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Eintagshelden arbeiten im Rahmen des Freiwilligentages im Gemeinschaftsgarten Westend.

Wiesbaden

Gärtnern im Gemeinschaftsgarten

  • vonMirjam Ulrich
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Am Freiwilligentag bereiten in Wiesbaden Helfer die Beete auf den Herbst vor. Die Aktion gehört zum Programm der „Kulturtage Westend“.

Im Gemeinschaftsgarten Westend am Platz der deutschen Einheit wuchern zwischen Rosmarin und Rosen lauter Gras und Beikraut. Der Lavendel ist verblüht, eine Distel steht anderthalb Meter hoch. Es gibt einiges zu tun für die insgesamt 24 Teilnehmer der Begrünungsaktion am Wiesbadener Freiwilligentag. Die Aktion gehört zugleich zum Programm der „Kulturtage Westend“, die noch bis zum kommenden Sonntag dauern.

Martin Schaller vom Baum- und Gartenpflegeunternehmen Müller & Winkler zeigt der Gruppe, wie sie mit der Hacke die Erde auflockert. „Alle Gräser, Disteln und das Laub müssen raus, auch zwischen den Kräuterbüschen“, sagt er. Anschließend nimmt er eine Rosenschere und schneidet vertrocknete Zweige an den Büschen ab. „Ihr schneidet nur weg, was tot ist“, erläutert er, „wo noch grüne Blätter dran sind, lasst stehen.“ Für den Grünabfall hat er Säcke mitgebracht und Häcksel, um die Beete später zu mulchen. Die Helferinnen und Helfer greifen zu den Gartenwerkzeugen, verteilen sich mit Abstand in den Beeten und legen los.

Kulturtage Westend

Die Ausstellung „Break the Isolation“ mit Portraits und Texten aus dem Abschiebegefängnis in Darmstadt ist am Mittwoch, 9. September, von 17 bis 20 Uhr beim Flüchtlingsrat Wiesbaden, Blücherstraße 32, zu sehen. Eintritt frei, Anmeldung an info@fluechtlingsrat-wiesbaden.de.

Ein Treppenkonzert im Hinterhof an der Walramstraße 35 gibt es am Sonntag, 13. September, um 19 Uhr. Eintritt frei, Anmeldung unter Telefon 0611/403464.

Weitere Informationen finden sich online auf www.kubis-wiesbaden.de.

Jutta Sohl sammelt am Rand des Beetes Hundekot in orangefarbene Tüten ein. Sie besitze selbst einen Hund, erzählt sie, darum mache es ihr nichts aus. Die pensionierte Lehrerin für Biologie und Englisch legte den Schulgarten der Kostheimer Wilhelm-Leuschner-Schule an und betreute ihn jahrzehntelang. „Uns halfen immer Freiwillige von ‚Wiesbaden engagiert‘, jetzt bin ich mal dran, woanders zu helfen“, begründet sie ihr Engagement.

Detlev Reymann wiederum ist Professor für Gartenbau und gelernter Gärtner. Zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident der Hochschule Rhein-Main (HRM) entstand der Freiwilligentag, der von Studierenden der HRM organisiert wird. „Ich finde es phänomenal, dass die neun Studentinnen unter den Bedingungen nicht hingeworfen, sondern ihn trotzdem organisiert haben“, sagt der scheidende Hochschulpräsident. Auch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende arbeitet mit der Hacke im Beet des Gemeinschaftsgartens. Sicherheitshalber erkundigt er sich nochmals bei Martin Schaller, ob es sich tatsächlich um Unkraut handelt. „Nicht, dass ich hier das Falsche rausrupfe.“ Schaller nickt, das muss alles raus.

Den Gemeinschaftsgarten Westend rief der Verein für Kultur, Bildung und Sozialmanagement (Kubis) 2016 ins Leben. „Vorher war das nur eine schlecht bewässerte Rasenfläche, die grau und trist aussah“, erinnert sich Ute Ledwoyt, die Geschäftsführerin. Der Gemeinschaftsgarten ist dreigeteilt: Der linke Teil wurde ursprünglich einmal von der Garten-AG der gegenüberliegenden Elly-Heuss-Schule gepflegt, doch die Arbeitsgemeinschaft existiert nicht mehr. Den rechten Teil betreut das „Haus der Kinder“ an der Bleichstraße. „Die Kinder können aber nicht den großen langen Schlauch aus der Elly-Heuss-Schule zum Beet ziehen, um es zu bewässern“, berichtet Ute Ledwoyt. Und die Hoffnung, dass Bewohner des Westends den mittleren Teil des Gemeinschaftsgartens regelmäßig begleiten, habe sich bislang nicht erfüllt.

„Dass Freiwillige für die regelmäßige Pflege der Beete gesucht werden, wusste ich gar nicht“, sagt Robertson Linsner. Der 39-Jährige wohnt im Westend und fährt mit seinem Rad auf dem Weg zur Arbeit am Gemeinschaftsgarten vorbei. Mit seiner Hilfe und die der anderen Freiwilligen lichtet sich dort allmählich der Wildwuchs. Das Beet brauche viel Pflege, sagt Fachmann Schaller. Er begleitet von Anfang an die Begrünungsaktionen im Gemeinschaftsgarten, die der Verein Kubis jeden Frühling und Herbst veranstaltet. „Es ist viel Schotter in der Erde“, weiß Schaller. „Darum kann man nicht jedes Beikraut mit der Wurzel herausziehen. Deshalb kommt es immer wieder.“

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