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Rosie auf der Suche nach Lachshäppchen.
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Rosie auf der Suche nach Lachshäppchen.

Wiesbaden

Frühlingsgefühle

  • Ute Fiedler
    VonUte Fiedler
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In der Fasanerie ist von Winterruhe kaum etwas zu spüren. Es tiriliert und fiept, die Nutria schmatzen vor sich hin und die Wildschweine suhlen sich im Dreck.

"Aufstehen“, ruft Anna Weisser und öffnet abrupt den Fensterladen von Jacks Wohnung. Es ist 10.35 Uhr und der „Alte“ schlummert noch. Und da Jack schwerhörig ist und verpassen würde, wenn Weisser Eintagsküken, Forellen und Lachs an seine verfressene Mitbewohnerin Rosie verfüttert, weckt die Tierpflegerin den 13 Jahre alten Fischotter-Senior lieber.

Sieben Tierpfleger und vier Auszubildende kümmern sich derzeit um die Tiere in der Fasanerie. Jeden Tag, bei Wind und Wetter. Sommer wie Winter. Und wer meint, während letzterem würde die Fasanerie in einen Dornröschenschlaf versinken und erst wieder zum Leben erweckt, wenn Ostern naht, der irrt gewaltig. „Wir haben keine Ferien, wir haben 365 Tage im Jahr geöffnet“, sagt Weisser, während sie Fischotter-Dame Rosie ein paar Lachshäppchen vor die Schnauze wirft.

Nur wenige der Tiere der Fasanerie halten derzeit Winterruhe. Zwar ist vom Bären-Trio Ronja, Kuno und Troxy keine Spur zu sehen und auch die Waschbären und Marder ruhen. Doch sonst tiriliert und fiept es, die Nutria schmatzen vor sich hin und die Wildschweine suhlen sich im Dreck. „Wir haben fast genauso viel Arbeit wie im Sommer. Im Winter erledigen wir dann halt aufwendigere Arbeiten, zu denen wir sonst nicht kommen“, berichtet Weisser.

Brot kann tödlich sein

Die milden Temperaturen änderten daran nichts. Weisser hat zwar beobachtet, dass die Bären zunächst etwas „verwirrt“ waren, sich dann aber doch in ihren Käfig zum Schlafen begeben haben. Oder dass einige Vögel auf einmal anfingen zu balzen, weil sie „Frühlingsgefühle“ hatten. „Zum Glück ist es kälter geworden und jetzt ist alles so wie immer.“

Nicht ganz. Jack beobachtet das journalistische Treiben in seinem Gehege mit einer gehörigen Portion Skepsis und Abstand. Immer wieder verschwindet er in einem unterirdischen Gangsystem. Rosie hingegen ist neugierig und stoppt nur kurz vor den Schuhen des Fotografen, um dann gleich wieder Reißaus zu nehmen. „Sie hat gelernt, dass sie etwas zu fressen bekommt, wenn sie mit der Schnauze einen Ball anstupst. Manchmal macht sie das dann auch mit Schuhen, in der Hoffnung, es gibt etwas Leckeres“, erklärt Weisser.

Diesmal hat Rosie Pech und hüpft von dannen, während die Tierpflegerin noch eine Runde entlang des Zaunes dreht und alles wegräumt, was nicht ins Gehege gehört. Ein Besucher hat einen Apfel neben einen Baum geworfen. „Es passiert leider immer wieder, dass sich die Besucher nicht an das Fütterungsverbot halten“, sagt Weisser.

Sie und ihre Kollegen sehen immer wieder Menschen, die mit vollen Tüten in den Park kommen und die Tiere mit Brot, Gemüse und Co. versorgen. „Dabei ist Brot gerade für Wiederkäuer oft tödlich“, erklärt Weisser. Der Pansen übersäuere, das Brot werde nicht verstoffwechselt. „Zum Glück ist bei uns noch kein Tier gestorben, weil es gefüttert wurde.“

In Bad Orb war Ende November vergangenen Jahres ein Pony verendet, nachdem es frisches Toastbrot gefressen hatte. Im August 2014 starb ein Nilpferd im Frankfurter Zoo, weil es einen Tennisball verschluckt hatte. „Das ist schlimm.“ Weisser verweist auf Luzernen-Pellets, die in der Fasanerie gekauft werden können. „Die schmecken den Tieren und können problemlos verfüttert werden.“

Etwa 200 000 bis 300 000 Besucher kommen nach Schätzungen der Fasanerie pro Jahr in den Wildpark. „Natürlich sind es im Winter weniger als im Sommer“, sagt Christian Klaproth, der sich unter anderem um das naturpädagogische Programm der Fasanerie kümmert. Er freut sich auf ein paar besondere Highlights in diesem Jahr. „Unter anderem wird zu den Osterferien eine Ausstellung zum Thema Eulen eröffnet“, sagt er. Zum anderen stehen die Fertigstellung des Fuchs- und Dachsgeheges sowie der Abschluss des ersten Bauabschnitts der Greifvogelanlage an.

In das Gehege sollen neben den bereits im Park lebenden Füchsen auch ein Dachs-Pärchen sowie einige Feldhamster einziehen. Und auch die Waschbären bekommen Zuwachs. Zu den drei Männchen werden sich bald vier Weibchen gesellen, sagt Anna Weisser.

Ob die Jack und Rosie die Schau stehlen werden? Das dürfte den beiden herzlich egal sein. Solange genug Fisch und Leckereien übrig bleiben. Und Jack in seiner Wohnung in Ruhe schlafen kann.

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