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Fasanerie Wiesbaden: Kleiner Tierpark mit großem Potenzial

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Von: Diana Unkart

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Nadja Niemann füttert Dachs Don Vito. So verliere man nicht den Kontakt zu den Tieren, sagt sie.
Nadja Niemann füttert Dachs Don Vito. So verliere man nicht den Kontakt zu den Tieren, sagt sie. © Michael Schick

Nadja Niemann leitet die Fasanerie in Wiesbaden und will sie zu einem Zentrum für bedrohte Haustierrassen machen. Auch die Themen Naturschutz, Biodiversität und Klimawandel sollen mehr Raum bekommen.

Die Fischotter bekommen ein neues Zuhause. Vor dem Verwaltungsgebäude wuseln Bauarbeiter, ein paar Meter weiter auf dem Spielplatz rangiert ein Radlader. Es wird viel gebaut in der Wiesbadener Fasanerie. Nadja Niemann, die neue Leiterin, sitzt in ihrem Büro und spricht über die Zukunft des Tier- und Pflanzenparks, seine neuen Bewohnerinnen und Bewohner und über ihre beruflichen Stationen im In- und Ausland. Die 43 Jahre alte Biologin, gebürtig aus Köln, war unter anderem Leiterin der Zoologie der Zoom-Erlebniswelt Gelsenkirchen, Zoologische Leiterin im Tierpark Berlin und Zoodirektorin in Wingst.

Das Telefon klingelt, die Bauarbeiten müssen koordiniert werden. Ein paar Minuten später tritt ein Kollege ins Büro, es geht um die Fütterungen. Nadja Niemann sagt, sie füttere regelmäßig mit, weil sie so den Kontakt zu den Tieren und ihren Kolleginnen und Kollegen nicht verliere. Mit zwei Schüsseln unterm Arm und warm eingepackt stapft sie nach oben zu den Gehegen. Das 25 Hektar große Areal, auf dem rund 200 Tiere leben, erstreckt sich über 60 Höhenmeter. Pafu und Cleo, die beiden Farmfüchse, deren Ursprung in der Pelztierzucht liegt, lassen sich die Fleischstücke schmecken. „Die Fasanerie ist ein schöner kleiner Park, sehr familiär“, sagt Niemann. Es sei ein anderes Arbeiten als in großen Zoos. „Man ist näher am Geschehen.“ Das mache auch den Reiz dieses Jobs aus. Der Park habe viel Potenzial.

Künftig soll in der Fasanerie dem Natur- und Artenschutz, der Biodiversität und dem Klimawandel mehr Raum gegeben werden. Dann werden auch Tiere gezeigt, die nach Europa eingewandert sind oder sich als Folge des Klimawandels gerade auf den Weg dorthin machen. Die Ausrichtung mit dem Schwerpunkt auf europäischen Tierarten werde sich aber nicht ändern, sagt Niemann.

Die Fasanerie

Die Geschichte der Fasanerie beginnt mit einer von Fürst Karl von Nassau-Usingen gegründeten Fasanenzucht und dem Bau des Jagdschlosses 1749.

Im Laufe der Zeit wechselte die Nutzung. Vor mehr als 100 Jahren übertrug die königlich-preußischen Forstverwaltung die Fasanerie in das Eigentum der Stadt Wiesbaden.

Die Stadt öffnete die Fasanerie Mitte der 1950er-Jahre als Tier- und Pflanzenpark für die Stadtbevölkerung.

Die Fasanerie beherbergt mehr als 250 Tiere, die sich in auf etwa 50 verschiedene Tierarten aufteilen.

200 000 bis 250 000 Menschen besuchen die Fasanerie pro Jahr.

Der Park ist außerschulischer Lernort. diu

Der Park soll zudem zu einem Zentrum für bedrohte Haustierrassen werden. Alte Hühner- und Kaninchenrassen ziehen demnächst ein, die Schwarznasenschafe im Juni. Unglaublich süß und hochbedroht sei diese Rasse. Die Fasanerie hat sich einer Züchtergemeinschaft angeschlossen, kooperiert mit Schäfer:innen aus der Gegend und einem Start-up aus dem Taunus, das die Wolle der Tiere zu Pellets verarbeiten wird.

Dass sie später mal mit Tieren arbeiten möchte, wusste Nadja Niemann schon, als sie drei Jahre alt war. „Das hat mich einfach fasziniert.“ Dieser Wunsch habe sie immer angetrieben. Angekommen am Gehege der Wildkatzen ruft sie nach Olaf, dem, wie sie erzählt, stets schlecht gelaunten Bewohner. Der lässt zunächst auf sich warten, holt sich das Küken, das sie ihm auf einen Baumstumpf gelegt hat, dann aber doch und verschwindet in einem Versteck. Anders als die miesepetrige Wildkatze scheint Dachs Don Vito die Aufmerksamkeit zu genießen. Er tapst hinter Niemann her und lässt sich füttern. Don Vito ist aus dem Tierpark Rheinböllen in die Fasanerie verliehen worden und soll dort für Nachwuchs sorgen.

Ein Tier ist vor nicht allzu langer Zeit freiwillig und ohne menschliches Zutun eingezogen: eine Zwergfledermaus. In ihrer Einflugschneise wird künftig die neue Nachtfalterwiese liegen, „das All-you-can-eat-Büfett für Fledermäuse“, sagt Niemann. Der einen Zwergfledermaus sollen möglichst noch ein paar Artgenossen folgen. Neben der Nachtfalterwiese werden eine Hummelwiese, ein insektenfreundlicher Mustergarten und ein interaktives Bienenhaus neu angelegt. Das Besondere am Bienenhaus sind seine dreieckige Form – deshalb der Name „Bee’s Triangle“ – und die herausnehmbaren Bruthilfen für verschiedene Wildbienen. Das pädagogische Konzept dazu wird in einer Masterarbeit entwickelt.

200 000 bis 250 000 Menschen besuchen den Tier- und Pflanzenpark mit seinem außergewöhnlichen Baumbestand Jahr für Jahr. Die Stadt als Trägerin lässt sich den Parkbetrieb einiges kosten, ein Förderverein unterstützt und sammelt Geld für Investitionen. Für die Besucherinnen und Besucher ist der Eintritt frei.

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