1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Ein Fest für Familien

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

350 Besucher kommen zur Mai-Kundgebung an den Schlachthof - und finden trotz Finanzkrise genug Gründe zum Feiern.

Wäre der liebe Gott Gewerkschafter, er hätte wohl für besseres Wetter gesorgt. Doch so mussten die rund 350 Besucher der 1.-Mai-Kundgebung auf dem Schlachthofgelände unter ihren roten Regenschirmen Schutz suchen. Der Stimmung auf dem Familienfest im Anschluss an die Reden tat dies jedoch keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Wurstbuden und Getränkestände erfreuten sich großer Beliebtheit, Kinder kamen unter anderem auf einer Rollbahn auf ihre Kosten. "Das ist hier immerhin noch ein Feiertag", meint ein Besucher. "Auch wenn die politische und wirtschaftliche Lage sicherlich keinen Anlass zum Lachen gibt."

Gemeint ist in erster Linie die Finanzkrise - Hauptthema sämtlicher Reden während der Kundgebung. Als Redner traten unter anderem Bärbel Feltrini aus dem Bundesvorstand der IG Bauen-Agrar-Umwelt und Alfred Matejka, Betriebsratschef von Federal Mogul, auf.

Premiere im Schlachthof

Großer Beliebtheit erfreuen sich während des Familienfestes vor allem die Informationsstände von Gewerkschaften, Parteien und Nicht-Regierungsorganisationen wie Amnesty International oder Attac. "Das ist das Schöne", findet eine junge Frau, die sich bereits mit zahlreichen Broschüren eingedeckt hat, "man kann sich in Sachen Bürgerbewegung wirklich auf den neuesten Stand bringen".

Die traditionelle Mai-Kundgebung feiert in diesem Jahr ihren 120. Geburtstag - und in Wiesbaden zudem eine Premiere. Denn die Kundgebung und das anschließende Volksfest finden zum ersten Mal auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes statt - und nicht, wie in den Vorjahren, am Rathaus. "Der neue Platz ist ideal, sind die alten Fabrikhallen doch unter anderem ein Symbol für die Arbeiterbewegung", so DGB-Sekretär Harris Ziebarth aus Wiesbaden. "Außerdem haben wir hier die Parkanlage - ideal für ein Familienfest."

Das finden auch die Besucher - im Vergleich zu den Vorjahren sind es sogar wieder mehr geworden. "Angesichts der Finanzkrise ist das politische Bewusstsein der Leute gestärkt", meint Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). "Da kommen die Leute sogar, wenn das Wetter schlecht ist."

Doch es gibt auch kritische Stimmen: "Ich bin selbst aus der linken Bewegung", sagt Besucherin Sigrid Schellhaus. "Unsere Probleme haben sich jedoch inzwischen verändert. Da helfen uns die alten revolutionären Forderungen und Sprüche nicht weiter." Auch Peter Franz fehlt der Schwung der vergangenen Jahre: "Klar, Kundgebung und Familienfest sind schon schön - aber uns fehlt heutzutage insgesamt ein vernünftiges Konzept." (babe )

Auch interessant

Kommentare