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Kinder spielen Stadt

Gansmann wird OB

  • Ute Fiedler
    VonUte Fiedler
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80 Kinder werden in der Reduit zu Bürgern von Mini-Wiesbaden

Der Oberbürgermeister ist aufgeregt. Dabei stellt er sich nicht zum ersten Mal der Presse. Die war vorgestern schon da und hat Aaron Gansmann groß rausgebracht. Acht Gegenkandidaten hatte der Zwölfjährige. Alle hat er hinter sich gelassen. „Aber es war knapp“, sagt er und nestelt an seiner goldenen Bürgermeisterkette. Nervös ist er und das muss er auch sein, denn nur einen Tag nach seiner Wahl hagelt es Kritik: Aaron hat die Steuern erhöht und nicht die Gehälter, wie er es bei seiner Amtseinführung versprochen hatte.

Seit Montag ist das Kinder- und Jugendzentrum AKK in der Reduit in Kastel zu Mini-Wiesbaden umfunktioniert. 80 Kinder spielen eine Woche lang „Stadt“. Sie kommen morgens um 9.30 Uhr, gehen zum Arbeitsamt, erhalten Ausweise und gehen dann ihrer Arbeit nach, verdienen Geld und können sich etwas einkaufen. Das Planspiel ist ein Kooperationsprojekt des Amts für Soziale Arbeit, Wi & You, des AKK und des Kinderzentrums Wellritzhof. In Wiesbaden findet es bereits zum zweiten Mal statt und ist ein solcher Erfolg, dass es im Herbst wieder Kinder einlädt. Laut Dominik Strobel vom Amt für Arbeit und Soziales noch mehr als diesmal.

In Mini-Wiesbaden ist der Teufel los. Oberbürgermeister Gansmann hat mit dem zu kämpfen, was Wiesbadens OB Helmut Müller (CDU) nur allzu gut kennt: Er kann es nicht jedem recht machen. „Mehr Lohn, weniger Arbeit“, ruft ein Junge, als er durch die Verwaltung rennt. „In der Werkstatt wird eine Revolution angezettelt“, raunt eine Beraterin Aaron ins Ohr. Der rückt seinen schwarzen Zylinder und seinen grünen Schlips zurecht und flitzt los. Mal sehen, was zu retten ist.

Derweil überlegt die Mini-Wiesbaden-Zeitungsredaktion, was in ihrer neuen Ausgabe stehen könnte. Vorgestern haben zwei Mädchen im Standesamt geheiratet, dann gab es noch den Geldfälscher, der ein ganzes Bündel Minieuropäer, die Währungseinheit aus Papier in Mini-Wiesbaden, nachgemacht hat, erzählt Julian. Doch für die kommende Ausgabe fehlen noch Ideen. Also werden die kleinen Reporter mit den schwarzen Presse-Kappen losgeschickt.

Sie schwirren los, gucken bei der Bank vorbei, die gerade „Super Zinsen“ anpreist. Für fünf Minieuropäer gibt es 0,5 Minieuropäer noch einmal dazu. Pro Tag. Kein Wunder, dass dort die Hölle los ist. Jeder will das erarbeitete Geld anlegen. Die Bankangestellten kommen vor lauter Ein- und Auszahlen gar nicht mehr zur Ruhe. Nur die achtjährige Sezin bringt ihr Geld nicht zur Bank. „Ich brauch das ja eh wieder, um Sachen einzukaufen“, sagt sie.

Sezin arbeitet im Streetart. Dort fertigen die Jungs und Mädchen Kunstwerke an, die dort verkauft oder im Café ausgestellt werden. Paul (7) stellt stolz seine bemalten Einmachglas-Deckel vor. „Die werden gut gekauft“, sagt er. „Und einen habe ich auch schon gegen ein Eis getauscht.“

Die kalte Leckerei ist beliebt in Mini-Wiesbaden, viele der Kinder sind mit Waffeltüten bewaffnet und die Mitarbeiter des Kaufhauses Kaufrausch sind zufrieden: Der Kühlschrank ist fast leer. Und auch die Süßigkeiten gehen weg wie nichts. Schließlich muss harte Arbeit auch belohnt werden.

Elf Arbeitsplätze gibt es in Mini-Wiesbaden, Tag für Tag wird gewechselt. Jeder kann das machen, was ihm Spaß macht, egal ob Nägel polieren im Wellnesscenter, Filme machen bei Mini-TV oder in den Stadtwerken, die mit Kunstwerken Energie erzeugen wollen. Nur Aaron wird bis heute Abend noch Bürgermeister bleiben, muss Revolutionen abwenden und Versprechen einhalten. „Stressig“, sagt der Zwölfjährige. Aber er würde auch später gerne mal Bürgermeister werden. „Es macht großen Spaß.“

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