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Es geht auch ohne Spekulanten

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Von: Arne Löffel

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Auch nach Jahren der Planung ist nichts zu sehen am Hainweg in Nordenstadt.
Auch nach Jahren der Planung ist nichts zu sehen am Hainweg in Nordenstadt. © ROLF OESER

Bierstadter Grundstücksbesitzer entwickeln Baugebiet direkt mit dem Stadtplanungsamt. Am Hainweg geht es erst richtig voran, seit die Stadt und die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) das Baugebiet an sich genommen.

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Stadtplanungsamtsleiter Thomas Metz hat mit seinem Team Vorbildliches geleistet. So vorbildlich, dass das Baugebiet „Bierstadt Nord“ von der Technischen Universität Darmstadt als bundesweit vorbildliches Projekt gelobt wird. Vorbildlich in der Kommunikation rund um ein Baugebiet, wie Metz nicht ohne Stolz berichtet.

Das Besondere am Baugebiet Bierstadt Nord ist, dass die Stadt, genauer das von Metz geleitete Amt, die gesamte Entwicklung des Baugebiets mit den ursprünglichen Grundstückseigentümern in Angriff genommen hat. „Das sind 20 Privatpersonen. Anfangs waren es noch 30, aber einige haben bereits verkauft“, berichtet Metz bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Stadt unterbindet Preistreiberei via Vorkaufsrecht

Die Grundstückseigentümer haben sich laut Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) im Vertrauen auf die Kompetenz des Stadtplanungsamts auf diese Reise eingelassen, die für die Entwicklung von Baugebieten nicht alltäglich ist. „Es war schwer, die ganzen Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen“, berichtet Metz. Es habe eigentlich immer einen gegeben, der nicht das wollte, was die Mehrheit wollte. „Mit vielen Treffen und Gesprächen haben wir es geschafft, aus den ehemals landwirtschaftlichen Flächen ein Baugebiet zu formen, das sich so nun auch vermarkten oder bebauen lässt.“

Der Stadtplanungsamtsleiter erklärt, dass den Grundstückseigentümern keine Sonderbehandlung zuteil geworden sei: „Alle mussten sich ganz regulär an den Erschließungskosten beteiligen. Außerdem wird das Baugebiet von einem breiten Grünstreifen geteilt, der für die Frischluftversorgung gebraucht wird.“ Hier hätten die Landwirte durchaus im Laufe der Planungen den Wunsch geäußert, die Stadt möge diese unbebaubaren Grundstücke ankaufen. Dem habe Metz aber eine Absage erteilt und die Kosten würden nun von den Eigentümern gemeinsam getragen.

Besonders stolz ist Metz darauf, im gesamten Prozess der Bodenspekulation Einhalt geboten zu haben. „Der eine oder andere kam schon auf die Idee, das Grundstück zu verkaufen. Allerdings haben wir da unsere Vorkaufsoption ausgeübt und die Spekulanten so ausgeschlossen“, sagt Metz. So habe sich ergeben, dass das 16 Hektar große Areal zur einen Hälfte der Stadt und zur anderen eben den 20 Privatpersonen gehöre. „Wenn alles gut geht, dann kann schon im nächsten oder übernächsten Jahr mit der Bebauung oder Vermarktung begonnen werden“, so Metz.

Das ist, so betont Metz, eine kurze Planungszeit. Der Flächennutzungsplan für das nördlich des Wolfsfeld gelegenen Baugebiets stammt aus dem Jahr 2010, ist also noch recht neu. 425 Wohneinheiten sollen hier entstehen. Die Tatsache, dass laut Bebauungsplanentwurf eher durchbrochene Häuserreihen als durchgehende Wohnriegel das Bild bestimmen, ist wohl auch dem positiven Beratungseinsatz des Tiefbauamts geschuldet. Lediglich entlang der Frischluftschneise werden dreigeschossige Häuser plus Staffelgeschoss entstehen und ihren Bewohnern großzügige Sicht auf das unverbaute Grün bieten.

Bodenspekulanten erhöhen Kosten für Bauherren

Auch bei einem weiteren Baugebiet geht es voran: dem Hainweg in Nordenstadt. Allerdings ist hier alles laut Metz ganz anders gelaufen. Eine jahrzehntelange und leidvolle Geschichte begleitet das Baugebiet, die Stadt und auch die Grundstückseigentümer. „Hier haben sich auch Spekulanten beteiligt, unter anderem ein bekannter Investor aus Mainz, der die Grundstücke nur kurze Zeit besaß und dann mit Gewinn weiter veräußert hat“, berichtet Metz. Einziger Effekt sei gewesen, dass sich die Grundstücke für die Bauherren verteuerten.

Richtig voran geht es hier erst, seit die Stadt und die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) das Baugebiet an sich genommen und die Entwicklung vorangetrieben haben. Nun, einige Bürgerversammlungen später, sollen hier auf 22 Hektar 650 Wohneinheiten entstehen. Geplant sind Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und Geschosswohnungen, die sich um einen neuen Park, den Hainpark, gruppieren sollen. Auch zwei Kindertagesstätten, Einzelhandel, ein Jugendclub und ein Seniorentreff sind vorgesehen. Gemäß einer Selbstverpflichtung der Stadtverwaltung sollen mindestens 15 Prozent des Wohnraums gefördert werden – entweder als Sozialwohnungen oder subventioniertes Eigentum.

Um die Planungen von Stadt und SEG für den Hainweg in die Tat umzusetzen, muss noch der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden, teilt Carolin Herzog vom Stadtplanungsamt bei der Pressekonferenz mit.

Beide Bauvorhaben müssen nun noch die große demokratische Runde überstehen, ehe das Stadtplanungsamtsleiter die weiteren Schritte einleiten kann. Der Magistrat hat die Pläne bereits zur weiteren Beratung an die jeweils zuständigen Ortsbeiräte weitergeleitet, so Dezernentin Möricke. Nach der Abstimmung in den Ortsbeiräten kommen die Pläne zurück in den Magistrat, der mit einem entsprechenden Votum eine Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung erstellen kann. Möricke ist zuversichtlich, hier bald Fakten schaffen zu können.

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