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Im Ernstfall nach Mainz

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Für Augendiagnosen sind Fachmediziner gefragt.
Für Augendiagnosen sind Fachmediziner gefragt. © ddp

Ein augenärztlicher Notdienst fehlt seit einem Jahr in Wiesbaden. Die nächste Anlaufstelle in Hessen liegt in Frankfurt. Daher fahren viele Patienten an die Uniklinik nach Mainz.

Von Elisabeth Böker

Wenn man etwas ins Auge bekommt oder andersweitig plötzlich akute Probleme mit dem Sehorgan auftreten, ist schnelles Handeln gefragt. Doch seit einem Jahr ist eben das in Wiesbaden ein Problem: Es gibt keinen augenärztlichen Notdienst mehr. Die nächste Anlaufstelle in Hessen ist in Frankfurt. Daher fahren viele Patienten an die Uniklinik nach Mainz.

Von einer „ganz erheblichen“ Zunahme der Patienten aus Hessen spricht Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz. 39 Prozent aller Patienten im September 2013 stammten aus Hessen. Im Vergleich dazu waren es im September 2012 insgesamt 28 Prozent und im September 2011 nur 20. Somit haben sich binnen zweier Jahre prozentual gesehen die Anzahl der hessischen Patienten verdoppelt. In absoluten Zahlen waren es im September 2011 genau 64 Patienten aus Hessen und 175 im September 2013.

Der Anstieg ist dadurch zu erklären, dass im November 2011 der nächtliche ambulante Notdienst der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken schloss. Im Oktober 2012 entschieden dann die niedergelassenen Augenärzte, ihren Bereitschaftsdienst einzustellen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen teilte dazu mit, dass der allgemeine ärztliche Notdienst im Ernstfall als Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Somit sei aus ihrer Sicht eine Versorgung gewährleistet.

Für den Augenarzt Pfeiffer ist das nicht ausreichend: „Bei Augenverletzungen sind spezielle Fähigkeiten und Geräte nötig.“ Diese stünden einem Allgemeinmediziner nicht zur Verfügung. Im Notfall müsse ein Augenarzt nicht nur schnell Splitter aus dem Auge entfernen können. Auch träten manchmal Rötungen auf, bei denen es sich nicht um eine Reizung handele, sondern um eine sogenannte Regenbogenhautentzündung. Diese könne nur von Spezialisten unterschieden werden. Werde nicht schnell geholfen, trage der Patient schwere Schäden davon .

Die Patientenzunahme bedeutet für Norbert Pfeifer und sein Team eine „enorme Mehrbelastung“. Sie mussten bereits die Anzahl der Ärzte von einem auf zwei verdoppeln. „Falls die Entwicklung weitergeht, müssen wir einen Schichtdienst einführen“, sagt der Mediziner.

Mangel nicht nur in Wiesbaden

Ein augenärztlicher Notdienst, der in der Nacht oder am Wochenende Patienten versorgt, fehlt nicht nur in Wiesbaden. Auch im Rheingau-Taunus-Kreis, dem Main-Taunus-Kreis und dem Hochtaunus-Kreis wird diese Hilfe nicht angeboten. Somit fehlt es in einem Gebiet mit fast 500 000 Einwohnern an Versorgung.

Im Oktober vergangenen Jahres, als die Mehrbelastung abzusehen war, monierte Pfeiffer dies bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Von dort heißt es jetzt: „Wir planen einen augenärztlichen Notfalldienst ab dem kommendem Winter“, so Pressesprecherin Petra Bendrich. Wie der allerdings aussehen wird, und wo er stationiert ist, kann sie noch nicht mitteilen.

„Die Uniklinik Mainz ist bei der Lösungsfindung nicht einbezogen worden“, sagt Pfeiffer. Über Dritte habe er erfahren, dass es danach ausschaue, dass in Frankfurt ein Arzt zuständig sein soll. Das allerdings würde die Mainzer Uniklinik seiner Meinung nach nicht entlasten, da Mainz von einigen hessischen Städten aus schneller erreichbar ist. Daher sagt Pfeiffer: „Wir plädieren für einen gemeinsamen Notdienst im Bereich von 30 bis 50 Kilometern.“ In Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg werde dies bereits länderübergreifend gut umgesetzt.

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