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"Früh die eigene Handschrift gefunden"

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Isolde Schmidt, Kunsthistorikerin, ist Referentin für Bildende Kunst im städtischen Kulturamt.
Isolde Schmidt, Kunsthistorikerin, ist Referentin für Bildende Kunst im städtischen Kulturamt. © Fickert

Ellsworth Kelly erhält Jawlensky-Preis / Künstler ehren, „die nicht so lautstark in den Medien gefeiert werden“

Die Kunsthistorikerin Isolde Schmidt über den Alexej von Jawlensky-Preis und seine Strahlkraft für die Stadt.

Frau Schmidt, übermorgen bekommt der amerikanische Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Schwarz und Weiß“ im Museum Wiesbaden den Jawlensky-Preis verliehen. Die Auszeichnung wurde ihm doch schon 2010 zugesprochen – wieso geschieht das erst jetzt?Ein Künstler wie Ellsworth Kelly hat Ausstellungsverpflichtungen, der kann nicht sofort auf der Matte stehen, wenn wir den Preis vergeben. Meistens ist auch noch mit den Leihgebern die Frage zu klären, ob eine Ausstellung hierzulande zustande kommen kann und ob sie finanziell zu bewältigen ist. Man darf ja nicht vergessen, dass die Kosten für Transporte und Versicherungen enorm hoch sind. Bei Ellsworth Kelly bot es sich außerdem an, mit dem Haus der Kunst in München zu kooperieren, wo er auch gerade eine Ausstellung hatte.

Was macht seine Werke so besonders und interessant?Er hat sehr, sehr früh seine eigene Handschrift gefunden. Er schielte nicht unbedingt nach dem großen Erfolg, sondern ist mit dieser Handschrift und einer sehr klaren künstlerischen Sprache ganz konsequent seinen Weg gegangen und auf diese Art und Weise erfolgreich geworden. Und diese Konsequenz ist bemerkenswert.

Nach welchen Kriterien wählt die Jury den Preisträger aus?In den Richtlinien heißt es, dass der Preis dazu dient, Künstlerinnen und Künstler anzuerkennen und zu fördern, die mit ihrem Werk im internationalen Dialog der Kunst stehen. Außerdem spielt der Gedanke eine Rolle, dass die Künstler zwar bedeutende Beiträge in wichtigen Ausstellungen leisten, ohne mit entsprechenden Verkaufserfolgen belohnt zu werden. Die also nicht so lautstark in den Medien und der Öffentlichkeit gefeiert werden.

Seit 1991 vergibt die Stadt gemeinsam mit dem Casino und der Nassauischen Sparkasse den Preis. Was gab denn damals den Anstoß, den Preis auszuloben?Es gab vorher schon einen Kunstpreis, der aber, soweit ich mich erinnere, erst einmal vergeben worden war. Der Jawlensky-Preis sollte einen internationalen Akzent setzen. 1991 bekam ihn die amerikanische Malerin Agnes Martin, die auch gleich internationale Aufmerksamkeit auf sich zog.

Hat der Preis also eine solche Strahlkraft, dass sich Wiesbaden dadurch zu einem Punkt auf der Karte der internationalen Kunstlandschaft entwickelt hat?Ich denke schon. Immerhin sind unsere fünf Preisträger alles international arbeitende Künstlerinnen und Künstler. Rebecca Horn, die ihn 2007 erhielt, bekam 2010 den japanischen Kunstpreis Premium Imperiale – quasi den Nobelpreis für Kunst. Die Ausstellungen der Preisträger haben natürlich auch etwas zum Ruhm des Museums Wiesbaden beigetragen. Eine ganze Reihe Besucher kamen und kommen extra wegen dieser Ausstellungen hierher.

Der Preis wird ungefähr alle fünf Jahre vergeben. Wie hoch ist er dotiert?Das Preisgeld beträgt 18000 Euro, die regelmäßig von der Nassauischen Sparkasse gestiftet werden. Hinzu kommt das Geld von der Spielbank Wiesbaden, die spart jährlich 10000 Euro an, die fällig werden, wenn der Preis vergeben wird. Außerdem gibt die Spielbank noch 7500 Euro als Zuschuss zur Preisverleihung und Ausstellung. Von der Stadt kommen nochmals knapp 74000 Euro dazu und das Museum Wiesbaden stemmt natürlich einen gewaltigen Batzen, der für diese Ausstellung ausgegeben wird.

Das Interview führte Mirjam Ulrich

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