1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Fototage Wiesbaden: Bilder aus unruhigen Zeiten

Erstellt:

Von: Torsten Weigelt

Kommentare

Fotografien von Eckart Bartnik unter dem Titel „Flut im Sam“ gibt es im Stadtmuseum am Markt zu sehen.
Fotografien von Eckart Bartnik unter dem Titel „Flut im Sam“ gibt es im Stadtmuseum am Markt zu sehen. © Michael Schick

An sechs Orten in Wiesbaden stellen ab 13. August Fotografinnen und Fotografen aus aller Welt ihre Arbeiten aus. Auch das Stadtmuseum am Markt ist bei den diesjährigen Fototagen dabei.

Flut, Hitze, Armut, Flucht, Krieg – die Themen, mit denen sich die Teilnehmer:innen der 12. Wiesbadener Fototage auseinandergesetzt haben, bieten wenig Anlass zu Optimismus. Trotz der inhaltlichen Vorgabe „Unruhige Zeiten“ habe man in der Ausschreibung einen Ausblick ins Positive keineswegs ausgeschlossen, betont der Leiter des Organisationsteams, Jürgen Strasser. Doch kaum eine der insgesamt 500 Einreichungen habe utopisches Potenzial besessen. Auf die Qualität der Bilder wirkt sich das aber nicht aus. Die Arbeiten der 37 ausgewählten nationalen und internationalen Künstler:innen sind fast alle hochkarätig. Und vielfältig.

Bis zum 28. August erwartet die Besucher:innen der Fototage an den sechs Ausstellungsorten eine Mischung aus Kunst, Reportage und Dokumentarfotografie. So hängen im Kunsthaus am Schulberg Matthew Abbotts apokalyptisch-schöne Aufnahmen der Buschfeuer im australischen „Black Summer“ von 2019 neben der skurril-beängstigenden Serie „The Ameriguns“, für die Gabriele Galimberti US-amerikanische Waffennarren und -närrinnen inmitten ihrer Pistolen und Maschinengewehre abgelichtet hat. Experimentell wird es im Aktiven Museum Spiegelgasse. Dort zeigt Rafael Goldchain Porträts seiner kanadisch-polnisch-chilenisch-argentinisch-jüdischen Familie, wobei alle Personen von ihm selbst dargestellt und mittels aufwendiger Maske und Requisiten fotografisch wieder zum Leben erweckt wurden.

Das Programm

Die 12. Wiesbadener Fototage beginnen am heutigen Samstag um 19 Uhr im Kunsthaus Wiesbaden mit einer Eröffnungsfeier und der Verleihung des Preises der Jury. Finissage ist am 28. August um 16 Uhr mit der Vergabe des Publikumspreises.

Der Eintritt zu allen Ausstellungsorten und Veranstaltungen ist frei. Geöffnet ist freitags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Teilnehmende Häuser sind das Aktive Museum Spiegelgasse, das Frauenmuseum, das Kunsthaus, der Kunstverein Bellevue Saal, die Galerie Rubrecht Contemporary und das Stadtmuseum am Markt. Der Katalog, der alle Fotograf:innen vorstellt, kostet 15 Euro.

Finanziert werden die Fototage vom Kulturamt der Stadt, dem Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main und weiteren Sponsoren. twe

Im Erdgeschoss wird es augen- und ohrenbetäubend: Der Hamburger Künstler Bernhard Schittny hat aus mehr als 10 000 Einzelaufnahmen einer Zugfahrt, mit der er die Flucht seiner Mutter aus Schlesien in einem Viehwaggon nachvollzogen hatte, ein rasendes Video zusammengeschnitten und mit dem dröhnenden Eisenbahnsound der Fahrt unterlegt.

Viele der teilnehmenden Künstler:innen werden persönlich in Wiesbaden präsent sein, etwa beim „Walk & Talk“ am morgigen Sonntag. Ein Vorteil der Fototage sind ihre kurzen Wege: Die sechs Ausstellungsorte liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Wer möchte, kann das Kunsterlebnis mit einem Spaziergang durch die Wiesbadener Innenstadt verbinden.

Jürgen Strasser, der das Fotofestival erstmals verantwortet, freut sich besonders über die breite internationale Resonanz. Es seien Einreichungen aus insgesamt 30 Ländern eingegangen, darunter von namhaften und preisgekrönten Fotograf:innen wie Natalia Kepesz und Andreas Rost, deren Arbeiten in der Galerie Rubrecht zu sehen sind. Für das Wiesbadener Lokalkolorit sorgt Eckhart Bartnik, dessen dokumentarische Ahrtal-Serie im Stadtmuseum am Marktplatz hängt, das sich erstmals an den Wiesbadener Fototagen beteiligt.

Bedauerlich findet es Strasser, dass der Termin des Festivals in die Sommerferien fällt. „Wir hätten gerne die Schulen eingebunden.“ Eine Verlegung sei aber nicht möglich gewesen. Als Ersatz hat Michaela Höllriegel mit acht jungen Nachwuchsfotograf:innen aus Wiesbaden eine Sonderschau erarbeitet, die im Rathausfoyer zu sehen ist.

Auch interessant

Kommentare