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Gekritzelte Hilferufe

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Notizen eines jüdischen Ehepaars als Buch

Über ihren historisch wertvollen Zufallsfund und warum sie ihn aber 20 Jahre lang geheim hielt, hat Inge Geiler nun das Buch „Wie ein Schatten sind unsere Tage“ geschrieben. Daraus liest die Seniorin am Freitag, 16. November, 19 Uhr in der Büchergilde, Bismarckring 27. Genau in diesem Haus hatten die jüdischen Eheleute Meier und Elise Grünbaum zuletzt gewohnt, bevor sie 1941 von den Nazis nach Frankfurt vertrieben wurden.

Das Schicksal der Grünbaums hat Inge Geier recherchiert. Denn in ihrer Frankfurter Wohnung entdeckten Handwerker 1984 hinter einer Wandverkleidung einer Heizung 47 Briefe, Fotos, Postkarten und vollgekritzelte Papierschnipsel – überwiegend hilflose Verzweiflungsrufe von den Grünbaums über ihre aussichtslose Situation.

Erst 20 Jahre später fand Inge Geiler den Mut und die Zeit, mehr über die früheren Bewohner und deren Schicksal zu erfahren. Also begann sie, in Archiven und Meldeämtern zu stöbern. Im Bismarckring erinnern inzwischen Stolpersteine an die Grünbaums.

„Ohne den Fund des Nachlasses wären die Grünbaums anonyme Opfer geblieben“, sagt Büchergilden-Inhaberin Gudrun Olbert. Im vergangenen Jahr hatte das Projektbüro Stadtmuseum bereits einige der Notizen in einer Ausstellung gezeigt. (byb.)

Karten für die Lesung am 16. November, 19 Uhr können ab sofort in der Büchergilde unter Tel. 0611 /405767 bestellt werden. Eintritt fünf Euro.

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