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Ein Fest für Schnäppchenjäger

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Ronald und Liudmila Fischer mit ihren „Schätzchen“ im Geschäft am Biebricher Schlosspark.
Ronald und Liudmila Fischer mit ihren „Schätzchen“ im Geschäft am Biebricher Schlosspark. © Stephan Morgenstern

In der Biebricher Schatztruhe liegen Kostbarkeiten von BHs bis zum Teegeschirr. Menschen, die sich von Überflüssigem befreien wollen, können es hier auf Provisionsbasis verkaufen. Das Geschäft brummt.

Von Elisabeth Böker

In der Biebricher Schatztruhe liegen Kostbarkeiten von BHs bis zum Teegeschirr. Menschen, die sich von Überflüssigem befreien wollen, können es hier auf Provisionsbasis verkaufen. Das Geschäft brummt.

Weihnachten ist vorbei. Der Geschenke-Segen auch. Und schon wieder lag unter dem Tannenbaum von Oma ein neuer Diddl-Block, dabei ist man doch schon über zwanzig. Ein aufgesetztes Dankeschön an die Oma folgt und schon landet das Geschenk mit der Cartoon-Maus in der Flohmarktkiste. Geschichten wie diese über unerfreuliche Weihnachtsgeschenke hört man von jedem Bekannten. Doch was dem einen missfällt, ist des anderen Herzstück. Genau das wissen Liudmila und Ronald Fischer zu berichten. Sie führen in Wiesbaden-Biebrich das Geschäft Schatztruhe. Flohmarkt in einem Laden - so lässt sich die Geschäftsidee wohl auf den Punkt bringen.

„Sie werden lachen. Die BHs gehen weg wie warme Semmeln“, entgegnet Ronald Fischer auf die Frage, ob ausgerechnet Büstenhalter hier nicht fehl am Platz sind. Seine Erklärung: Die BHs seien meist so gut wie neu und günstig obendrein. Vermutlich deswegen hat er gerade nur drei Stück im Laden. In gelb und blau, mit Spitze, das Stück sechs Euro. Sie liegen neben dem japanischen Teegeschirr für 45 Euro und einem alten Fotoapparat für vier Euro im Regal. Markenjeans, neuwertiger Schmuck, Kinderbücher oder eine Erzgebirgs-Pyramide finden sich derzeit ebenfalls in der Schatztruhe.

Preis vom Verkäufer bestimmt

Dieses Geschäft ist ein Paradies nicht nur für Schnäppchenjäger, sondern auch für Verkäufer von überflüssigem Krempel. Die Idee ist simpel: Man bringt seine aussortierten Artikel mit, kennzeichnet sie mit einem selbst gewählten Preis und stellt die Artikel in ein Regal ein. Das hat man zum festen Wochenpreis von zwölf Euro gemietet. Zehn Prozent Provision gehen beim Verkauf von Artikeln an die Schatztruhe, der Rest gehört dem Verkäufer selbst.

Liudmila Fischer ist gebürtige Russin. Vor drei Jahren hat sie ihren Mann geheiratet und kam nach Deutschland. Ronald ging gerne auf Flohmärkte. Diese waren für seine Frau etwas Neues. Eines Tages fragte sie, warum sie selber nicht Sachen verkaufen würden. Ronald ging in den Keller, baute einen Tapeziertisch auf und legte alle Dinge darauf, von denen er sich trennen konnte. Der Tisch war voll.

Viermal haben sie auf Flohmärkten verkauft. Mitten in der Nacht sind sie dafür aufgestanden, erinnern sie sich. Kaum hatten sie den Kofferraum aufgemacht, waren die Leute schon fast bis über beide Ohren darin verschwunden. „Das war uns zu viel.“ Dann entdeckten sie ein Geschäft, das auf derselben Idee fußt wie das ihre. Sie stellten dort Ware ein und am Ende reichte es für einen Kaffee und ein Eis.

Im Herbst 2011 eröffneten sie dann den eigenen Laden. Liudmila führt ihn zum großen Teil alleine. Doch viele Regale blieben leer, zu versteckt lag das Geschäft. Auf Vermittlung eines Kunden zogen sie im Oktober 2012 in die Rathausstraße um. Seitdem läuft der Laden: Alle 50 Regale sind belegt. 10000 Euro Umsatz machten Fischers innerhalb der letzten zwei Monate.

Ersatzteile fürs Fahrrad

Gerade befüllt Hamid Elhachmi sein Regal: Fahrradersatzteile bietet er an: Vom Sturzhelm bis zum Schloss reicht das Angebot - alles neuwertige Restposten: „In einem anderen Geschäft habe ich es bereits probiert. Es hat funktioniert“, sagt der Offenbacher.

Manchmal müssen sich Liudmila und Ronald selbst von ihren Verkäufern erklären lassen, was in die Regale gestellt wurde, so ausgefallen sind manche Objekte. Fast alles lässt sich in der Schatztruhe finden. Nur beim Wunsch nach einem Deckel für ein Grablicht mussten sie heute passen. Doch sie sind sich sicher, irgendwann wird auch dies in einem der Regale liegen.

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