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Geckos im Klassenzimmer

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Hela-Lehrer Andreas Rech
Hela-Lehrer Andreas Rech © Michael Schick

Auf dem Schulhof turnen Affen herum, der Weg zur Sporthalle führt ein Stück durch den Dschungel. Schüler der Helene-Lange-Schule lernen drei Monate lang in Singapur.

Von Mirjam Ulrich

Die Temperaturen steigen auf 35 bis 40 Grad Celsius und es ist schwül, doch „hitzefrei“ gibt es nicht. Drei Monate lang verbrachten die Wiesbadener Schüler David Rech und Konstantin Mende an der German European School Singapore (GESS), der Deutschen Europäischen Schule in Singapur. Die beiden 15-Jährigen wollten ihre Englischkenntnisse verbessern und besuchten die Europäische Sektion der GESS, wo Deutsch zwar Pflichtfach ist, die übrigen Fächer aber auf Englisch unterrichtet werden.

„Am Anfang war es hart“, sagt Konstantin Mende über den ungewohnten Schulalltag. „Es war alles fremd.“ Zum Beispiel die vielen Aufsätze, die er und David schreiben mussten, auch das „papierlose Klassenzimmer“ kannten die beiden Helene-Lange-Schüler so nicht. Ab der neunten Klasse arbeiten die Schüler in Singapur viel am Laptop, die Aufsätze schicken sie per E-Mail an die Lehrer und bekommen sie auch auf diesem Weg zurück. Alle Klassenzimmer sind mit Beamer – und Klimaanlage ausgestattet.

Und die Schule müssen die Schüler auch nicht selbst putzen. „Das geht dort allein schon wegen des tropischen Klimas gar nicht“, sagt Andreas Rech, „in den Klassenzimmern gibt es auch einmal Geckos, Ameisenstraßen oder Schlangen“. Der Lehrer unterrichtet seit vorigem Sommer an der GESS und soll helfen, die Schule zu einem Zentrum der Schulentwicklung in Asien zu machen. Den zweijährigen Aufenthalt in Singapur nutzt er außerdem, um einen Schüleraustausch mit der Helene-Lange-Schule anzubahnen. Rechs Sohn David und dessen Freund Konstantin sammelten dafür bereitwillig erste Erfahrungen.

Am ersten Schultag bekamen sie einen „Buddy“ zugeteilt, einen Mitschüler der sich um sie kümmerte. Rasch knüpften die Jungen neue Kontakte. „Die Leute sind dort sehr unkompliziert und fragen einen, ob man am Wochenende mitkommen will“, erzählt David. Genauso problemlos hätten sie bei Mitschülern übernachten können, wenn es abends einmal spät wurde. Nach fünf Wochen habe er sich in Singapur wohler gefühlt als in Deutschland, sagt Konstantin.

Auf den Mathematikunterricht traf das weniger zu. Der Lehrer arbeitet auch als Dozent an der Uni, die Mathestunden gerieten so zur Vorlesung. „Er ging nicht auf uns ein, damit kamen wir nicht klar“, sagt Konstantin, der daheim am Mathematikwettbewerb teilgenommen hat. Hierzulande werde im Unterricht mehr erklärt, sagt Lehrer Rech. Zudem seien die Schüler der „Hela“ gewohnt, in Projekten zu arbeiten, in Singapur hätten sie Fachunterricht gehabt.

Neue Freunde gefunden

Der Deutschunterricht, den sie mit anderen Muttersprachlern erhielten, fiel ihnen hingegen leicht. Auch Präsentationen bereiteten ihnen keine Schwierigkeiten. „Bei den anderen sahen zwar die Powerpoint-Folien oft sehr schick aus, aber inhaltlich war es schlecht“, ist David aufgefallen. Er und Konstantin müssen jetzt eine Präsentation über ihren Singapur-Aufenthalt erarbeiten, um in der „Hela“ über den geplanten Austausch zu informieren. Im nächsten Jahr sollen sieben Schüler für vier bis sechs Wochen an die GESS und Schüler aus Singapur nach Wiesbaden kommen. Für David und ihn sei der Aufenthalt eine tolle Erfahrung gewesen, findet Konstantin. „Wir haben dort neue Freunde gefunden.“

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