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Zum Sturm bereit – erwartungsvolle Kunden.
Zum Sturm bereit – erwartungsvolle Kunden. © Fickert

Eröffnung eines Elektronikmarktes versetzt Polizei und Rotes Kreuz in Bereitschaft

Von Bernd Schmid

Mit Speck fängt man Mäuse – sogar um 6 Uhr morgens. Wo sonst allenfalls die Kehrmaschinen übers teure Kirchgassen-Pflaster kreisen, drängten sich gestern Morgen schon die Kunden. Erst 50, dann 100 und kurz vor Öffnung der Türen sind es vielleicht 200 Neugierige und Schnäppchenjäger, die es kaum erwarten können, den neuen „Saturn“-Markt im Luisenforum samt Eröffnungsangeboten unter die Lupe zu nehmen.

Punkt 6 Uhr ist angekündigt. Nur noch wenige Minuten trennen die Menschen von Laptop, Handy und Flachbildschirm – oder auch der elektrischen Marken-Zahnbürste, die gibt es schließlich nur heute für zehn Euro das Stück. Die Menge in froher Kauf-Erwartung. Die letzten Minuten ziehen sich, leichte Unruhe macht sich breit, je näher die magische Uhrzeit rückt. „Wie im Kindergarten“, kommentiert eine Wiesbadenerin außerhalb der Menschentraube das Drücken und Schieben rund um die Security-bewehrten Eingangstüren. Sie sei das erste Mal bei einem solchen Eröffnung dabei, sagt Karin Hache: „Aus Neugier, außerdem bin ich sowieso schon früh wach.“ Etwas Konkretes suche sie eigentlich nicht – möglicherweise ein Mobiltelefon, „wenn es was Passendes gibt.“

Um 6 Uhr ist es dann soweit. Erst einzeln, nachdem sich die Masse vor der Eingangstür sortiert hat, auch in Gruppen spurten Kaufinteressenten und Neugierige zu den Rolltreppen, um ein Stockwerk höher in die Ladenräume zu fluten. Hier löst sich das Gedränge auf: gezielt steuern die Kaufentschlossenen auf das Objekt ihrer Begierde zu, während die Neugierigen sich in ruhigere Ecken verziehen. Sabine Watts muss gleich arbeiten. „Ich steige hier an der Bushaltestelle sowieso um, da hab ich das verbunden.“ Eigentlich sei sie niemand, der dauernd Elektrogeräte neu kaufe, wenn die alten kaputt seien. Aber eine neue elektrische Zahnbürste sei jetzt fällig.

Während sie sich noch Zeit lässt beim Schauen, drängen sich an den Kassen schon die Kunden. Riesige Flachbildschirme sind der Renner. Ohne Einkaufswagen schleppen manche ihre Beute von Dannen. Andere haben es auf Handlicheres abgesehen: „Wo haben sie denn die Muffin-Backformen?“, will Jennifer Kochanek von einem Verkäufer wissen. Der weiß Rat. Gesehen, gekauft. Ihr Freund hat es auf den Flachbildschirm abgesehen – eben jenen begehrten 40-Zoller. Mit den Eröffnungsangeboten lag Geschäftsführer Carl-Christian Bollmann offenbar richtig. Punkt 6 Uhr steht er im Laden, vorher gab es noch eine Ansprache. „Das geplante gemeinsame Frühstück ist dann doch ausgefallen, die Anspannung war einfach zu groß“, erzählt er um 6.30 Uhr. Zu den 50 Mitarbeitern der neuen Filiale hat er noch einmal 70 zusätzliche Arbeitskräfte aufgeboten, um dem erhofften Kundenansturm bewältigen zu können. Und Kaufwillige kommen auch in der nächsten Stunde zuhauf. Erstes Durchatmen bei Bollmann um 7 Uhr. Eine Stunde ist rum, der Geschäftsführer zufrieden: „Wir sind erleichtert und freuen uns über die vielen Kunden und den guten Umsatz.“

Nach teils chaotischen Zuständen bei der Eröffnung der ersten Filiale vor fünf Jahren hat Bollmann vorgesorgt. 70 Sicherheitskräfte kontrollieren den Zugang und den Einkauf im Innern. Rotes Kreuz, Polizei und Ordnungsbehörde sind vor Ort – für alle Fälle. Nach zwei Stunden Entwarnung. „Keine Vorfälle, alles ruhig“, sagt ein zufriedener Polizei-Einsatzleiter Ulrich Kastl. Zufrieden ist auch Karin Hache. Sie hat sich ein Mobiltelefon gekauft.

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