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Freude bereiten und Werte vermitteln

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Mit ihren Geschenken überraschten die Schüler auch Weihnachtsmarktbesucher.
Mit ihren Geschenken überraschten die Schüler auch Weihnachtsmarktbesucher. © Monika Müller

Die Klasse 2d der Jahnschule verschenkt Kerzen und „Sternenbriefe“ mit guten Wünschen. Ein Beweis, dass in der (Vor-)Weihnachtszeit nicht nur Kinderaugen leuchten.

Von Peter H. Eisenhuth

Muneer Garbou war sichtlich gerührt. „Das hat noch niemand gemacht“, sagte der Pförtner des Wiesbadener Rathauses und zeigte auf die kleine Kerze. Die hatten ihm soeben Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule überreicht. Dazu gab es einen „Sternenbrief“, in dem die Kinder ihm – und vielen anderen Menschen in der Stadt – eine schöne Adventszeit wünschten.

„Das ist eine tolle Idee, vielen, vielen Dank“, sagte Garbou, derweil sich der gerade von draußen ins Foyer getretene Oberbürgermeister Sven Gerich eher als interessierter, aber stiller Beobachter im Hintergrund hielt. Umgesetzt hatte diese Idee – ein Beweis dafür, dass in der (Vor-)Weihnachtszeit nicht nur Kinderaugen leuchten – die Klasse 2d der Jahnschule. „Es wird ja oft kritisiert, in den Schulen würden zu wenige Werte und Grundwerte vermittelt“, erläuterte Klassenlehrerin Annett Sichting den Gedanken hinter dieser Aktion. „Ich finde, wenn man rausgeht zu den Menschen, ist das viel wirkungsvoller, als nur im Unterricht darüber zu reden.

Ihre Schützlinge gingen nicht nur raus, sondern auch rein. In Geschäfte, Cafés, Friseursalons. Die Reaktionen der Beschenkten: zwischen Rührung und Begeisterung. „Die Leute haben sich ganz doll gefreut“, erzählte die kleine Romy. Thea ergänzte: „In einem Geschäft haben wir sogar Bonbons bekommen, weil die Verkäufer das so toll fanden.“ Und eine Weihnachtsmarktbesucherin ließ sogar ihre Suppe kalt werden, um einen der in Sternform gebastelten und von den Kindern geschriebenen Briefe mit den guten Wünschen sowie die Kerze mitsamt kleinem Salzteigständer entgegenzunehmen und sich mit den Schülerinnen zu unterhalten.

Über mehrere Tage hinweg hatte Annett Sichting die Aktion mit ihrer Klasse vorbereitet. Quasi als Fortsetzung des im vorigen Schuljahr organisierten „ToleRanzen“-Projekts, mit dem sie den ersten Preis im „Eine Welt für alle“-Wettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen hatten. „Wir haben alle gemeinsam überlegt, was wir den Leuten wünschen können“, erzählte Sichting. Dabei sei recht schnell klargeworden, dass nicht jeder etwas mit einer „schönen Adventszeit“ anfangen könne. Knapp die Hälfte der Klasse habe einen Migrationshintergrund, und wer nicht aus christlich geprägten Ländern komme, habe zum Advent nun mal keinen Bezug. „Deshalb sagen wir ja manchmal auch ,Winterzeit‘“, ergänzte Romaissa. So oder so – Sichting betrachtet solche Aktionen als „ganz elementare menschliche Ebene für die Wertevermittlung. Und da kommt auch kein Elternteil und sagt, es sei damit nicht einverstanden“. Deshalb wolle sie auch im nächsten Schuljahr wieder ein Projekt in Angriff nehmen.

Den Schülern mag sich die höhere Ebene noch nicht erschließen. Ihr Ansatz aber geht in dieselbe Richtung: „Wir wollen anderen eine Freude machen.“ Das ist ihnen gelungen.

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