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Fax zum Feierabend

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Acht Schleckerfilialen werden in Wiesbaden geschlossen

Gerade wollte sie Feierabend machen, die Tür der Schlecker-Filiale zuschließen und nach Hause gehen. Da erreichte sie das Fax aus der Zentrale: Ab morgen Ausverkauf, diese Filiale wird geschlossen. Die 42-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht haben möchte, rief die beiden anderen Mitarbeiterinnen an. Und dann lachte sie. „Etwas anderes kann ich derzeit nicht tun. Das ist alles so absurd.“

Seit Mittwoch läuft nun der Ausverkauf in mehr als 2000 Schlecker-Filialen. Auch acht Märkte (von einem guten Dutzend) in Wiesbaden werden am 24. März geschlossen: der in der Bleichstraße, der City-Passage, der Gneisenaustraße, der Schiersteiner Straße und der Luisenstraße. Geschlossen wird zudem eine Filiale in Kastel und beide Schlecker-Märkte in Kostheim. Seit Mittwoch prangen orangefarbene Schilder an den Schaufensterscheiben, die auf 30 Prozent Rabatt hinweisen und den Märkten so viele Kunden wie vielleicht zu Anfangszeiten bescheren. Männer und Frauen tragen Einkaufskörbe voller Shampoo, Duschzeug und Tiernahrung aus den Läden. „Wir haben jetzt etwa zehnmal so viele Kunden wie vorher“, sagt die 42-Jährige.

Mitarbeiter sind wütend

Wut schwingt in ihrer Stimme mit und auch ein bisschen Erleichterung. „Ich bin froh, dass der Laden schließt. Die haben uns doch nur ausgebeutet. Wir mussten putzen, Waren einräumen, kassieren, und das alles für wenig Lohn.“ Und dann die Mitteilung per Fax, dass nun alles vorbei ist. „Das passt ins Gesamtbild. Die hielten es noch nicht einmal für nötig, uns persönlich zu informieren.“

Doch ganz so unberührt lässt sie die Schließung dann doch nicht. „Meine Kolleginnen werde ich vermissen. Wir waren wie eine kleine Familie. Aber die Freundschaft wird bleiben.“ So wird sie am 24. März die Filiale mit einem weinenden Auge verlassen. Und das andere wird vor Freude blitzen. Denn die 42-Jährige hat bereits einen neuen Job. „Ich wollte nicht warten, bis Schlecker mir kündigt.“

Bereits vor der Veröffentlichung der Liste mit den Filialen, die geschlossen werden sollen, hatte sich die Rathausfraktion Linken&Piraten Wiesbaden mit den Mitarbeitern solidarisch gezeigt. „Wäre die Drogeriekette eine Bank, hätte sie die Regierung schon längst gerettet“, heißt es in einer Pressenotiz der Fraktion. (uf.)

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