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Feuer und Flamme

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Von: Ute Fiedler

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Auch ein Programmpunkt: die schmucke Marktkirche.
Auch ein Programmpunkt: die schmucke Marktkirche. © Martin Weis

Am 22. März zeigen die sieben Gästeführer die Schönheiten der hessischen Landeshauptstadt.

Am 22. März zeigen die sieben Gästeführer die Schönheiten der hessischen Landeshauptstadt.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war es in Wiesbaden gang und gäbe, die Aufträge für große Bauten per Ausschreibung zu vergeben. Und schon damals lief nicht immer alles glatt, wenn man zum Beispiel den Bau des Kurhauses näher betrachtet. Weil keiner, der an der Ausschreibung sich beteiligenden Architekten gefiel, entschied man, Friedrich von Thiersch, den Haus- und Hofarchitekten von Kaiser Wilhelm II., mit dem Neubau des Kurhauses zu beauftragen. Und Thiersch ließ sich nicht lange bitten und baute, was das Zeug hielt – ohne auf die Kosten zu achten.

Unterhält man sich mit den Menschen, die sich mit Wiesbadens Geschichte so auskennen, als hätten sie damals selbst gelebt, hört man eine Menge dieser Anekdoten. Erzählungen, die sich in keinem Geschichtsbuch finden lassen und die Geschichte so lebendig machen.

Kurt Rossig, Christiane Mannheim und Birgit Rittershofer sind drei von etwa 60 Gästeführern in Wiesbaden, die sich im Gästeführerverband Wiesbaden engagieren. Sie laden in diesem Jahr im Zuge des Weltgästeführertags zu einem besonderen Rundgang ein. Und an einem besonderen Datum, denn eigentlich war der bundesweite Weltgästeführertag bereits für den 21. Februar terminiert. „Doch das war uns zu früh. Wir haben uns für den 22. März entschieden und hoffen, dass da dann das Wetter besser ist“, sagt Mannheim.

Das hoffen nicht nur die drei, sondern auch noch fünf weitere Gästeführer, die an diesem Tag die Baumeister des Historismus in Wiesbaden wieder lebendig werden lassen wollen. Sie ziehen gemeinsam mit ihren Besuchern von 11 Uhr an durch Wiesbaden und machen vor Bauwerken berühmter Architekten Halt. Sechs Baumeister haben sie ausgewählt. „Welche wir den Gästen näherbringen wollten, darüber waren wir uns relativ schnell einig. An einem Christian Zais oder Felix Genzmer kommt man natürlich nicht vorbei“, sagt Rittershofer. Doch nicht nur an der Marktsäule von Felix Genzmer und vor dem Erbprinzenpalais von Christian Zais wird Station gemacht. Die Tour führt auch zur Villa Clementine von Georg Friedrich Fürstchen, zum Kurhaus von Friedrich von Thiersch, zur Marktkirche von Karl Boos und zur Wilhelms-Heilanstalt von Philipp Hoffmann. „Doch uns geht es nicht nur um die grandiosen Bauwerke, sondern vor allem um das Leben der Baumeister und deren große Begeisterung für ihr Tun“, erklärt Rossig.

Wie viel Feuer die Baumeister in sich trugen, zeigt sich daran, wie beispielsweise Philipp Hoffmann von seinen Reisen schwärmte, sagt Rossig. Um sich auf den Bau der Griechischen Kapelle auf dem Neroberg vorbereiten zu können, reiste der Architekt nach Moskau, eine Stadt, die ihn begeisterte. In einem Brief schreibt er an einen Kollegen: „... man sieht über diesen Kirchen tausende von goldnen und silbernen Kuppeln mit goldnen Kreuzen sich erheben, welche im Sonnenschein wie ein Meer von goldnen Sternen erglänzen, und sie werden eine Vorstellung von dem Anblick dieser wunderbaren Stadt erhalten, in welcher man sich mehr in Asien als in den Norden von Russland sich gesetzt glaubt.“

Das Motto des diesjährigen Weltgästeführertags ist „Feuer und Flamme“. Natürlich hätten die Wiesbadener auch die zahlreichen Brände in der Landeshauptstadt thematisieren können. „Wir wollten einen anderen Ansatz und haben den Historismus gewählt.“ Schließlich habe sich Wiesbaden mit diesem Thema auch als Weltkulturerbe empfohlen. „Natürlich wollen wir die Bewerbung auch unterstützen.“

Sieben Gästeführer werden am 22. März den Gästen die Besonderheiten Wiesbadens zeigen und sie für die Schönheiten der Stadt begeistern, auch wenn diese nicht auf den ersten Blick zu entdecken sind.

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