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Sorgen für die Gesundheit städtischer Mitarbeiter: Anna Mulzer und Karin Schmid.
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Sorgen für die Gesundheit städtischer Mitarbeiter: Anna Mulzer und Karin Schmid.

Wiesbaden

"Führungskräfte sensibilisieren"

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Die Wiesbadener Stadtverwaltung hat den dritthöchsten Krankenstand in Hessen. Die städtischen Gesundheitsmanagerinnen wollen das ändern.

Nach Gießen und Wiesbaden hat die Stadtverwaltung von Darmstadt den dritthöchsten Krankenstand Hessens bei ihren Mitarbeitern. Wir fragten Anna Mulzer und Karin Schmidt vom betrieblichen Gesundheitsmanagement, wie die Stadt damit umgeht.

Ist die Stadt alarmiert wegen der vielen Fehltage der Mitarbeiter?
Mulzer: Ja natürlich, die Zahlen sind uns ja auch bekannt. Dass die Stadt das Thema ernst nimmt, zeigt sich unter anderem auch darin, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement als Stabsstelle direkt dem Oberbürgermeister untersteht.

Laut Gewerkschaft Verdi sind die städtischen Angestellten chronisch überlastet, weil es zu wenig Personal gibt.
Schmidt: Derzeit herrscht ein spürbarer Fachkräftemangel bei vielen gesuchten Berufsgruppen und freie Stellen sind nicht unmittelbar wieder zu besetzen.

Hohe Arbeitsbelastung gibt es auch in der freien Wirtschaft. Trotzdem sind dort die Krankenstände niedriger ...
Schmidt: Der öffentliche Dienst und die freie Wirtschaft sind nicht eins zu eins miteinander zu vergleichen. Der Fürsorgegedanke und die Fürsorgepflicht sind im öffentlichen Dienst sehr hoch angesiedelt.

Was sind die häufigsten Krankheiten bei den Mitarbeitern?
Mulzer: Krankheiten des Atmungssystems und des Muskel-Skelett-Systems sowie psychische Erkrankungen liegen in ihrer Häufigkeit nahe beieinander. Wobei eine Zunahme der psychischen Erkrankungen seit Jahren zu beobachten ist.

Schmidt: Gerade psychische Erkrankungen führen oftmals zu langen Fehlzeiten.

Wie kann Gesundheitsmanagement da vorbeugen?
Mulzer: Es gibt eine große Zahl an Präventionsangeboten für die Beschäftigten, die während der Dienstzeit genutzt werden können. Dazu gehören etwa Gesundheitschecks, Grippeschutzimpfung oder Hautkrebs-Screening.

Schmidt: Gefragt sind auch Sportangebote am Arbeitsplatz, Yogakurse in der Mittagspause oder auch die mobile Massage.

Seit 2016 ist der Bereich Sozialberatung und Prävention unter dem Dach des betrieblichen Gesundheitsmanagements, zu dem auch Arbeitssicherheit und betriebliches Eingliederungsmanagement gehören, zusammengefasst. Was machen Sie in der Sozialberatung?Mulzer: Zu uns können die Beschäftigten und die Führungskräfte während der Dienstzeit mit ihren dienstlichen und auch privaten Problemen kommen.

Schmidt: Wenn das erforderlich und von den Beschäftigten gewünscht ist, arbeiten wir auch mit der Personalabteilung dem Personalrat, dem Betriebsarzt sowie mit dem Arbeitsschutz zusammen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements arbeiten wir ohnehin eng vernetzt, intern und auch extern mit anderen Institutionen und Firmen zusammen.

Mit welchen Problemen kommen Mitarbeiter denn zu Ihnen?
Mulzer: Vor einiger Zeit äußerten beispielsweise einige Beschäftigte einer Abteilung mit viel Publikumsverkehr, dass der Kundenkontakt manchmal sehr belastend oder sogar angsteinflößend sei. Wir haben für die Kolleginnen und Kollegen einen Kurs organisiert, der helfen soll, die innere Haltung klar zu machen, um besser mit solchen Situationen umgehen zu können.

Kann man damit den Krankenstand senken?
Mulzer: Sicher nicht immer sofort, aber auf längere Sicht nehmen wir schon Veränderungen wahr. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist viel mehr, als Yoga in der Mittagspause anzubieten und Äpfel bei den Gesundheitstagen zu verteilen. Wir lassen derzeit durch die Arbeitspsychologen unseres Betriebsärztlichen Dienstes flächendeckend eine Beschäftigtenbefragungen zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz durchführen. Mit den Ergebnissen können und werden wir dann zielgerichtete Angebote machen, die sich dann perspektivisch auch auf den Krankenstand auswirken sollten.

Auch mangelnde Anerkennung durch Vorgesetzte wird laut Verdi häufig bei den städtischen Mitarbeitern als Belastung erlebt.
Mulzer: 2012 hat der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Professor Bernhard Badura in Wiesbaden eine Untersuchung zu den Gründen für die hohen Fehlzeiten durchgeführt. Er kam zu dem Schluss, dass das Führungsverhalten ein wichtiger Faktor für hohe Krankenstände ist. Zu diesem Thema hat Professor Badura auch bei uns im Februar 2014 einen Vortrag für unsere Führungskräfte gehalten.

Und was resultiert in Darmstadt daraus?
Schmidt: Führungskräfte haben hier wie anderswo einen großen Einfluss auf die Befindlichkeit am Arbeitsplatz. Das sah man lange Zeit im öffentlichen Dienst nicht als wichtigen Faktor an. Seit einigen Jahren gibt es verpflichtende Schulungen für alle Führungskräfte zur gesundheitsorientierten Führung, zu wertschätzenden Mitarbeitergesprächen und anderem.

Mulzer: Wir wollen Führungskräfte dafür sensibilisieren ...

Schmidt: ... dass sie sich auch selbst in den Fokus nehmen. Sich zum Beispiel fragen, was sie für ein Vorbild sind, wenn sie sich krank zur Arbeit schleppen oder den eigenen Stress an ihre Mitarbeiter weitergeben ...

Trotzdem liegt Darmstadt weit vorne bei den Krankentagen. Ist das nicht frustrierend für Sie?
Schmidt: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen große Umwälzungen bringt.

Mulzer: Nein, wir sind wirklich zuversichtlich, dass die Arbeit des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Früchte tragen wird. 

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