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Fotografieren, notieren und verwarnen ? geht alles mit der App. Ein Verkehrspolizist bei der Arbeit an der Robert-Krekel-Anlage.
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Fotografieren, notieren und verwarnen ? geht alles mit der App. Ein Verkehrspolizist bei der Arbeit an der Robert-Krekel-Anlage.

Verkehr in Wiesbaden

Gegen Raser und Falschparker in Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Die Stadt Wiesbaden geht härter gegen Verkehrssünder vor. Zwölf neue Helfer unterstützen die Stadtpolizei dabei. Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) befindet: "Die Verkehrsmoral ist verloddert."

Unter der Windschutzscheibe des grünen Opel-Kleinwagens, der in der Rathausstraße in Biebrich in einer Parkscheinzone steht, steckt bereits ein blauer Verwarnungszettel. „Der ist wohl von den Kollegen am Morgen“, sagt Karl-Jürgen Herrmann und überprüft in seiner Verkehrskontroll-App, ob das stimmt. „Die Verwarnung hat die Person an einem anderen Ort erhalten und drangelassen“, findet er heraus. Auf diesen Trick fällt er nicht mehr herein. Im Wagen liegt kein gültiger Parkschein. Also notiert Herrmann das Kennzeichen, den Standort, die Uhrzeit und die Ventilstellung des Reifens. „So können wir später sehen, ob das Auto bewegt wurde“, sagte er. In einigen Tagen wird der Fahrzeughalter die Verwarnung vom Ordnungsamt per Post erhalten.

Karl-Jürgen Herrmann gehört zu den zwölf Stadtpolizisten, die die Landeshauptstadt für ein Jahr vom Unternehmen Securitas ausgeliehen hat, um Kontrolllücken im ruhenden Verkehr zu schließen. Früher waren die Männer im Objektschutz tätig, eine Weiterbildung befähigt sie zur Tätigkeit als Ordnungspolizist. Ihre Aufgabe ist es, in ganz Wiesbaden danach zu schauen, ob die Autos vorschriftsgemäß abgestellt sind, Parkscheine gezogen oder Bewohnerparkscheiben ausgelegt wurden. Sie sollen den 58 Ordnungspolizeibeamten der Landeshauptstadt den Rücken freihalten, die mit anderen Aufgaben der Verkehrssicherung und Verkehrsüberwachung beschäftigt sind.

„Die Verkehrsmoral ist verloddert“, begründet Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne), warum das Ordnungsamt Verstärkung braucht.

Glaubt man dem Biebricher Ortsvorsteher Kuno Hahn (SPD), geht es in seinem Stadtteil derzeit drunter und drüber. Die Straßen seien zugeparkt, oft bis in die zweite Reihe. Die Kunden des Geschäftszentrums an der Straße der Republik würden keine Parkplätze mehr finden, Leute fänden keinen Anwohnerparkplatz, weil Unbefugte ihre Autos darauf abgestellt hätten.

Und dann das Rasen und Posen: Etliche Autos sausten mit hohem Tempo durch die Straßen und gefährdeten die Passanten. Die Poser zeigten sich vor allem nachts in teuren Mercedes oder Maseratis und ließen die Motoren heulen, um aufzufallen. „Das ist Lärmbelästigung, und die Bürger fühlen sich alleine gelassen“, klagt Hahn.

Den Schlampereien und dem Machtgehabe im Verkehr möchte Kowol mit mehr Polizeipräsenz, Kontrolldruck und härteren Strafen begegnen. Wenn etwa Autos auf Busspuren, Radwegen und in Feuerwehrzufahrten parken, sollen sie künftig schneller abgeschleppt werden. Bislang sei das Ordnungsamt in diesem Punkt zurückhaltend gewesen. Gemeinsam mit der Landespolizei soll den Rasern und Posern verstärkt zugesetzt werden.

„Die Verhältnisse sind so angespannt wie in anderen Großstädten auch“, sagt Winnrich Tischel, Leiter des Straßenverkehrsamts, und sie würden schlimmer. Aggressionen und Beleidigungen gegen Beamte häuften sich. Tischel kündigt Aktionen im Rahmen der Gefahrenabwehr gegen das Posen an. „Das Ziel ist, den Führerschein abzunehmen“, sagt er. Dafür müssten Streifen mindestens zu zweit unterwegs sein und am besten zur eigenen Sicherheit einen der sechs Diensthunde Wiesbadens dabei haben. „Ein Diensthund ersetzt sechs bis sieben Polizeibeamte“, sagt Tischel, „vor dem haben die Männer Respekt.“ Wie Bürgermeister Oliver Franz (CDU) kürzlich im Parlament auf Anfrage der FDP sagte, habe es 2017 fünf körperliche Angriffe auf Stadtpolizisten gegeben, Tendenz leicht steigend.

Die Strategie Tischels ist einprägsam: „Regelmäßig unregelmäßig kontrollieren“ Will heißen, die Stadtpolizei knüpft sich wiederholt, aber in unregelmäßigen Abständen einen Stadtteil vor. Dann ziehen täglich mehrere Beamte durch die Straßen. Letztens war das Westend dran. Einen Haufen Verwarnungen und Abschleppungen habe es gegeben, sagt Tischel. Demnächst ist Biebrich an der Reihe. Das freut Ortsvorsteher Hahn. Er glaubt, dass sich dann das soziale Miteinander verbessere, einfach weil es weniger Anlässe für Ärger gebe.

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