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Expedition zum Wrack der SMS Wiesbaden

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Das Kriegsschiff SMS Wiesbaden sank 1916 im Skagerrak. Doch sein Tafelsilber lagert bis heute in der hessischen Landeshauptstadt.

Seit knapp 100 Jahren liegt das Wrack der „SMS Wiesbaden“ 52 Meter tief auf dem Grund der Nordsee. Salz und Wasser setzen ihren Überresten unerbittlich zu. Anfang August wollen jetzt zwei Profi-Taucher eine privat finanzierte Expedition zu dem Wrack im Skagerrak starten. Die neunköpfige Tauchcrew um den Marine-Kampfschwimmer Jens Hilbert und den Tauchlehrer Derk Remmers plant, eine Gedenktafel der Stadt Wiesbaden anzubringen.

Das SMS vor den Namen aller Schiffe der kaiserlichen deutschen Marine stand für „Seiner Majestät Schiff“. Den 145 Meter langen Kreuzer „Wiesbaden“ versenkten britische Schiffe in der Nacht zum 1. Juni 1916 bei der Schlacht im Skagerrak. Dabei fanden 589 Menschen den Tod. Einzig der Oberheizer Hugo Zenne überlebte. An Bord starb auch der niederdeutsche Dichter Johann Kinau, bekannt unter seinem Künstlernamen Gorch Fock.

Das Wrack wurde erst im Juni 1983 bei einer Übung von Tauchern der Marine entdeckt. „Doch die Tauchprotokolle aus dieser Zeit sind verschwunden“, sagt Kampfschwimmer Hilbert. Deshalb kaufte das Team die Koordinaten des Wracks bei einem Experten. „Wir sind sehr optimistisch, dass wir das Wrack finden“, sagte er.

„Die Wracks im Skagerrak zerfallen von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Remmers. „Wir werden dort einen riesigen Schrotthaufen vorfinden.“ Geplant seien deshalb Foto- und Videoaufnahmen der „Wiesbaden“, damit die Erinnerung an die gesunkenen Schiffe erhalten bleibe. In das Wrack eindringen wollen und dürfen sie aber nicht, weil es sich bei der SMS Wiesbaden um ein Kriegsgrab handelt.

Verspätetes Geschenk der Stadt

Ursprünglich wollten die Taucher mit reichlich Verspätung auch ein Patengeschenk der Stadt Wiesbaden an das Schiff an Bord bringen. Nach dem Stapellauf des Kreuzers in 1915 hatte die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung für 5000 Reichsmark Patengeschenke gekauft: Tafelsilber, Bücher, Musikinstrumente und zwei Bilder der Stadt. Sie sollten nach Friedensschluss feierlich an die Besatzung übergeben werden.

Noch heute liegt das Tafelsilber in Wiesbaden im Tresor. Es besteht aus 223 Einzelteilen vom Eislöffel bis hin zur Hummergabel. Weil es kein Geld für eine Replik gebe, habe die Stadt ihnen ein Stück des Bestecks mitgeben wollen, sagt Hilbert. Doch angesichts der Gefahr von Grabräubern werde die Crew es bei der Gedenktafel belassen.( ddp)

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