Übernahme von Urlaubstagen eines Mitarbeiters von seiner früheren Arbeitsstelle und andere finanzielle Vorteile. Kowol berichtet, es habe eine Vielzahl von Zulagen gegeben, die willkürlich an einzelne Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen verteilt worden seien. Die Konzernrevision der städtischen Holding WVV und die Kanzlei Dierlamm hatten zuvor im Auftrag der Stadt Einblick in die Akten genommen, mit den anonymen Hinweisen verglichen und „schwerwiegendes Fehlverhalten – bis hinauf zu den genannten Geschäftsführern“ festgestellt. Kowol spricht von strafbaren Handlungen.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, die gegen Gerhard, den früheren Geschäftsführer Hermann Zemlin, den Betriebsratvorsitzenden und einen Mitarbeiter ermittelt, teilte am Dienstag auf Anfrage mit, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Jörg Gerhard war seit 1996 bei Eswe-Verkehr beschäftigt, 2014 wurde er in die Geschäftsführung berufen. Im Dezember 2020 war er für weitere fünf Jahre in der Geschäftsleitung bestellt worden. Er galt als zuverlässige Führungsperson. Wegen der seit Monaten andauernden Vorwürfe war er im Februar von der Zuständigkeit für das Personal entbunden worden.

Die FDP und die kleinen Fraktionen von BLW/ULW/BIG und Freie Wähler/Pro Auto fordern nun den Rücktritt Kowols, was der Dezernent deutlich zurückweist.

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