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Erster Römertag in Wiesbaden

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Von: Diana Unkart

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Daniel Burger-Völlmecke erläutert ein Gemälde, das Wiesbaden um 120 n. Chr. zeigt. M. Schick (2)
Daniel Burger-Völlmecke erläutert ein Gemälde, das Wiesbaden um 120 n. Chr. zeigt. M. Schick (2) © Michael Schick

Eine Sonderausstellung im Stadtmuseum widmet sich der römischen Badekultur und deren Interpretation um 1900. Begleitend zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Programm.

An einem Herbsttag im Jahr 120 nach Christus wird dort, wo sich der Mauritiusplatz befindet, vermutlich gebaut. Die antike Siedlung, die heute als Wiesbaden bekannt ist, ist zu einem Verwaltungssitz aufgestiegen und soll ein Forum bekommen. In den Thermen amüsieren sich die Menschen. Das Kastell wird gerade zurückgebaut. Wie Wiesbaden im Jahr 120 ausgesehen haben könnte, zeigt André Brauchs Ölgemälde, das im Stadtmuseum am Markt enthüllt wurde. Es ist Teil der neuen Sonderausstellung „Wasser Macht Identität“.

Wasser ist ein identitätsstiftendes Merkmal für Wiesbaden. Ohne die heißen Quellen wäre die Stadt nicht zu dem geworden, was sie ist: gemeinsam mit Aachen die erste Bäderstadt Deutschlands und die einzige Stadt in Hessen, die seit der Antike bis heute durchgehend besiedelt ist. Die Ausstellung widmet sich zwei Schwerpunkten: der Badekultur zur Römerzeit und deren Interpretation um 1900. „Beides ist besonders spannend, weil es für das heutige Stadtbild maßgeblich, aber erst auf den zweiten Blick zusammenhängend und sichtbar ist“, schreibt Sabine Philipp, Direktorin der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, im Katalog zur Ausstellung.

Das kuratorische Team Daniel Burger-Völlmecke und Vera Klewitz hat spannende Objekte aus der umfangreichen Sammlung und zudem neue Erkenntnisse zutage gefördert.

Erster Römertag

Die Sonderausstellung „Wasser Macht Identität wird im Wiesbadener „Jahr des Wassers“ und bis 29. Januar 2023 im Sam – Stadtmuseum am Markt gezeigt.

Begleitend wurde ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Unter anderem gibt es öffentliche und Kuratoren-Führungen und Mitmachvorführungen für Schulen. Die Ausstellung enthält Mitmachelemente, die alle Sinne ansprechen sollen. Zudem sind Vorträge geplant, die die Themen vertiefen.

Am Sonntag, 2. Oktober, startet um 10 Uhr der erste Römertag in Wiesbaden auf dem Dern’schen Gelände und im Stadtmuseum.

Es gibt unter anderem Köstlichkeiten aus der römischen Küche, römische Spiele, Informationen zu antiker Heilkunde und zum Badwesen.

Außerdem erklingt römische Musik auf der Hydraulis, der Wasserorgel.

Für Kinder bieten sich diverse Mitmachmöglichkeiten. diu

Die Thermenanlagen auf dem Gebiet des heutigen Kranzplatzes, 1903 beim Bau des Palasthotels entdeckt, gehörten zu den größten ihrer Art rechts des Rheins – und nahmen sich im Vergleich zu den berühmten Caracalla-Thermen in Rom doch bescheiden aus, wie ein Grundrissvergleich zeigt. Trotzdem waren Wiesbadens heiße Quellen bis nach Rom bekannt. Die Römerinnen färbten ihre Haare mit Sinter, den rötlichen mineralischen Ablagerungen, aus Wiesbaden.

Vor den Thermen regelten Sonnenuhren den Besucherstrom. Die in Wiesbaden gefundene Horizontalsonnenuhr, die vermutlich vor der Therme am Schützenhof angebracht war, ist eine Besonderheit. Bislang wurden solche Uhren nur im Mittelmeerraum gefunden, das Wiesbadener Exemplar ist das einzige aus den nördlichen Provinzen.

Fast mutet es ironisch an, dass die 1903 entdeckten Thermenmauern zerstört wurden – und anschließend damit geworben wurde, dass das luxuriöse Palasthotel auf den Resten antiker Badeanlagen steht. In der Ausstellung sind Fotos von Kaiser Wilhelm II. zu sehen, wie er die Ausgrabungsstätte am Kranzplatz besichtigt. 1913 bekommt Wiesbaden einen neuen Badetempel, den modernsten in Deutschland, die Kaiser-Friedrich-Therme, die auf vielerlei Weise Anleihen bei antiken Vorgängerbauten nimmt. Die Besucher:innen erfahren, wie sie seinerzeit ausgestaltet war, und welche Anwendungen es gab. Ausgestellt sind beispielsweise die Utensilien des damals populären Vierzellenbades. Wiesbadens Heil- und Wellnessangebote, die die Hautevolee in die Stadt zogen, wurden auf allerlei Weise vermarktet, davon zeugen Exponate wie Postkarten oder Pastillendosen.

In den „Blauen Heinrich“ konnte diskret gespuckt werden.
In den „Blauen Heinrich“ konnte diskret gespuckt werden. © Michael Schick

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