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VHS eröffnet Lernzentrum für Migranten

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Ziel fest im Blick: In der VHS können Migranten nun an zwölf PCs Deutsch lernen
Ziel fest im Blick: In der VHS können Migranten nun an zwölf PCs Deutsch lernen © VHS Wiesbaden

Förderung durch EU-Fonds / Weber: „Jeder erhält für sein Anliegen die passgenaue Unterstützung“

Von Peter H. Eisenhutth

Manchmal müssen Beate Jung-Stoeckle und ihre Kolleginnen bei null anfangen. „Wenn Leute in unsere Integrationskurse kommen, die in ihrer Heimat nie in einer Schule waren, kann es sein, dass man zunächst mal die Mobilität der Finger herstellen muss, damit sie überhaupt einen Stift richtig halten können“, sagt die Mitarbeiterin der Wiesbadener Volkshochschule (VHS). Viele andere sind zwar alphabetisiert – aber nicht lateinisch; sie müssen sich beim Erlernen der deutschen Sprache an neue Buchstaben gewöhnen.

Diesen und allen anderen Migranten, die an der VHS Deutsch lernen, steht jetzt ein zusätzliches Angebot zur Verfügung: Im neu eingerichteten Lernzentrum haben sie die Möglichkeit, vor und nach den Kursen ihre Kenntnisse zu vertiefen. Einen Gruppenraum, einen Arbeitsraum mit zwölf PC-Arbeitsplätzen und eine Kaffeeecke hat die Volkhochschule eigens dafür eingerichtet, trotz der angespannten Raumsituation. „Wir wollten ein solches Lernzentrum schon seit Jahren haben“, sagt Anja Carolin Weber, die Leiterin des Fachbereichs Sprachen.

Jetzt war die Gelegenheit günstig, da der Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU die Mittel zur Verfügung stellt. Allerdings nur für länderübergreifende Projekte, weshalb die Wiesbadener VHS mit den Kollegen in Bingen und Bad Kreuznach („Integration an Rhein und Nahe“) kooperiert, die schon länger über Lernzentren verfügen. „Wir profitieren von deren Erfahrung“, sagt Weber, „dafür bringen wir dann beispielsweise die Fortbildungen für Kursleiter in die Zusammenarbeit ein.“

Den Nutzern des Wiesbadener Lernzentrums versprechen dessen Leiterin Ana Arambasic und Gabriele Nisius die bestmögliche individuelle Förderung. Im persönlichen Gespräch werde der Stand der Sprachkenntnisse überprüft, gemeinsam würden danach die jeweiligen Lernziele definiert. Ganz gleich, ob jemand seine Aussprache und Lesefähigkeit verbessern oder Briefe schreiben wolle: „Jeder erhält für sein Anliegen die passgenaue Unterstützung“, sagt Weber. Doch die Migranten sollen nicht nur lernen, sondern „wir versuchen die Lernenden zu motivieren, eigenständig zu arbeiten“, erläutert Arambasic. Wer aber Hilfe benötige, erhalte sie auch. „Für Leute, die sich mit Computern nicht auskennen, haben wir sogar einen ,Maustrainer‘“, erzählt Nisius.

Integrationskurse bietet die VHS Wiesbaden seit 2005, die Teilnehmerzahl liege jährlich bei rund 600, berichtet Anja Carolin Weber. Keinen Zweifel haben die Verantwortlichen daran, dass zahlreiche Kursteilnehmer zusätzlich auch das Lernzentrum nutzen werden. „Schon vor der offiziellen Eröffnung hat sich das herumgesprochen wie ein Lauffeuer. Wir können uns vor Nachfragen nicht retten.“

Den Teilnehmern der Sprachkurse sei daran gelegen, möglichst schnell das B-1-Niveau zu erreichen, sagt Beate Jung-Stoeckle. „Das braucht man, um einen unbefristeten Aufenthaltstitel zu erhalten und später gegebenenfalls für die Einbürgerung.“ Auf der ersten Stufe der Sprachkompetenz (A1) könne man beispielsweise einfache Sätze über sich selbst formulieren, einfache Fragen stellen und beantworten, Essen im Restaurant bestellen oder einfache Formulare ausfüllen. „Mit B2 kann man sich problemlos auf dem nicht-akademischen Arbeitsmarkt bewegen. Und C1 entspricht akademischem Niveau.“

Bis dahin scheint es ein weiter Weg zu sein. Petra Fleischmann hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass es auch ein gangbarer Weg ist: „Bei uns war ein Arzt aus der Türkei, der sich zum Ziel gesetzt hatte, auch in Deutschland in seinem Beruf zu arbeiten“, berichtet die Leiterin des Lernzentrums der Binger VHS. „Er hat es innerhalb von vier Monaten geschafft, C-1-Niveau zu erreichen.“

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