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Manfred Kanther hat wieder gut lachen. Für die Wiesbadener CDU ist er wieder ein Held - vergessen sind die "jüdischen Vermächtnisse".

Wiesbaden

CDU jubelt Manfred Kanther zu

Spendenaffäre - war da was? Nicht für die Wiesbadener CDU. Die bejubelt Ex-Innenminister Kanther stehend - und bestimmt Kristina Köhler erneut zur Kandidatin für den Bundestag. Von Waltraut Rohloff

Von WALTRAUT ROHLOFF

Manfred Kanther (69) strahlte. Er genoss den rhythmischen Applaus der rund 150 Delegierten, die sich seinetwegen von den Plätzen erhoben. Beim Parteitag der Wiesbadener CDU am Montagabend wurde der in Heßloch wohnende frühere Bundesinnenminister und hessische CDU-Landesvorsitzende für 50 Jahre Parteizugehörigkeit geehrt.

Die Laudatio hielt sein langjähriger Freud und politischer Gefährte Gottfried Milde. Dabei umschiffte Milde die nach Ansicht Kanthers "acht weniger erfreulichen Jahre" - jene Jahre, die damit endeten, dass Kanther im Revisionsverfahren zur Schwarzgeldaffäre der hessischen CDU vom Landgericht Wiesbaden rechtskräftig wegen Untreue zu einer Geldstrafe von 54.000 Euro verurteilt wurde. Der Bundesgerichtshof hatte zuvor härtere Strafen aufgehoben. Kanther hatte als hessischer CDU-Generalsekretär zusammen mit dem Finanzberater Horst Weyrauch und dem Partei-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein seit 1983 Millionensummen seiner Partei in schwarze Kassen in die Schweiz und später nach Liechtenstein verschoben. Teile des Geldes waren als angebliche anonyme "Vermächtnisse" jüdischer Emigranten getarnt.

Er habe "Herzblut" für die hessische CDU eingesetzt und bis zum letzten Augenblick gekämpft, sagte Milde über seinen Parteifreund Kanther. Weil er für die CDU in Hessen Bestes gewollt und viel erreicht habe, habe Kanther "Schwierigkeiten bekommen", lobte Milde seinen "treuen und guten Freund". Manfred Kanther dankte der CDU, dass sie ihm "viel ermöglichte, was Freude gemacht hat".

Und er empfahl den Delegierten die zur Bundestagskandidatin zu nominierende Kristina Köhler wegen ihres Mutes und ihrer Standhaftigkeit.

Das Wahlergebnis für Köhler, die nun zum dritten Mal für den Bundestag kandidieren wird, war mit 97,2 Prozent überzeugend: Für die 31-Jährige stimmten 139 Delegierte, vier Stimmzettel waren ungültig.

Köhler sagte, sie wolle in Berlin nicht länger in einer "Zwangsehe" mit einer SPD leben, "die sich nach links treiben lässt". Sie wünscht sich stattdessen eine "stabile Koalition mit der FDP". Die Innenpolitikerin, die den CDU-Arbeitskreis Extremismus und Islamismus leitet, bekannte sich zum Begriff "Leitkultur in Deutschland": Integration sei nur auf dieser Basis möglich. Vor den Delegierten und Gästen des Parteitags, darunter der Vorsitzende des Ausländerbeirats Salih Dogan, sprach sich Köhler dafür aus, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz zu verankern.

Den persönlichen Wahlkampf gegen die 2005 erneut direkt gewählte Abgeordnete Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat Kristina Köhler gleich am Montagabend eröffnet: Die 31-Jährige warf der Ministerin unter Berufung auf den Personalrat schlechten Führungsstil im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe vor.

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