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Wie Film funktioniert

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Von: Arne Löffel

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Die Schulkinowochen vermitteln Technik und Inhalte. Besonders gehaltvoll ist das Programm im Caligari, wo die Vorführungen auch mit Filmgesprächen garniert werden. Anmeldungen werden noch bis 20. Februar entgegen genommen.

Früher war Kino in den Augen vieler Eltern Schund – oder im Vergleich zum Theater zumindest Populärkultur. Das hat sich grundlegend geändert. Mittlerweile ist Kino nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, sondern auch in den Schulen angekommen. Aber auch hier erfährt das Kino eine Wandlung: Wurden früher Filme von leiernden VHS Video-Kassetten oder mit knatternden Projektoren abgespielt, steht heute bisweilen auch der Besuch von Kinos auf dem Lehrplan.

Das passende Angebot hierzu liefern die alljährlichen Schulkinowochen, die in diesem Jahr zum neunten Mal über die Leinwand flimmern. Vom 9. bis 20. März sind in 76 hessischen Kinos 90 unterschiedliche Filme zu sehen. Weil die Filmverleiher mit den Organisatoren, dem Deutschen Filminstitut und „Vision Kino“, einer gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, zusammenarbeiten, können die teilnehmenden Kinos zum kleinen Preis arbeiten: Nur 3,50 Euro kostet der Eintritt bei den Schulkinowochen, was in den vergangenen Jahren bereits 1200 Klassen genutzt haben. „Für dieses Jahr haben sich bereits 300 Klassen angesagt, aber die Anmeldefrist für Schulen, Klassen und Lehrer läuft ja noch bis zum 20. Februar“, sagt Projektleiterin Sabina Ihrig.

„Panzerkreuzer Potemkin“ eröffnet

Die Leiterin des Deutschen Filminstituts, Claudia Dillmann, streicht bei der Pressekonferenz eine entscheidende Neuerung heraus. „Erstmals liegt der Schwerpunkt nicht primär auf den Inhalten. Wir widmen den diesjährigen Fokus der Technik, genauer gesagt Schnitt und Montage“, sagt Dillmann. Dementsprechend sei auch der Filmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“, ein Stummfilm des Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925.

Richtungsweisend für das gesamte Medium ist die eindrucksvolle Treppenszene in Odessa, in der Eisenstein den Zuschauer durch geschickte Schnitte mitreißen und für die durchaus kommunistisch geprägte Vorstellung der mächtigen Menschenmasse begeistern will. Solche Mechanismen zu verstehen, stärkt die Medienkompetenz. „Zu ausgewählten Vorstellungen sind auch Cutterinnen und Cutter eingeladen, um den Kindern und Jugendlichen die dahinter stehenden Mechanismen genau zu erklären“, sagt Dillmann.

Aber nicht nur das historische Kino dient als Anschauungsbeispiel für Manipulation des Zuschauers durch Technik: „Weitere Beispiele im Programm sind ,Lola rennt‘ mit Franka Potente oder auch der Oscar-prämierte ,Twelve Years A Slave‘ aus dem vergangenen Jahr“, so Dillmann. Das von Bund und Land mit insgesamt 100 000 Euro finanzierte medienpädagogische Projekt wird auch in Wiesbaden aufgegriffen. An den Schulkinowochen beteiligen sich das Caligari, das Bambi und das Apollo.

Drei Kinos in Wiesbaden sind dabei

Besonders gehaltvoll ist das Programm im Caligari, wo die Vorführungen auch mit Filmgesprächen garniert werden. Zu sehen sind „Ernest & Celeste“ am 11. März, 9 Uhr. Der für Kinder von sechs Jahren an geeignete Animationsfilm erzählt eine Geschichte über Toleranz, Freundschaft und Zusammenhalt. Am selben Tag ist hier von 11.30 Uhr an „Ida“ zu sehen. Das polnische Roadmovie wird in Kooperation mit dem Filmfestival GoEast gezeigt und präsentiert den diesjährigen Siegerfilm. Der Film hat es in den Oscar-Wettbewerb geschafft und ist für Jugendliche von 16 Jahren an geeignet.

Die Leiterin des Dorado-Kinos in Frankfurt, Christina Weide, spricht stellvertretend für alle teilnehmenden Kinos, wenn sie sagt, dass die Kinos sich gern an den Schulkinowochen beteiligen. „Viele der Kinder kommen zum allerersten Mal mit dem Kino in Berührung. Das sind die Zuschauer von morgen“, sagt Weide.

Auch für Manuel Lösel, Staatssekretär im Kultusministerium, sind die Schulkinowochen eine Erfolgsgeschichte, die einen wichtigen Gegenpol zu den sich derzeit etablierenden Medien-Konsumgewohnheiten bildet: „Kino fördert die Konzentration. Es zwingt die Zuschauer, sich ganz auf einen Film einzulassen. Da kann man nicht wegklicken, wenn es vermeintlich mal langweilig wird. Und die Pause-Taste wie am Smartphone gibt es auch nicht“, sagt Lösel. Damit wäre Kino mittlerweile Hochkultur mit dem pädagogischen Stellenwert, den früher mal das Theater hatte.

Mehr Infos und Anmeldung: www.schulkinowochen-hessen.de.

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