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Fenster stürzt auf Angestellte

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Von: Ute Fiedler

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Bedenkenlos die Fenster öffnen? Das geht im Justizzentrum seit Montag nicht mehr.
Bedenkenlos die Fenster öffnen? Das geht im Justizzentrum seit Montag nicht mehr. © Martin Weis

Die Polizei ermittelt im Justizzentrum Wiesbaden. Der Grund: Pfusch am Bau hätte einer Angestellten fast das Leben kosten können. Die Angestellten des Justizzentrums dürfen jetzt - wie zuletzt im Sommer - nicht mehr selbst die Fenster öffnen.

Die Polizei ermittelt im Justizzentrum Wiesbaden. Der Grund: Pfusch am Bau hätte einer Angestellten fast das Leben kosten können. Die Angestellten des Justizzentrums dürfen jetzt - wie zuletzt im Sommer - nicht mehr selbst die Fenster öffnen.

Eigentlich hatte HSG Zander, die Betreibergesellschaft des Justizzentrums, Entwarnung gegeben. Die Fenster könnten wieder bedenkenlos geöffnet werden, hieß es vor wenigen Monaten, nachdem alle mehr als 2000 Fenster überprüft und 255 repariert worden waren. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte. Denn am Montag stürzte gegen 6.15 Uhr ein etwa 150 Kilogramm schweres Fenster aus der Verankerung und verletzte eine Mitarbeiterin des Sozialgerichts.

Laut Sandra Bolten, Pressesprecherin des Sozialgerichts, hat die Mitarbeiterin wahnsinniges Glück gehabt. „Sie ist eine große, sportliche Frau, die das Fenster noch kurz halten und sich zur Seite wenden konnte, sodass es sie nur an Schulter und Fuß getroffen hat.“ Es hätte noch viel schlimmer enden können, ist sich Bolten sicher. Nach dem Vorfall sei die Atmosphäre im Sozialgericht angespannt. Viele seien geschockt und auch verärgert, weil „einer dem anderen das Problem zuschiebt“.

Staatsanwaltschaft Anzeige angekündigt

Derzeit dürfen im gesamten Justizzentrum, in dem neben dem Sozialgericht auch Arbeits-, Verwaltungs-, Land- und Amtsgericht sowie die Staatsanwaltschaft untergebracht sind, die Fenster nicht von den Angestellten geöffnet werden. Nur Mitarbeiter von HSG Zander dürfen für frische Luft sorgen. Nach Angaben von Sascha Bamberger, Pressesprecher der Bilfinger Berger AG, zu der HSG Zander gehört, sind Mitarbeiter vor Ort und öffnen auf Zuruf die Fenster. Dass diese sich ebenfalls Gefahren aussetzten, sieht Bamberger nicht so. Schließlich würden sie, falls erneut etwas passieren sollte, nicht überrascht.

Der Unternehmenssprecher spricht von einer „sehr bedauerlichen Entwicklung“. Derzeit seien interne und externe Fachleute dabei, die Ursache für den Unfall zu ermitteln. Warum das Fenster, das erst vor kurzem repariert worden war, aus der Verankerung stürzte, müsse schnellstens geklärt werden, „damit wir schauen können, wie wir weiter vorgehen müssen“.

Doch so schnell, wie sie es sich wünschen, bekommen die Verantwortlichen die Kuh diesmal nicht vom Eis. Derzeit ermittelt die Wiesbadener Polizei wegen des Vorfalls. Und auch bei der Staatsanwaltschaft sei eine Anzeige zwar avisiert, jedoch noch nicht eingegangen, sagt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Hartmut Ferse der Frankfurter Rundschau.

Chinesisches Unternehmen erhielt Zuschlag

Während die Ermittlungen laufen, wird auch Kritik an der Auftragsvergabe laut. Das Justizzentrum wurde als Public-private-Partnership-Projekt (PPP) von einem Generalunternehmer gebaut. Den Zuschlag für die Fenster erhielt damals ein chinesisches Unternehmen, weil es, so sagt Siegfried Huhle, Obermeister des Handwerks, etwa um eine Million Euro billiger war als ein Anbieter aus Mainz.

Huhle hat den Bau beobachtet. Schon damals habe es Probleme gegeben: Die Fenster seien erst spät geliefert worden, dann hätten Folien eingebaut werden müssen. „Das war von Anfang an ein schwieriges Geschäft.“ Jetzt habe man das Problem, dass man die Fenster „nicht mal eben nach China einschicken kann“. Und außerdem: „Streiten Sie sich mal mit einer ausländischen Firma um Schadensersatz.“

Ausschließen, dass ein solcher Vorfall auch einem hiesigen Anbieter hätte passieren können, kann Huhle nicht. Aber man hätte eine größere Sicherheit gehabt, sagt er. Und wünscht sich, dass man einen solchen Fehler nicht noch einmal macht. Im Blick hat er die Rhein-Main-Hallen, die bis 2018 fertig gebaut sein sollen.

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