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Fernwärme aus Mainz

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Von: Arne Löffel

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So könnte das neu gebaute Blockheizkraftwerk aussehen, meinen die Grafiker der KMW.
So könnte das neu gebaute Blockheizkraftwerk aussehen, meinen die Grafiker der KMW. © KMW

KMW planen neues Blockheizkraftwerk / Eswe diskutiert über Anschluss in Wiesbaden.

Das Schönste an Wiesbaden, so behaupten böse Zungen, ist die Aussicht auf Mainz. Dieser Anblick könnte schon bald um einen Fabrikschlot bereichert werden: Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) haben während eines Infoabends in Mombach Bürgerinnen und Bürgern die Ideen des Unternehmens zum Bau eines großen Blockheizkraftwerks in Kombination mit einem Fernwärmespeicher auf dem KMW-Gelände erläutert.

Auf der Ingelheimer Aue soll laut KMW ein modular aufgebautes und mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk entstehen, das „mittelfristig bei der Sicherung und dem Ausbau der Fernwärmeversorgung in der Region einen wichtigen Beitrag leisten“ könne. Hintergrund der Überlegungen ist laut KMW die Situation auf dem deutschen Energiemarkt, von dem auch das bestehende Gaskraftwerk der KMW seit einiger Zeit betroffen sei: „Durch den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Verfall der Strompreise an der Börse sowie der gesunkenen Preise für CO2-Zertifikate sind die Einsatzzeiten der deutschen Gaskraftwerke bereits deutlich gesunken und sie werden weiter sinken“, prognostizieren die Vorstände der KMW, Lars Eigenmann und Stephan Krome.

Die Kosten für den Neubau auf der Ingelheimer Aue sollen bei rund 90 bis 100 Millionen Euro liegen. Die Bauherren gehen davon aus, dass der 110 Meter lange und 34 Meter breite Neubau die Aussicht von der anderen Rheinseite aus nicht zu sehr belaste. Der Schornstein soll 80 Meter hoch werden.

Zu der Anlage, die mit bis zu zehn Motoren aus Gas Wärme und Strom machen soll, gehört auch ein Fernwärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 4000 Kubikmetern Wasser. Michael Theurer, KMW-Pressesprecher, geht auf Anfrage aber nicht davon aus, dass gleich alle zehn Motoren installiert werden. „Wir planen erst mal mit vier oder fünf Motoren, was die Kosten auch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag reduzieren würde“, so Theurer. Im Jahr 2018 könne das neue Blockheizkraftwerk ans Netz gehen, dann erst mal mit halber Kraft von 40 bis 50 Megawatt.

Debatte über Verbindung der Fernwärmenetze

Ob die Anlage überhaupt bis zum Endausbau mit allen zehn Motoren ins Laufen kommt, hängt laut Theurer unter anderem auch von den weiteren Planungen des stadteigenen Wiesbadener Energieversorgers Eswe ab. Die zehn Motoren würden zum Beispiel dann nötig werden, wenn sich der Wiesbadener Energieversorger dazu entschließen würde, das Blockheizkraftwerk mit dem Wiesbadener Fernwärmenetz zu verbinden. Frank Rolle, der Pressesprecher von Eswe Versorgung, teilt auf Anfrage mit, dass diese Pläne tatsächlich am 17. November Thema in einer Aufsichtsratssitzung von Eswe Versorgung sei.

„Sie sehen also, das ist nicht Science Fiction oder völlig absurd“, sagt Rolle. Die Pläne seien zumindest so konkret, dass sie dem Aufsichtsrat präsentiert würden. „Wir sind alle sehr gespannt, wie die Sitzung des Aufsichtsrats ausgeht“, so Rolle.

Eine mögliche Variante, das Wiesbadener Fernwärmenetz mit dem Mainzer Fernwärmenetz zu koppeln, ist laut Rolle ein sogenannter „Düker“, eine massive Rohrverbindung, die über oder – wahrscheinlicher – unter dem Rhein die Netze der Landeshauptstädte verbindet.

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