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Erste Schritte am Rheinufer

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Von: Arne Löffel

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Überraschung am Rheinufer: Die Stadt will ihr Vorkaufsrecht ausüben, um die ehemalige Wasserschutzpolizei zu erwerben. Das verwundert vor allem den bisherigen Investor. Das Liegenschaftsdezernat hält das Gelände für ein Schlüsselgrundstück, das bei der Stadt bleiben soll.

Die Stadt will ihr Vorkaufsrecht beim ehemaligen Präsidium der Wasserschutzpolizei an der Rheinport-Marina in Kastel ausüben und das Areal nebst Gebäude vom Land Hessen erwerben. Das hat der Magistrat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen. „Wir treten anstatt der ,European Consult and Investment‘ in den Vertrag ein“, bestätigt Liegenschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU). Den Kaufpreis will er indes nicht nennen.

„Es ist wichtig für die Entwicklung des Rheinufers, dass die Stadt weiterhin direkten Einfluss hat. Dieses Schlüsselgrundstück zu erwerben, und das noch zu einem guten Preis, ist ein Gewinn für Wiesbaden“, lobt SPD-Fraktionschef Christoph Manjura die Entscheidung.

Christian Kirk, Geschäftsführer der ausgebooteten Firma, gibt sich gegenüber der FR verwundert über die Ausübung des Vorkaufsrechts. „Die Stadt hat laut dem Magistratsbeschluss, der uns zugestellt wurde, das gleiche mit dem Areal vor wie wir: eine Gastronomie an der Marina und darüber hinaus eine öffentliche Nutzung wie eine Galerie“, sagt Kirk. Verwundert sei er auch über den Sinneswandel im Rathaus, das zweimal gegenüber dem Land den Kauf abgelehnt habe.

„Wir haben das Gelände im Dezember erworben und umgehend mit den Instandsetzungsarbeiten begonnen, bereits eine sechsstellige Summe investiert“, beschwert sich Kirk. Nun müsse sich sein Team überlegen, welches Entwicklungspotenzial überhaupt noch im Hafen stecke, der auch schon seiner Firma gehöre. „Wir wollten auch den Fahrradweg weiterführen. Das muss nun alles auf den Prüfstand“, so Kirk. Der Investor betont, dass die restlichen Planungen am Kasteler Rheinufer vom Schuss vor den Bug aus dem Rathaus aber unbeeinflusst blieben. Kirks Firmenkonsortium hat sich der Entwicklung des Kasteler Rheinufers angenommen, unter anderem der Bebauung der Verpackungsfabrik Ludwig Clemens, und dafür eine eigene Firma gegründet.

90 Prozent der Firmenanteile hat Kirk mittlerweile an die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) veräußert, eine Tochter der Helaba. Deren Pressesprecher Marc Hohmann will keine konkreten Planungen verraten. „Wir sind am Anfang der Gespräche mit der Stadt, das wäre unseriös“, so Hohmann. Stadtrat Bendel ist nicht unglücklich über den Einstieg der GWH, wenn er auch nichts gegen private Investoren habe. „Aber wenn eine Tochterfirma der Helaba in das Projekt einsteigt, kann man davon ausgehen, dass am Ende auch gebaut wird“, so Bendel. Eine gewisse Finanzstärke sei zudem vonnöten, weil ein Regenrückhaltebecken der Entsorgungsbetriebe verlegt werden müsse, was eine siebenstellige Summe verschlinge. Nun gelte es, die Planungen zügig weiter voranzutreiben und Baurecht zu schaffen.

Das Gerücht, die Stadt wolle im ehemaligen Präsidium für mehrere Jahre unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen, dementiert Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD): „Das war so nie geplant.“ Abgesehen davon sei es eine strikte Regel der Stadt, dass die Adressen der Häuser, in denen Minderjährige ohne ihre Familien untergebracht sind, nicht veröffentlicht werden.

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