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Gemeinsam stark: Schüler helfen Schülern bei Angriffen.

Gefahren im Internet

Schüler klären auf

Schulsozialarbeiter lernen von Teenagern, Gefahren und Mobbing im Internet zu erkennen. Mit diesem Projekt dient Wiesbaden als Vorbild für andere Städte.

Von Gesa Fritz

Heute sind sie wieder dicke Freundinnen. Nur auf Facebook, da ist noch zu lesen, dass sich die beiden Mädchen einmal als „Hure“ und „Nutte“ beschimpft haben – um nur die harmloseren Formulierungen zu zitieren. Jetzt steht ein Schülerpraktikum an. „Wenn das der Arbeitgeber liest, können sie das Praktikum vergessen“, sagt Relana.

Relana ist 14 Jahre alt und eine Freundin der beiden Mädchen. Damals hatte sie Angst, sich einzumischen. Sie fürchtete, auch Opfer der Schimpftiraden zu werden. „Heute bereue ich das“, sagt sie. „Man darf sich bei Mobbing nicht raushalten.“

Relana ist eine von 16 Schülern der Sophie-und-Hans-Scholl-Schule, die im Januar eine Ausbildung zum „Peer Educator“ durchlaufen haben. Das heißt, sie wurden so geschult, dass sie Gleichaltrige über die Gefahren in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ oder Facebook aufklären können. Ausgebildet wurden sie von Verena Ketter vom Amt für Soziale Arbeit. Ketter hat vor vier Jahren in Wiesbaden ein Modellprojekt zum Jugendmedienschutz entwickelt. Inzwischen haben es mehrere Städte und Kommunen im gesamten Bundesgebiet übernommen.

Alle Schulen beteiligen

Gestern nun haben die 13- bis 15-jährigen Schüler statt Gleichaltriger rund 40 Schulsozialarbeiter ausgebildet. „Die Schüler sind die Experten, sie sind mit dem Internet aufgewachsen“, sagt Ketter. Über die Schulsozialarbeiter soll das medienpädagogische Projekt dann in mehr Wiesbadener Schulen getragen werden. Bisher haben nur vier Schulen von Ketters Arbeit profitiert. „Cybermobbing gibt es aber an allen weiterführenden Schulen in Wiesbaden“, sagt Ketter.

Für ihre Aufklärungsarbeit nutzen die jugendlichen Peer Educatoren eine interaktive Ausstellung. Unter ihrer Anleitung durchlaufen die Gleichaltrigen – oder gestern eben die Schulsozialarbeiter – verschiedene Stationen. Sie müssen sich in einer nachgespielten Gerichtsshow in die Rolle von Mobbern und Opfern begeben. Sie lernen, wie ein gutes Passwort mit Eselsbrücke aussieht – etwa „007MNiBJB!“ von „007Mein Name ist Bond, James Bond!“. Und eben, dass man sich bei Mobbing immer einmischen muss und kann.

Diese Erfahrung hat auch der 14-jährige Leonard gemacht. Sein Freund wurde über Facebook heftig beleidigt und bedroht. Entstellte Bilder landeten in dem sozialen Netzwerk. „Er wurde total depressiv“, sagt Leonard. Leonard hat den Fall dann bei Facebook gemeldet. Seitdem herrsche Ruhe. „Man sollte sich mit ein paar Freunden zusammentun und gemeinsam wehren“, sagt Leonard. Damit man nicht selbst zum Mobbing-Opfer wird.

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