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Hoffnungsträger der CDU: Eberhard Seidensticker ist nominiert.

Wiesbaden

Seidensticker soll OB werden

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CDU nominiert Dachdeckermeister Eberhard Seidensticker als ihren Kandidaten. Parteichef Oliver Franz mahnt zu Geschlossenheit.

Er habe den Dachdeckerberuf gewählt, weil er gerne an der frischen Luft sei und auch nach 30 Jahren noch sehen könne, was er geleistet habe, sagte Eberhard Seidensticker in seiner Vorstellungsrede auf dem CDU-Parteitag. Auf dem 52-Jährigen aus Schierstein ruhen nun die Hoffnungen der Partei. Er soll den Christdemokraten aus ihrem innerparteilichen Schlamassel heraushelfen und sie zum Erfolg führen. „Bodenständig“, „zupackend“, sei er und habe „ein christliches Wertegerüst“, lobten ihn Parteifreunde. 

Im Mai 2019 wird der Dachdeckermeister vielleicht auch Oberbürgermeister. Die Christdemokraten nominierten ihn mit 85 Prozent der Stimmen zu ihrem Kandidaten, der gegen den amtierenden Sven Gerich (SPD) antreten soll. Seidensticker hatte keinen Mitbewerber. Andreas Guntrum, der im Sommer als Anwärter angetreten war, brachte sich an dem Abend nicht erneut ins Gespräch. 

Die CDU gibt sich alle Mühe, im Wahlkampf Geschlossenheit zu demonstrieren. „Nur wenn wir auf Störungen verzichten, hat der Kandidat eine Chance“, stimmte Parteichef Oliver Franz die Mitglieder auf Disziplin ein. Dabei kriselt es gehörig in der Partei, was aber nur am Rande erwähnt wird. Franz nahm kurz Stellung zu den Konflikten mit Seidensticker und Guntrum im Vorfeld der Nominierung. Die „Missverständnisse“ mit Seidensticker seien ausgeräumt, Guntrum sei nicht zu Gesprächen bereit gewesen. Die beiden Anwärter hatten den Parteichef zum Rücktritt aufgefordert, weil er beiden seine Unterstützung zugesagt hatte. 

Die Spannungen um den Fraktionsvorsitzenden Bernhard Lorenz kamen nur zur Sprache, als Wolfgang Gores erklären musste, warum der Bericht des Fraktionsvorsitzenden ausfiel. „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen verzichten wir auf den Rechenschaftsbericht“, verkündete Gores, der zu den Personen gehört, die den Fraktionsvorsitz übernehmen, weil Lorenz ihn wegen der Vorwürfe, Geld vom jetzigen Geschäftsführer der Wiesbaden Holding angenommen zu haben, ruhen lässt. Dass Lorenz in der Partei einen schweren Stand hat, wurde am Ergebnis der Delegiertenwahl für den Landesparteitag erkennbar, bei dem die Landesliste für das Europaparlament aufgestellt werden soll. Lorenz wurde abgestraft, er erhielt keine 50 Prozent der Stimmen, ein beispielloser Vorgang. „Das war das Bedürfnis, ein Signal zu setzen“, erklärte Franz am Rande der Sitzung, „eine Stimmung des Tages.“ 

Seidensticker dagegen wirkt unkompliziert und unbelastet. Er sei einer, „der Chancen schwungvoll nutzt, zu seinen Entscheidungen steht und Rückgrat besitzt“, beschrieb ihn Wilhelm Vogel von der CDU Schierstein. Junge-Union-Sprecher Dennis Friedrich sagte, er sei ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein Mensch, wie „wir ihn brauchen“.

Seidensticker, verheiratet, zwei Kinder, ist seit zwölf Jahren in der Partei aktiv und stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher. Er stehe zum städtischen Plan, 1200 Wohnungen im Jahr zu bauen, sei für die Citybahn und für einen Bürgerentscheid nach der Entwurfsplanung, sagte er zu seinen Zielen. Zudem wolle er mehr für Wirtschaft und Gewerbe tun und mit den Hochschulen Branchencluster gründen.

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