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Die Schönheit der Fehler im Filmmaterial – Restaurator Silvester Stöger präsentiert seine Arbeiten im Deutschen Filmhaus.
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Die Schönheit der Fehler im Filmmaterial – Restaurator Silvester Stöger präsentiert seine Arbeiten im Deutschen Filmhaus.

Wiesbaden

Filmriss als Kunst

Die Ausstellung „Filmische Landschaften“ der Murnau-Stiftung zeigt Fehler im Filmmaterial. Entdeckt und abfotografiert hat Silvester Stöger die Motive bei seiner Arbeit als Filmrestaurator.

Von Marion Ziegler

Wenn versehentlich Licht auf das empfindliche Filmmaterial strahlt, wenn der Streifen reißt oder sich zersetzt, dann entsteht für Silvester Stöger Kunst. Auf seinen Werken mäandern dunkelgraue Schlieren auf hellem Grund, leuchtende Magentaflächen schichten sich aufeinander und ein weißer Blitz trennt die pechschwarze Leinwand.

Entdeckt und abfotografiert hat Stöger die Motive bei seiner Arbeit als Filmrestaurator bei der Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung – im Ausschussmaterial am Anfang und Ende alter Filmrollen. Das Deutsche Filmhaus stellt zehn seiner Werke bis zum 15. März aus. Gestern öffnete die Ausstellung unter dem Namen „Filmische Landschaften“.

Als Filmrestaurator arbeitet Stöger Archivfilme der Murnau-Stiftung auf, die sich um den Erhalt des deutschen Filmerbes kümmert. Er reinigt und digitalisiert die Bänder, die oft unter Abnutzung leiden. Im Kino wurden die Filmstreifen wieder und wieder in die Projektoren eingefädelt, beim Transport schrammte das Material an die Hülle. Damit der Film selbst unbeschadet bleibt, wurde vorne und hinten überschüssiges, inhaltlich unbedeutendes Material angeklebt. Wenn es Risse bekommt und sich Löcher beim Kopieren übertragen, dann sind das für Stöger als Restaurator Mängel. Aber für Stöger als Künstler erzählen sie eine eigene Geschichte.

Mechanisches Medium Film

„Die wichtigste Aufgabe des Archivs ist momentan die Digitalisierung“, sagt Sebastian Schnurr von der Murnau-Stiftung. Das mechanische Medium Film soll digital erhalten werden. Dank eines zusätzlichen Etats konnte sich die Stiftung im vergangenen Jahr einen zweiten Restaurator leisten, wie der Vorstand Ernst Szebedits erklärt.

Schönheit der Fehler

Für ein halbes Jahr kam deswegen Stöger, Absolvent der Universität der angewandten Kunst in Wien, nach Wiesbaden. „Ich wusste nicht, dass wir uns einen Künstler ins Haus holen“, scherzt Szebedit. Erst bei der Arbeit an den Filmen entdeckte Stöger die schöne Seite der Materialfehler. „Für mich ist es eine zweite Dimension der Narration“, sagt er.

Motive aus fünf Filmen der 1920er bis 1960er Jahre fotografierte er ab. So zeigt ein weißer Kreis auf grauem verschwommenen Grund ein Loch im Material des deutschen Schwarz-Weiß-Films „Gold“ aus dem Jahr 1934. Schwarze dicke Schlieren, die sich über die ganze Länge eines anderen Motivs ziehen, lassen vermuten, wie vor Jahrzehnten jemand grob mit der Filmrolle der deutschen Komödie „Lachende Erben“ aus dem Jahr 1933 hantierte.

Die feingezackte weiße Linie, die einen schwarzen Hintergrund von oben nach unten trennt, ist schlichtweg ein Filmriss. In der Ausstellung stehe nicht der Film, sondern das Material selbst im Zentrum, erklärt Stöger. Seine Fotografien sind Fundstücke aus dem Archiv. Sie sollen in der Zeit des digitalen Kinos an die physische Materialität des historischen Films erinnern.

Die Ausstellung „Filmische Landschaften“ öffnet zu den Vorstellungen des Murnau-Filmtheaters, Murnaustraße 6, Mittwoch bis Sonntag bis einschließlich 15. März. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen im Internet unter www.murnau-stiftung.de/aktuelles-
ausstellung-filmische-landschaften.

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