Vorstand Eva Schuster zeigt die aktuelle Ausstellung.
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Vorstand Eva Schuster zeigt die aktuelle Ausstellung.

Frauenwerkstatt

Ein Ort zum gemeinsamen Lernen

Vor 30 Jahren gründeten Wiesbadenerinnen die Frauenwerkstatt, um dort mit anderen zu lernen und ihr Wissen weiterzugeben. Daraus entstanden weitere erfolgreiche Projekte wie das Frauenmuseum - das auch Männer gern besuchen.

Von Mirjam Ulrich

Vor 30 Jahren gründeten Wiesbadenerinnen die Frauenwerkstatt, um dort mit anderen zu lernen und ihr Wissen weiterzugeben. Daraus entstanden weitere erfolgreiche Projekte wie das Frauenmuseum - das auch Männer gern besuchen.

Sie hatten kaum Geld, aber eine Idee: Sie wollten einen Ort schaffen, an dem Frauen sich gemeinsam mit anderen Frauen weiterbilden, aber auch ihr eigenes Wissen weitergeben können. Zugleich sollte es ein Ort sein, wo Frauen die Arbeit, die sie dort leisten, bezahlt bekommen.
Weil es tatkräftige Frauen waren, ließen sie sich von der Geldnot nicht abhalten, sondern gründeten 1982 den gemeinnützigen Verein „Frauenwerkstatt – Zentrum für Kommunikation und Bildung“. Und dabei sollte es nicht bleiben: Bald kamen der „Mädchentreff“, das Projekt „Neuer Start ins Berufsleben“ und das Frauenmuseum dazu.

„Die Frauenwerkstatt entstand aus der Frauenbewegung“, erzählt Eva Schuster, eine der damaligen Gründerinnen, die auch heute noch dem Vereinsvorstand angehört. Das 1975 entstandene Frauenzentrum sei ein guter Ort für Aktionen wie Demos gewesen, und viele Gruppen leisteten dort gute Arbeit. „Es kamen auch immer neue Frauen hinzu, wir wollten jedoch eine verbindlichere Struktur und mehr Kontinuität hineinbringen.“ Außerdem hätten sie nur über einen Verein Frauenarbeitsplätze schaffen können. Zeitweise beschäftigte diese 13 Festangestellte sowie unzählige freie Mitarbeiterinnen.

Anfangs arbeiteten sie noch ehrenamtlich, bezogen zunächst Räume am Römerberg und stellten ein Programm zusammen. So boten sie zum Beispiel in Wiesbaden die ersten Türkisch-Kurse für Frauen an oder Fahrrad-Werkstattkurse. Mit den Kursen kam etwas Geld herein, aber es sollte noch zwei Jahre dauern, bis die Stadt und – zeitweise auch das Land Hessen – die Arbeit der Frauen finanziell unterstützte.

Bereits 1983 gründeten sie den „Mädchentreff“, denn viele Frauen, die in die Frauenwerkstatt zu Kursen und Veranstaltungen kamen, waren alleinerziehend. Fast zeitgleich entstand zudem aus einem Kurs heraus das Projekt „Neuer Start ins Berufsleben“. Es richtete sich an Frauen, die nach der Erziehungszeit wieder arbeiten wollten. Vom Arbeitsamt gab es damals keine darauf zugeschnittenen Angebote. Beide Projekte entließ die Frauenwerkstatt einige Jahre später in die Selbstständigkeit. Beide existieren bis heute, das eine heißt nun „Berufswege für Frauen“.

1984 erfolgte die Gründung des Frauenmuseums – als zweites in Deutschland und drittes weltweit. Gleich die erste Ausstellung wurde ein großer Erfolg. „Im Museum zeigen wir, was Frauen in der Stadt- und Kulturgeschichte bewirkt haben“, sagt Eva Schuster. In Ausstellungen geben sie ferner Künstlerinnen und politischen Themen den Raum, den diese anderswo oft nicht bekommen.

Das Museum zieht längst weit über Wiesbaden hinaus Besucher aus Deutschland und dem Ausland an. Männer dürfen übrigens von Anfang auch hinein. „Wir wollen ja, dass die kommen und sich mit den Themen beschäftigen.“ Die Ausstellung über Clärenore Stinnes, die als erste Frau mit ihrem Auto die Welt umrundete, sei bei Männern sehr beliebt.

Das Museum finanziert sich aus Einnahmen, Zuschüssen der Stadt und Spenden. Dennoch sei viel ehrenamtliche Arbeit nötig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Existenz des Museums keineswegs selbstverständlich, berichtet Eva Schuster.

Nötig sei es jedoch immer noch, Frauenkultur und -geschichte werde sonst nicht gezeigt. Ebenso seien Frauenrechte nicht vom Himmel gefallen, sondern von Frauen erkämpft worden. Junge Frauen seien sich dessen oft nicht so bewusst. „Dabei müssen sie heute teuflisch aufpassen, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden.“

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